Autolack
Neue Technologie und altmodische Handarbeit helfen

In vollem Glanz steht der Neuwagen beim Händler und strahlt mit den Augen des Besitzers um die Wette. Aber kaum hat er die ersten Kilometer hinter sich, trüben Straßenstaub und Fliegendreck die Erscheinung. Um das zu vermeiden, entwickeln Auto- und Lackhersteller verschiedene neue Schutzmechanismen.
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dpa/tmn MÜNSTER. Zwar kann der Fahrer vieles davon mit einer Wäsche wieder wettmachen. Doch wie die Haut des Menschen altert auch der Lack von Autos und büßt über die Jahre an Glanz ein. So, wie die Kosmetikindustrie mit hohem Aufwand der Alterung entgegenwirkt, arbeiten deshalb auch Lackmischer und Fahrzeughersteller am Glanz für die Ewigkeit. Und was die Industrie nicht richten kann, hat der Besitzer oft selbst in der Hand - mit Schwamm, Bürste und Poliertuch.

"Für den Glanz eines Lackes sorgt die oberste von vier Schichten, der sogenannte Klarlack", erläutert Michael Golek vom Lackhersteller BASF Coatings in Münster. Diese Schicht ist besonders anfällig: Schon eine zu harte Bürste in der Waschanlage oder ein Busch am Rand des Parkplatzes können Spuren hinterlassen. Um das zu vermeiden, entwickeln Hersteller Schutzmechanismen. So hat zum Beispiel Mercedes einen sogenannten Nano-Lack im Programm, in dem Keramikpartikel von wenigen Millionstel Millimetern Größe ein schützendes Netz bilden.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert der neue Klarlack "iGloss", den BASF jetzt zur Serienreife entwickelt hat. Darin sind glasähnliche Silika-Cluster enthalten, die ebenfalls ein Netzwerk bilden und den Lack vor Kratzern schützen, erläutert Michael Golek. Im Gegensatz zu bisherigen Schutzschichten sei "igloss" allerdings witterungsbeständiger und enthalte Elemente zur sogenannten elastischen Rückstellung, die eine immer gleichförmige Rückbildung nach verschiedenen Belastungen garantieren soll.

Dass Lackschutz auch einfacher und vor allem nachträglich möglich ist, beweist zum Beispiel die Service-Abteilung von Volkswagen. Dort gibt es unter dem Namen V-Protector eine spezielle Schutzfolie, die maßgenau für jedes Modell zugeschnitten und nahezu unsichtbar auf gefährdete Stellen wie Rückspiegel, Frontschürze oder Türgriffe geklebt wird. Dort soll die zweite Haut nicht nur Kratzern und Korrosion, sondern auch Steinschlägen und Parkremplern vorbeugen. Wenn sie beschädigt ist, lässt sie sich einfach abziehen und ersetzen.

Noch einen Schritt weiter gehen Nissan und Infiniti. Dort gibt es einen neuen Klarlack, der kleine Schäden selbst reparieren soll: Dafür werden dem Lack spezielle Harze beigemischt, mit denen die oberste Schicht eine gewisse Elastizität behält. Wird der Lack beschädigt, reicht nach Angaben des Herstellers warmes Wasser bei der nächsten Wagenwäsche, damit das Harz die Lücke wieder schließt.

Um den schönen Schein zu wahren, dürfen sich die Autobesitzer allerdings nicht allein auf den Hersteller verlassen, sagt Golek: "Wer seinen glänzenden Lack nicht zu einer schwummrigen Beschichtung verkommen lassen will, muss etwas dafür tun. Nur regelmäßige und bedarfsgerechte Pflege können Glanz und Widerstandfähigkeit erhalten." Wann das nötig ist, erkennt man nicht nur am Grad der Verschmutzung. "Spätestens wenn der Regen auf der Karosserie nicht mehr abperlt, ist es Zeit für eine Wachsbehandlung", sagt Stefan Schlesinger vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main.

Er empfiehl statt der Wachsanlage Handarbeit: Dabei wird das flüssige Wachs mit einem Schwamm oder weichen Tuch aufgetragen. Ist es getrocknet, müssen die Reste mit einem weichen Lappen abgewischt werden. Damit sich die Mühe lohnt, sollte der Fahrer in der Waschanlage in der Zeit danach allerdings nicht gleich das Vollprogramm wählen, rät Schlesinger: "Oft tut es auch die einfache Wäsche, damit die Wachsschicht auf dem Lack länger erhalten bleibt. Vier bis sechs Monate sollten möglich sein."

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