Autoreifen
Neue Gummi-Mixturen sollen Spritverbrauch senken

Der PS-Wahn früherer Jahrzehnte wurde durch die Klimadebatte und steigende Spritpreise gebremst. Das hat auch die Reifenhersteller auf den Plan gerufen. Sie versuchen mit verbesserten Gummimischungen den Spritverbrauch zu senken.
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dpa/tmn HANNOVER. Viel wichtiger als ordentlich Rums unter der Haube ist vielen Autofahrern inzwischen, wie viel Kraftstoff ihr Gefährt konsumiert. Das zwingt nicht nur die Autobauer, kleinere Motoren zu montieren und Spritspartechnologien zu erfinden. Auch die Reifenhersteller sind gefordert, neue Gummimischungen anzurühren, die den Rollwiderstand verringern und somit helfen, den Spritverbrauch insgesamt zu verringern.

Und das ist keineswegs nur ein Thema für sogenannte Öko-Modelle. Selbst die Hersteller ausgesprochen sportlicher Fahrzeuge schrieben ihnen inzwischen ins Lastenheft, dass neue Reifen zu einem geringeren Spritverbrauch ihrer Autos beitragen müssen, erzählt Klaus Engelhart vom Reifenhersteller Continental. Den Rollwiderstand zu verbessern, sei daher bei jeder Reifen-Neuentwicklung ein Ziel der Ingenieure.

Ihre wichtigsten Ansatzpunkte sind die Konstruktion des Reifenunterbaus und die Zusammensetzung der Gummimischung für die Lauffläche, erläutert Thomas Alshuth vom Deutschen Institut für Kautschuktechnologie (DIK). Der Unterbau, die sogenannte Karkasse, besteht im Prinzip aus einem Stahlgewebe, das in Gummi eingebettet ist. Zu einem geringen Rollwiderstand trägt eine Konstruktion bei, bei der sich das Gummi zwischen den Stahlnetz-Lagen nur wenig verschieben kann, wenn der Reifen in Bewegung ist. Der Schlüssel für rollwiderstandsarme Laufflächenmischungen sind laut Alshuth neue Werkstoffe, an denen auch das DIK für die Reifenindustrie forscht.

Ziel sei es hier, die innere Reibung des Materials zu verringern, erklärt der Leiter der DIK-Abteilung Elastomerphysik. Früher hätten die Reifenhersteller der Gummimischung Ruß hinzugefügt. In den 1990er Jahren setzte das Unternehmen Michelin stattdessen erstmals ein Salz der Kieselsäure ein, auch als Silica bezeichnet. "Das hat einen Riesenschwung gebracht, was den Rollwiderstand anbelangt", sagt Alshuth. Gleichzeitig verbesserte der Zusatzstoff die "Nassbremseigenschaften" der Reifen.

Das ist wichtig, weil sich die Reifeningenieure in einem "Zielkonflikt" befinden, wenn sie den Rollwiderstand eines Pneus zu verringern versuchen, erklärt Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum. "Insbesondere der Nassgriff - also die Hafteigenschaften des Reifens auf nasser Straße - verhält sich diametral zu einem geringen Rollwiderstand", erläutert der Experte. Je weniger Sprit ein Reifen verbraucht, desto schlechter werden die Nassbremseigenschaften, räumt auch Continental-Sprecher Klaus Engelhart ein.

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