Auto-Unfallforschung
Sichere Karosserien erschweren Unfall-Rettung

Die immer weiter verbesserte Sicherheit von Autokarosserien bereitet im Ernstfall auch Probleme: Denn bei einem Unfall macht hochfester Stahl es den Rettern schwer, Verletzte aus den Fahrzeugen zu befreien.
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dpa/tmn FRANKFURT/M. Manche Bereiche sind kaum ohne schweres hydraulisches Gerät zu bezwingen. Über dieses Thema diskutieren Experten jetzt auch auf der IAA. Der ADAC hat das Problem im Rahmen einer Studie untersucht. Ein Ergebnis lautet: Je neuer das Fahrzeug, desto länger dauert es, bis ein eingeklemmtes Unfallopfer aus seinem Blechgefängnis befreit ist. Bei Fahrzeugen der Baujahre 2005 bis 2007 verstreicht schon fast bei jedem zweiten Fall mehr als eine Stunde, bis der Verletzte auf dem Weg ins Krankenhaus ist. Bei den Baujahren 1990 bis 1992 dauert die Rettung nur in jedem fünften Fall länger als 60 Minuten.

Frank Hüsch von der Berufsfeuerwehr Wiesbaden bestätigt das: "Personenrettung ist keine Wissenschaft, sondern Handwerksarbeit." Hüsch sitzt in einer Arbeitsgruppe, die sich Gedanken macht über die Zukunft der Verkehrsunfallopferrettung. Dabei liege es vor allem an den Herstellern, bei dem Thema zu kooperieren, sagt Hüsch. "Wir können nichts fordern, das muss alles freiwillig geschehen."

So hätten rund drei Viertel der deutschen Autobauer sogenannte Rettungsdatenblätter zur Verfügung gestellt. Darin steht, wo Rettungsgerät am besten angesetzt werden sollte, auch Gefahren wie etwa die Gaspatronen der Airbags sind darauf vermerkt.

"Früher hatten wir gar keine Informationen über die Besonderheiten der Fahrzeugtypen. Mit den Rettungsdatenblättern ist nun wenigstens ein Anfang geschafft", sagt Frank Hüsch. Doch das sei erst die halbe Miete. Denn wie die Informationen abrufbar sein sollen, ist noch unklar. Ein Laptop mit mobilem Internetzugang könnte die Sache beschleunigen - und es bestünde die Chance, Aktualisierungen der Autobauer automatisch von Datenbanken abzurufen.

"Eine weitere Möglichkeit ist, dass Feuerwehren - wie die Polizei auch - beim Kraftfahrtbundesamt über das Nummernschild Fahrzeugdaten abfragen dürfen", sagt Hüsch. In den Niederlanden etwa sei das schon Praxis. "Langfristig müssen aber Systeme her wie der E-Call", meint Hüsch. Diese Technik registriert einen Unfall und setzt automatische Notrufe ab - samt satellitengenauer Position des Unfallorts und allen relevanten Daten zum Fahrzeugtyp. Dann könnten die Feuerwehren sich schon auf der Anfahrt über die Rettungstaktik am Unfallort beraten.

Doch bis diese Systeme Standard sind, wird es dauern. Der ADAC favorisiert daher das Übergangsmodell einer Rettungskarte, die in den Autos an der Sonnenblende des Fahrers befestigt wird. Sollte sie sich wirklich durchsetzen, hätten die Retter am Ort schnell den richtigen Leitfaden zur Hand.

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