Begehrtes Know-How
Fischer bringt Skitechnologie ins Auto

Auf den Loipen kommen Sportler um Skier von Fischer kaum herum: 40 Prozent aller Langlaufskier weltweit entstammen den Fabriken des österreichischen Mittelständlers. Die wenigsten Skiläufer wissen allerdings, dass sie wahre High-tech-Produkte unter den Füßen haben.

RIED IM INNKREIS. Das Know-how ist so begehrt, dass es das Unternehmen mit Erfolg in der Flugzeug- und Autoindustrie einsetzt. „Was Materialien und Fertigungsprozesse anbetrifft, sind Skier ein hochtechnologisches Produkt“, sagt Gregor Dietachmayr, Chef von Fischer. Bis zu 40 Arbeitsschritte braucht es, ehe ein Top-Ski fertig ist. Dabei verkleben die Arbeiter mit viel Aufwand die unterschiedlichsten Faserverbundwerkstoffe, damit sie unter härtesten Bedingungen halten.

Schon vor 25 Jahren hat die Firma aus dem oberösterreichischen Ried im Innkreis erkannt, dass sich dieses Wissen im Flugzeugbau einsetzen lässt. Inzwischen ist die Fischer Advanced Composite Components ein weltweit anerkannter Zulieferer von Leichtbauteilen für Flugzeughersteller wie Boeing oder Airbus mit einem Umsatz von 160 Mill. Euro.

Jetzt geht das Familienunternehmen einen Schritt weiter und nutzt sein Spezialwissen in der Carbonverarbeitung für die Autoindustrie. Carbon spielt als leichter Werkstoff vor allem in Langlaufskiern eine Rolle. Ein neues Tochterunternehmen entwickelt nun Spoiler und andere Bauteile für Premiummarken wie Porsche. So liefert die junge Firma etwa das Hardtop für den neuen SLK 55 AMG Sporttrack von Mercedes. Der Umsatz von derzeit vier Mill. Euro soll in zwei Jahren auf 20 Mill. Euro klettern. Ein Produkt des neuen Geschäftsfelds sind auch Wasserskier, die Fischer zum ersten Mal im Programm hat.

Die Gründe dafür, dass sich Fischer neue Geschäftsfelder sucht, liegen auf der Hand. Einerseits kann das Unternehmen so kräftig wachsen. Darüber hinaus macht sich Fischer aber auch unabhängiger vom stagnierenden Skimarkt. Zwar sorgen einzelne Skikategorien immer mal wieder für gute Jahre. Doch im wesentlichen geht es im Skigeschäft um Verdrängung der Konkurrenten. So gingen die Umsätze des Sporthandels in Österreich mit Abfahrtsskiern im vergangenen Winter um mehr als sieben Prozent zurück. Und das, obwohl es so viel Schnee gab wie lange nicht mehr. Besonders alarmierend für die Branche ist, dass in der Alpenrepublik im Gegensatz zu Deutschland eine ausgesprochen große Begeisterung für den Skisport herrscht.

Fischer ist in den vergangenen Jahren trotzdem gewachsen. Im Skigeschäft kletterte der Umsatz von 147 Mill. Euro vor zwei Jahren auf jetzt rund 200 Mill. Euro. Dabei profitierte das Unternehmen vor allem von seiner starken Stellung im Langlauf. Die Begeisterung für den Sport wird getragen durch das neue Nordic Cruising, die Langlauf-Version des im Sommer beliebten Nordic Walking.

Weiteres Wachstum im Kerngeschäft sieht Fischer-Chef Dietachmayr aber insbesondere in angrenzenden Bereichen, etwa der Skibekleidung. „Hier haben wir noch Potenzial, vor allem im Langlauf.“ Dabei könnte Fischer auf die Erfahrungen seiner Tochter Löffler zurück greifen. Löffler ist ein profilierter Anbieter von Radsportkleidung und Sportunterwäsche.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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