Autoindustrie
Hybrid: Antrieb mit Doppelherz

340 PS und keine zehn Liter Spritverbrauch: Nach den Japanern arbeitet jetzt auch Deutschlands Autoindustrie mit Vollgas an einer Schlüsseltechnologie der Zukunft: dem Hybridantrieb. Bricht in Europa ein ähnlicher Hybrid-Hype aus wie in Kalifornien?

Ob er wohl mit dem Auto zurechtkommen werde, will der Toyota-Mechaniker von unserem Tester wissen und drückt ihm den elektronischen Schlüssel für den Lexus GS 450 Hybrid in die Hand. "Ich denke schon." Einsteigen, Startknopf suchen, alles ganz einfach. Auf den Startknopf drücken – doch nichts passiert. Kein Brummen, kein Summen, gar nichts. Der Mechaniker hilft: "Der Wagen ist startklar, Sie müssen aufs Gaspedal drücken."

Hybridfahrzeuge brauchen ein wenig Gewöhnung. Sie sehen aus wie konventionelle Autos, doch bewegt werden sie mit der Kraft von zwei Herzen: von einer benzin- oder dieselgetriebenen Verbrennungsmaschine und zusätzlich von einem Elektromotor. Solche Gebilde "von zweierlei Herkunft" nannten die alten Römer Hybridae.

Die Manager der deutschen Autokonzerne hielten sich in den zurückliegenden Jahren eher an den altgriechischen Ursprung des Wortes, dort steht Hybrid für Hochmut und Realitätsferne – dem Hybridantrieb gaben sie in Europa keine Chance. VW-Chef Bernd Pischetsrieder nannte Hybridautos "eine einzige Katastrophe". Fritz Indra, Motorenentwickler von Opel und später General Motors, sprach von einer "Vergewaltigung der Physik". Und BMW-Chef Helmut Panke fragte auf einem Kongress in Detroit, "warum ein Bauer in Montana oder Wyoming viel Geld für ein Hybridfahrzeug hinlegen soll, wenn es ihm nicht den geringsten Vorteil bringt".

Zu schwer, zu teuer, zu aufwendig, nicht dauerhaltbar, ökologisch fragwürdig und obendrein schwer zu entsorgen: Viel Hohn und Spott schlug Toyota in Fachkreisen entgegen, als die Japaner 1997 mit dem Prius das erste Hybridauto der Welt in Serie auf den Markt brachten. Die Europäer entwickelten lieber mit viel Geld und Know-how den Dieselmotor weiter.

Doch der Wind hat sich gedreht. Inzwischen sagt BMW-Chef Panke, es sei "Freude am Fahren auch mit Hybrid darstellbar". Er hat sich in die Hybridkooperation von General Motors und DaimlerChrysler eingekauft, bereits Ende kommenden Jahres sollen die ersten Ergebnisse zu sehen und auch zu kaufen sein. VW-Chef Pischetsrieder lässt als "Meilenstein der Fahrzeugentwicklung" bei VW Shanghai und zusammen mit der dortigen Tongji-Universität eine Hybridversion des Kompaktvans Touran bauen (siehe China: Ära ohne Öl).

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