Autotest
Cadillac CTS: Ein kantiges Gesicht in der Menge

dpa-infocom HAMBURG. Von der Kompaktklasse aufwärts wird die Luft für Importeure auf dem deutschen Automarkt extrem dünn. Und wohl nirgends haben es ausländische Fahrzeuge schwerer als bei den üppigen, vor allem als Dienstwagen genutzten Limousinen.

Kantiges Design für den Luxusliner

Zu groß ist dort die Dominanz von Mercedes E-Klasse, 5er BMW und Audi A6. Doch Cadillac lässt sich davon nicht entmutigen: Die amerikanische Nobelmarke macht aus der Not eine Tugend und positioniert die Neuauflage des CTS als das „Gesicht in der Menge“. Mit einem kantigen Design, einem charakterstarken Gesicht und unverwechselbaren Leuchten soll der Luxusliner all jene Kunden ansprechen, die keine Lust mehr haben, ihren Wagen auf dem Firmenparkplatz unter einem Dutzend gesichtsloser Business-Limousinen zu suchen.

Der Krieg der Knöpfe findet nicht statt

Den eigenen Weg gehen die Amerikaner allerdings nicht nur beim Karosseriedesign. Auch der Innenraum ist weit vom Gewöhnlichen entfernt: Dank des neuen Formates ist er großzügig geschnitten, die Sitze sind bequem, aber nicht zu weich und das Material ist für ein US-Fahrzeug überraschend hochwertig und gründlich verarbeitet. Wo die Konkurrenz eine eher nüchterne Mittelkonsole hat, prangt im CTS stolz und groß eine glänzende Skulptur in der Form eines „V“, die von oben bis unten mit Schaltern und Reglern für Klima, Musik und Navigation bestückt ist. Das klingt zwar nach dem leidigen Krieg der Knöpfe, sieht aber überraschend gut aus und gibt bei der Bedienung keine Rätsel auf. Dazu gibt es ein modernes Infotainment-System mit Festplattenspeicher und Anschluss für externe USB- und MP3-Gerätschaften und viele Ablagen. Nur der Kofferraum ist mit weniger als 400 Litern Volumen knapp bemessen.

Serienausstattung lässt die Konkurrenz neidisch werden

Doch der Blick auf die Serienausstattung ist ein schöner Trost. Schließlich gehören schon beim Basismodell neben den üblichen Sicherheitsmerkmalen wie ESP und sechs Airbags sowie den Standards wie einer Klimaautomatik und einem Heer elektrischer Helfer auch die sonst teuer bezahlten Extras dazu. Mitlenkende Xenon-Scheinwerfer, das Bose-Soundsystem und die Einparkhilfe zum Lieferumfang lassen die Kunden der deutschen Nobelmarken vor Neid erblassen.

Der durstige V6 ist mit Normalbenzin zufrieden

Zwar soll es mit Rücksicht auf die europäischen Zapfsitten in gut einem Jahr auch einen V6-Diesel geben, doch fürs erste bieten die Amerikaner ihren Luxusliner ausschließlich mit zwei Sechszylinder-Benzinern an. Neben dem Basismodell mit 155 kW/211 PS gibt es einen 3,6-Liter, den die Ingenieure mit einer Direkteinspritzung bestückt haben. Dadurch steigt die Leistung auf respektable 229 kW/311 PS, und das maximale Drehmoment klettert auf 374 Newtonmeter, während der Verbrauch um ein paar Prozentpunkte zurückgeht. Außerdem ist der CTS als einer der wenigen Direkteinspritzer mit Normalbenzin zufrieden und schont so das ohnehin arg strapazierte Tankbudget. Ein Sparwunder ist der Wagen deshalb trotzdem nicht: 1,8 Tonnen wollen erst einmal bewegt werden. So stehen im Datenblatt der Automatikversion schon für den Normzyklus 12,0 Liter und ein CO2-Ausstoß von 285 Gramm pro Kilometer.

Kraftpaket für schnelle Spurts

Dafür geht der V6 allerdings behände zur Sache: Während der Auspuff ein munteres Lied von der Lust an der Leistung bläst und die Automatik fast unmerklich die sechs Gänge wechselt, schiebt der Motor den Luxusliner vehement voran. Ohne einen Hauch von Anstrengung schnellt der CTS in 6,3 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 241 km/h.

Auf der Nordschleife zum Europäer geworden

Auf der Straße macht die große Limousine eine überraschend europäische Figur. Nach zahlreichen Abstimmungsfahrten auch auf der Nordschleife des Nürburgrings ist der CTS keine komfortable Schiffschaukel für langsame Fahrten auf schnurgeraden Highways, sondern eine sportliche Limousine. Die Federung ist nicht bretthart, aber bestimmt, die Lenkung reagiert präzise und auch die Bremsen haben genügend Biss. Nicht umsonst lobt der deutsche Technikchef Patrick Herrmann den CTS zusammen mit dem vom Saab 9-3 abgeleiteten kleinen Bruder BLS als „die europäischsten Autos, die die Amerikaner je gebaut haben“.

Die Liebe muss lange halten

Im Wettbewerb mit den deutschen Konkurrenten wird das dem CTS allerdings nicht viel helfen. Zugegeben: Die Ausstattung ist besser als bei jedem europäischen Wettbewerber, die Technik auf der Höhe der Zeit und der Preis beinahe unschlagbar niedrig. Doch muss die Liebe lange halten. Denn in der Regel verlieren Exoten wie der CTS schon mit der Unterschrift unter den Kaufvertrag so viel an Wert, dass der Preisvorteil des vermeintlichen Schnäppchens spätestens beim Wiederverkauf dahingeschmolzen ist.

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