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Cayenne Diesel: Der Tabubruch von Porsche

Lange hat Porsche sich gegen den Trend gestemmt: Zwar kauft man in Europa schon seit Jahren große Geländewagen nur noch mit Diesel. Doch weil der Selbstzünder zu lahm und zu laut ist und nicht hoch genug dreht, kam er für Porsche selbst im Cayenne nicht infrage.

dpa-infocom HAMBURG. So argumentierte lange Zeit die gesamte Mannschaft bis hinauf zum Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking. Aber plötzlich sieht die Lage anders aus: Weil der Absatz des Cayenne stockt, die CO2-Sorgen zunehmen und auch Porsche-Kunden offenbar ein Umweltgewissen oder ein Limit auf der Tankkarte haben, rüstet der Sportwagenhersteller das Dickschiff nun doch mit einem Diesel aus. Damit fährt der einstige Spritschlucker aus dem Kreuzfeuer der Kritik. Ganz so schwer wie sie immer tun, dürfte das den Schwaben aber gar nicht gefallen sein. Denn der Motor kommt aus dem Regal der einverleibten Töchter VW und Audi. Und völlig ohne Erfahrung ist man in Stuttgart auch nicht - schließlich war der "Porsche Diesel" in den 50er und 60er Jahren der Titan unter den Traktoren.

Vernunft statt Vergnügen

Für den Einsatz im Cayenne hat Porsche nicht den stärksten, sondern den sparsamsten Diesel aus dem Konzernregal übernommen. Deshalb steckt unter der schlichten Kunststoffabdeckung mit dem ungewöhnlichen Schriftzug kein Zwölf-, Zehn- oder wenigstens Achtzylinder, sondern ein V6 mit fast schon mageren drei Litern Hubraum. "Wenn schon vernünftig, dann richtig", rechtfertigt Baureihenleiter Klaus-Gerhard Wolpert diese Entscheidung.

Der Tabubruch zahlt sich aus

Gegenüber dem Audi Q7 und dem VW Touareg sei der Verbrauch noch einmal gesenkt worden: Mit einem Normwert von 9,3 Litern ist der erste Porsche-Diesel der Neuzeit immerhin 28 Prozent sparsamer als der Einstiegsbenziner, und im Stadtverkehr liegen zwischen den Motoren sogar sieben Liter. Nie zuvor konnte man auf dem Bordcomputer eines Porsche deshalb Reichweiten von mehr als 1 000 Kilometern lesen. Obwohl der Diesel rund 4 000 Euro teurer ist als der Benziner, macht sich der Tabubruch aus diesem Grunde schnell bezahlt - zumal man mit der serienmäßigen Automatik noch einmal rund 2 600 Euro spart.

Neuer Fahrsound für Porsche-Fahrer

Allerdings brauchen Porsche-Fahrer mit diesem Cayenne nicht nur eine neue Strategie für den Boxenstopp. Auch sonst müssen sie sich ein wenig umstellen. Denn selbst mit aufwendigem Soundtuning konnten die Entwickler das charakteristische Nageln des Diesels nicht vollends unterdrücken. Und wie ein giftiger V8 klingt der Selbstzünder eben auch nicht. Wie sollte er auch, wenn der rote Bereich des Drehzahlmessers schon 2000 Touren früher beginnt?

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