Autos, die es nur in Japan gibt
Oberklasse für die gesetzte Rolling-Stones-Generation

Japans Branchenprimus Toyota hat mit der neuen Generation seines Kultautos Crown das Kunststück fertig gebracht, gepflegte Langeweile auf die Straße zu bringen, die aber zugleich begeistert.
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TokioEs gibt Autos, die hinterlassen ein zwiespältiges Gefühl. Die Krönung von Toyotas Modellpalette für seinen heimischen Markt, der Toyota Crown Royale, gehört in diese Kategorie. Die Japaner schicken ihn daheim gegen die kleineren Modelle der Mercedes-E-Klasse oder des 5er von BMW ins Feld wie Größe von außen, Wurzelholzverzierung von innen und der Preis von rund 40.000 Euro unschwer erkennen lassen. Die kleinste E-Klasse kostet laut Liste fast 5.000 Euro mehr. Auch die Zielgruppe des Crown wird mir rasch klar: Es ist die ältere Generation, die unaufgeregt dahingleiten will. 

Design und Fahrverhalten vermitteln das vage Gefühl, 20 Jahre älter zu sein. Es scheint, dass mir ältere Herren in kleineren Wagen sehnsuchtsvoll nachschauen und respektvoll mit dem Finger an den Altherrenhut tippen. Doch nach diversen Kilometern in der Stadt, auf der Autobahn und auf kurvigen Serpentinen auf der Izu-Halbinsel bei Tokio ertappe ich mich bei einem Gefühl, das ich mir fast nicht eingestehen will: Die Fahrt war zwar zahm, das Design – sagen wir mal – konservativ, aber ich fühle mich erstaunlich erholt. 

Ich glaube fast, dass Toyota die Krone seiner Schöpfung gewollt so kreiert hat. Der Crown ist schon seit alters her das Modell für Firmenchefs und wohlhabende Pensionäre, die gepflegt von A nach B kommen wollen. Lange hat Toyota den Crown daher optisch sehr nahe an Mercedes angelehnt, oder besser gesagt die Deutschen kopiert.

Eine Zeit lang war ein Crown im Dämmerlicht nur von Kennern von einem Stuttgarter Boliden zu unterscheiden. Doch seit der Jahrtausendwende ist das vorbei. Toyota greift nach der Definitionsmacht, was Oberklasse ausmacht.

Global steht Toyotas Luxusmarke Lexus seit 2011 mit seinem ausdruckskräftigen „Spindelgrill“ für den Angriff auf die deutschen Rivalen. Auf der Tokyo Motorshow wird die Marke daher noch stärker auf Design getrimmt. Da sollen Toyotas Kreative schon mal schnittiger zeichnen. Konzernchef Akio Toyoda, der in seiner Freizeit Rennen fährt, sorgt zudem persönlich dafür, dass die Wagen seiner Definition von Fahrspaß entsprechen.

Auch in Japan gibt Toyodas globale Vision von Luxus seit ein paar Jahren zu kaufen. Aber der Crown bleibt ein Toyota – und sich treu. 

Bruder mit dem rosa Knalleffekt

Die Ende 2012 gestartete neueste Generation des Crown Royale ist unaufdringlich ins Blech gepresst, repräsentativ zwar, aber konservativ. Auch der Markenauftritt funktioniert nach Toyotas bewährten Motto: Wenn man nicht weiß, welche Marke im Rückspiegel erscheint, ist es ein Toyota. 

Wie den ersten Crown im Jahr 1955 ziert nicht etwa das Toyota-Logo die Frontpartie, sondern die Crown-Krone. Das hochgradig abstrahierte Toyota-T klebt am Heck. Nicht gerade der Ort, auf den Markenexperten scharf sind.

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Eine Fahrt ins Schlummerland

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