Autoherstellung
300 Kilogramm für einen Liter Benzin

Immer mehr Kunden achten beim Autokauf auf den Verbrauch. Für die Hersteller gewinnt damit das Thema Leichtbau an Bedeutung; denn je schwerer ein Auto ist, desto mehr Sprit verbraucht es. Doch noch sind Leichtbaumaterialien zu teuer für die Massenproduktion - hier sind neue Ideen gefragt.
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dpa/tmn INGOLSTADT/STUTTGART. An einem Punkt lässt Audi-Manager Michael Dick keinen Zweifel: "Unsere Autos müssen leichter werden, deshalb müssen wir die Gewichtsspirale durchbrechen", bläut der Entwicklungsvorstand seinen Ingenieuren ein.

Denn je schwerer ein Auto ist, desto mehr Sprit verbraucht es. "Nur wenn wir entsprechend leichter werden, können wir die nächst kleineren Motoren nutzen, können Achsen, Federn und Bremsen schlanker auslegen und bringen so eine Sparspirale in Gang", sagt Dick. Nicht ohne Grund sind die Hersteller bei diesem Thema sensibler geworden. Denn immer mehr Kunden achten beim Autokauf auf den Verbrauch.

Dick stellt für die nächsten Fahrzeuggenerationen einen Gewichtsvorteil von 20 Prozent in Aussicht. Allerdings ist intelligenter Leichtbau eine schwere Übung - schließlich werden die Ansprüche an Komfort und Sicherheit deshalb nicht kleiner. Außerdem muss ein Auto schon ordentlich abspecken, damit sich der Effekt bemerkbar macht: Laut Audi-Vorstand Rupert Stadler bringen 300 Kilogramm einen Liter.

Deshalb setzen die Hersteller auf Leichtbaumaterialien, mit denen das Gewicht der Rohkarosse gedrückt werden kann: Aluminium, Magnesium und Karbon stehen bei den Entwicklern hoch im Kurs. Doch die Rohstoffe sind teurer und die Produktion ist aufwendiger, weshalb sie meist nur in Luxus-, Sport- und Nischenfahrzeugen zum Einsatz kommen. "Doch zukünftig wird es umso mehr darauf ankommen, verfügbare Leichtbau-Technologien bezahlbarer in Großserienprojekte umzusetzen. Nur so können nennenswerte Beiträge zur nachhaltigen CO2-Senkung realisiert werden", sagt VW-Forschungschef Jürgen Leohold. Wohin die Reise gehen kann, zeigt laut VW-Sprecher Hartmuth Hoffmann das Projekt "Superlight-Car", bei dem ein intelligenter Materialmix aus Aluminium, Stahl, Magnesium und Kunststoff das Gewicht einer Mittelklasse-Karosserie um 35 Prozent auf 180 Kilogramm drückt.

Bei der Diät seien nicht nur die Entwickler gefragt, sagt Seat-Designchef Luc Donckerwolke. Auch die Gestalter könnten mit neuen Formen und Materialien spielen, um das Gewicht zu verringern. Besonders am Herzen liegen ihm dabei die Fensterflächen, weil Glas viel wiegt und zudem ungünstig für den Schwerpunkt eines Autos ist. Dass der Leon hinten Seitenscheiben aus Polykarbonat trägt, sei deshalb nicht nur ein Stylingtrick für die versteckten Türgriffe, sondern auch eine Frage des Gewichts.

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