Autohersteller setzen auf drei Räder
Auf der Suche nach dem Motorrad-Feeling

In steter Regelmäßigkeit rollen auf Messen insbesondere die Automobilhersteller Dreiräder ins Rampenlicht. Meist suchen sie auch mit einer offenen Karosserie die Nähe zum Motorrad. Wenn es allerdings an die Serienfertigung geht, werden die Entwickler oft schnell wieder zurückgepfiffen.

dpa/gms KERPEN/WOLFSBURG. Das jüngste Beispiel ist der VW GX3, den der Automobilhersteller im Januar zur Motorshow in Los Angeles vorstellte. Das von VW als „Crossover aus Sportwagen und Motorrad“ gefeierte Fahrzeug mit nur einem Hinterrad erlaubt mit einem nur 92 kW/125 PS und 152 Newtonmeter starken Vierzylinder Fahrleistungen wie ein Sportwagen, und das bei moderatem Verbrauch: So beschleunigt der GX3 in 5,7 Sekunden auf 100 Stundenkilometer (km/h), bei im Schnitt 5,2 Liter auf 100 Kilometer.

„Der GX3 könnte für einen Preis unter 17 000 Dollar schnell als Serienversion realisiert werden“, hatten die Wolfsburger in Los Angeles angekündigt und dies vor allem vom Echo des Messepublikums abhängig gemacht. Das war zwar nach Angaben von Vertriebsvorstand Michael Kern positiv, doch wurde das Projekt nun trotz allem gestoppt, mit Hinweis auf die Anforderungen der amerikanischen Produkthaftungsgesetze.

Damit teilt der GX3 das Schicksal des F 300 Life-Jet, den Mercedes vor acht Jahren bei der IAA zeigte. Zwar wurden nach Angaben aus Stuttgart einige der technischen Lösungen mittlerweile in die Serie übernommen. Das Dreirad aber ist ein Einzelstück geblieben.

Ebenfalls noch nicht so richtig in Fahrt kommt der Peugeot 20cup, der im September 2005 bei der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt gezeigt wurde. Der offene Zweisitzer verfügt über zwei angetriebene Vorderräder und eine breite Walze auf der Hinterachse, die als Führungsrad ohne Antrieb mitrollt. Der nur 500 Kilogramm schwere Wagen wird laut Peugeot angetrieben von einem Turbomotor mit bis zu 147 kW/200 PS und ist so sportlich, dass man in Paris laut Peugeot-Sprecher Bernhard Voss über eine Kleinserie für den Renneinsatz nachdenkt. „Auf dem Pariser Salon im September wird es die nächste Evolutionsstufe des 20cup geben.“

Noch ohne konkrete Absichten ist das Projekt „Clever“, das derzeit Studenten in Berlin mit Unterstützung von BMW vorantreiben. Sie forschen nach Angaben der Technischen Universität am „Compact Low Emission Vehicle for Urban Transport“, das ein wenig an die moderne Fassung des Messerschmidt Kabinenrollers erinnert. Die Entwickler denken für den drei Meter langen und einen Meter breiten Zweisitzer derzeit auch über einen Erdgasmotor nach. Er soll mehr als 80 km/h erreichen und umgerechnet nur 2,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen.

Kleinserienproduzenten und Zweirad-Hersteller haben ihre Dreiräder bereits auf dem Markt. Neben den Trikes, die in der Regel mit Hinterachse und Motor eines Autos und der Vorderachse eines Motorrades aufgebaut werden, gibt es aus Holland auch ein Dreirad, das nun als „Carver One“ auch in Deutschland vertrieben wird. Der 3,40 Meter lange Zweisitzer kostet nach Angaben von Regionalleiter Harry Stüdemann aus dem nordrhein-westfälischen Grefrath knapp 35 000 Euro und wird von einem fast 51 kW/70 PS starken Vierzylinder angetrieben.

Ebenfalls auf drei Räder setzt der italienische Hersteller Piaggio, der nach Angaben von Pressesprecher Gerd Hanrieder in Kerpen den ersten Roller mit zwei Vorderrädern vorgestellt hat. Die erste Version dieses MP3 genannten Fahrzeugs soll im Herbst auf den Markt kommen. Nach Angaben des Sprechers neigen sich beide Vorderräder beim Richtungswechsel in Schräglage und sorgen im Vergleich zu konventionellen Rollern in Kurven für eine stabilere Straßenlage.

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