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VW Scirocco: Windspiel aus Wolfsburg

Hamburg (dpa-infocom) - Der Golf bekommt einen sportlichen Bruder. Mehr als 30 Jahre nach der Premiere des Scirocco lässt VW die Idee des kompakten Zweitürers aufleben und bringt Ende August als „bezahlbaren Traumwagen“ ein Sportcoupé mit neuer Form und altem Namen heraus.

Hamburg (dpa-infocom) - Der Golf bekommt einen sportlichen Bruder. Mehr als 30 Jahre nach der Premiere des Scirocco lässt VW die Idee des kompakten Zweitürers aufleben und bringt Ende August als "bezahlbaren Traumwagen" ein Sportcoupé mit neuer Form und altem Namen heraus.

Der Scirocco zeigt das neue Gesicht der Marke

Die Neuauflage stammt aus dem Baukasten der Golf-Familie. Allerdings wurden die Komponenten völlig neu verpackt, so dass es zumindest außen keine Ähnlichkeiten mehr gibt. Im Gegenteil: Während man drinnen auf die Instrumente des Eos blickt und viele Schalter aus Golf und Tiguan in der Hand hält, zeigt der Scirocco außen bereits das neue Gesicht der Marke: Das Chrom-Lätzchen macht einem schmalen schwarzen Streifen über und einem Wabengrill unter dem Stoßfänger Platz, die den Sportler schön böse aussehen lassen. Und auch die Scheinwerfer in ihren dunklen Höhlen blicken keineswegs freundlich.

Ein Innenraum wie im aktuellen Sportstudio

Dazu gibt es eine sportliche Flanke, die geprägt ist vom langen, flachen Dach, das bereits auf 1,40 Metern gipfelt, und der ansteigenden Gürtellinie, die sich wie ein Muskel über die Karosserie legt. Die Sahneseite ist aber das ebenso breite wie niedrige Heck des gerade einmal 4,26 Meter langen Scirocco. Mit der kleinen Klappe eines sportlichen Kombis, ausladenden Hüften und großer Spur steht das Coupé so satt und stark auf der Straße wie ein Sprinter vor dem Start. Auch innen fühlt man sich wie im aktuellen Sportstudio: Die Sitze sind deutlich ausgeformt und bieten viel Seitenhalt, das Lenkrad ist unten abgeflacht wie in einem Rennwagen, und wer den weiten Verstellbereich nutzt, lässt Mensch und Maschine förmlich verschmelzen. Ohne dass es einem tatsächlich eng würde, fühlt man sich wie im Scirocco gefangen und genießt die Nähe zur Straße.

Auf dem Rücksitz verliert der Scirocco seinen Reiz

Je weiter allerdings der Blick nach hinten wandert, desto mehr weicht die Begeisterung einer gewissen Ernüchterung. Zwar spricht VW von einem Sportwagen für jeden Tag. Doch die beiden ebenfalls sportlich ausgeformten Einzelsitze im Fond sind nicht nur schlecht zu erreichen, sondern bieten auch zu wenig Platz. Die Kniefreiheit geht noch in Ordnung. Aber der Kopf stößt schnell ans Dach, an den Schultern wird es eng, und viel sehen kann man von hinten auch nicht.

Heckpartie bietet mehr Form als Funktion

Auch beim Gepäckabteil haben die Designer die Funktion der Form geopfert: Ein Fassungsvermögen von 292 Litern, das man durch Umklappen der geteilten Rückbank auf 755 Liter erweitern kann, ist zwar nicht schlecht. Doch macht die hohe Ladekante jedes Einladen zum Kraftakt. Außerdem ist die Luke zu klein und kann nur mit dem Funkschlüssel oder einer Taste im Cockpit geöffnet werden.

Kurvenfeger mit 200 PS und straffem Fahrwerk

Angeboten wird der Scirocco zunächst mit drei Benzinern und einem Diesel, die allesamt mit Direkteinspritzung und Aufladung arbeiten und ein Spektrum von 90 kW/122 PS bis 147 kW/200 PS abdecken. Dabei verspricht natürlich der stärkste Motor auch den größten Spaß: Mit maximal 280 Newtonmetern schiebt der Zweiliter das Coupé gehörig an. Während das Doppelkupplungsgetriebe im Sportmodus jeden Gang bis in den roten Bereich ausdreht und die Wolfsburger Flunder beinahe klingt wie die Rennversion vom Nürburgring, vergehen nur 7,1 Sekunden, bis Tempo 100 erreicht ist. Ein Ende findet die Beschleunigung erst bei 233 Kilometern pro Stunde (km/h). Dabei ist der Sprinter zumindest im Normzyklus ein Sparer und verbraucht gerade einmal 7,6 Liter (CO2-Ausstoß: 179 g/km). Zum sportlichen Anspruch passt auch die Fahrwerksabstimmung. Die Lenkung ist präzise wie das Skalpell eines Chirurgen, und die Straßenlage würde insbesondere mit den adaptiven Dämpfern jeden Sportwagen ehren.

Die Preise sind so scharf wie das Design

Die Preise für das Windspiel aus Wolfsburg sind scharf kalkuliert und beginnen bereits bei 21 750 Euro - ESP, sechs Airbags, Klimaanlage und Alufelgen inklusive. Ein identisch motorisierter, aber schlechter ausgestatteter Golf ist nur knapp 3 000 Euro günstiger. Und die 200-PS-Variante ist mit 25 550 Euro sogar einen Tick billiger als der gleich starke Golf GTI. Diese attraktive Preisstellung ist aber auch bitter nötig. Denn erstens betont VW immer wieder die Idee vom "bezahlbaren Traumwagen". Und zweitens gibt es zwar in dieser Liga kaum Wettbewerber, aber bislang eben auch nur wenige Kunden.

Fazit: Heißer Wind statt laues Lüftchen

Doch am Erfolg des Scirocco gibt es kaum Zweifel: Das Design stimmt, der Preis ist in Ordnung, der Fahrspaß kommt schon auf den ersten Kilometern. Und dass man hinten kaum guten Gewissens sitzen kann, wird die meisten Kunden nicht stören. Wie der heiße Wüstenwind, der dem Scirocco seinen Namen gab, wird das Sportcoupé deshalb den Staub aus der Golf-Klasse blasen und Lust und Leidenschaft zurückbringen.

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