Autohandel
Trotz Prämien-Boom: Handel droht Restwert-Risiko

Viele Neuwagenhändler haben dank der Abwrackprämie zuletzt ganz ordentliche Geschäfte gemacht. Doch Branchenexperten und der ADAC warnen vor "herben Verlusten", die manchem Händler demnächst wegen falsch kalkulierter Leasing-Geschäfte drohen. Zahlreiche Insolvenzen könnten die Folge ein. Das dürfte auch Konsequenzen für viele Autokäufer haben.

dpa/tmn MÜNCHEN/LIMBURG. Hintergrund der brisanten Lage sind dem ADAC in München zufolge falsche Berechnungen bei Leasing-Geschäften. Jahrelang hätten viele Händler beim Kilometer-Leasing mit überhöhten Fahrzeugrestwerten gearbeitet. Nur so hätten sie die Leasing-Raten für die Fahrzeuge kundenfreundlich niedrig halten können.

Beim Kilometer-Leasing wird der Restwert vertraglich vereinbart - "das Risiko trägt der Händler", erläutert Nick Margetts aus Limburg. Je nachdem, wie "risikofreudig" die Händler den Restwert kalkuliert haben, gerieten sie bei Rücknahme des Autos finanziell aufs Glatteis, erklärt der Geschäftsführer des Marktbeobachters Jato Dynamics: "Sie müssen den vereinbarten Restwert honorieren und stehen dann mit einem zu teuer "eingekauften" Leasing-Rückläufer da."

Laut ADAC hat der Preisverfall insbesondere bei großen Premiumkarossen mit hohem Verbrauch zu sinkenden Restwerten geführt. Einfluss darauf hatten sicher die Klimadiskussion und die steigenden Spritpreise. "Jedes zurückkommende Fahrzeug, das nicht zum kalkulierten Preis weiterverkauft werden kann, bringt einen Verlust. Und es kommen viele Fahrzeuge zurück", heißt es. Immerhin sei ein Drittel aller Autos in Deutschland geleast.

"Da steht einiges an Risiken in den Büchern", ist sich auch Bernhard Ebel, Automobilexperte des Beratungsunternehmens Simon-Kucher & Partners in Bonn, sicher. Das sei ein Faktor, der das Insolvenzrisiko vieler Händler erhöht. Betroffen seien mehr oder weniger alle Unternehmen, die Leasing-Verträge abgeschlossen haben. Auch der ADAC befürchtet, dass aufgrund der Fehlkalkulationen in den kommenden Monaten zahlreiche Händler pleitegehen könnten.

Händler-Peite schlimmer als Hersteller-Pleite

Eine Händler-Pleite hätte für Autokäufer weitaus schlimmere Folgen als die Insolvenz eines Herstellers, über die im Zusammenhang mit General Motors und Opel auch schon spekuliert worden ist. Nach Worten von ADAC-Juristin Silvia Schattenkirchner fällt bei der Insolvenz des Händlers der Ansprechpartner für den Autokäufer bei Ansprüchen aus der gesetzlichen Sachmängelhaftung weg. Geht dagegen der Hersteller pleite, hat das für Verbraucher weniger Auswirkungen, weil sie sich mit Ansprüchen immer noch an den Händler wenden können.

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