Bentley Brooklands
Landpartie italienisch

Seltenes Vergnügen: Den Bentley Brooklands soll es nur 550-mal geben. Auf einer Tour durch die Toskana zeigt sich das neue britische Nobelcoupé von seiner besten Seite: Drehmomentsurfen auf Staatsstraßen und Kiesauffahrten.

Ein Bentley passt ja mittlerweile kaum mehr zum britischen Lebensstil. Der sportliche Continental GT gehört eher ins Nachtleben von Marbella, der offene Azure auf die Promenaden von Monaco. Und auch der neue Brooklands fühlt sich auf einer Landpartie im Chianti-Gebiet heimischer als in Cornwall. Grund genug, den Briten probeweise nach Norditalien auszuführen: auf eine Gourmet-Tour zu edlen Weingütern, schattigen Trattorien und den Schlemmer-Tempeln der vielen Wahl-Toskaner, die sich in dem Landstrich zwischen Lucca und Grosseto niedergelassen haben.

Auf der Autobahn südlich von Florenz schon spürt man die Macht des Motors: Die Kurbelwelle rotiert bei Tempo 130 mit gerade einmal 1500 Umdrehungen. Zu hören ist davon so gut wie nichts. Beim Zwischenspurt begleitet ein Klang-Mix aus gedämpfter Harley-Davidson und Schiffsmotor den Vortrieb des V8-Motors. Doch erst auf der Landstraße entfaltet der Brooklands seine wahre Größe. Er läuft auf dem Drehzahlniveau eines Diesels, maximal 4600 Touren sind drin, die erreicht man aber höchst selten. Der V8 surft lieber auf einer gigantischen Drehmoment-Welle von über 1000 Newtonmetern.

Da macht es gar nichts, wenn auf dem Weg Richtung Weinberge voraus ein gelber Schulbus auftaucht, der sich eine Serpentine hochquält. An dessen Heckscheibe drücken sich zwei Schuljungs die Nase platt und winken - zurückwinken, blinken, Gas geben, und zwei Sekunden später wird der gelbe Punkt im Rückspiegel schon kleiner. Schnell kleiner.

Nach wenigen Kilometern Richtung Barberino Val d'Elsa taucht auf der linken Seite das Weingut Monsanto auf. Seit mehr als dreißig Jahren baut Fabrizio Bianchi auf seinem Anwesen etwa eine Stunde südlich von Florenz Wein an, darunter einen Chianti, den er ausschließlich aus der Sangiovese-Traube gewinnt. Bianchi setzt bei seinem Wein allein auf die sonnige Südwestlage in 300 Meter Höhe und auf seine französischen Eichenfässer, in denen der Wein reift. Da seine Rebstöcke im Kernanbaugebiet zwischen Florenz und Siena stehen, tragen die Weine das Etikett "Chianti Classico".

Zwei Kisten des edlen Tropfens verschwinden im Kofferraum, dessen hochflorige Teppichverkleidung jedem Schlafgemach zur Ehre gereicht. Ein Raumwunder darf man dort trotz der imposanten Abmessungen des Bentleys aber nicht erwarten. Den größten Teil des 5,40 Meter langen Coupés, hinter dessen Karosserie sich sogar die Langversion einer Mercedes-S-Klasse verstecken kann, spendiert Bentley den Passagieren. Fahrer und Nebenmann reisen auf wuchtigem Gestühl, das auch als Lounge-Mobiliar eines Londoner Gentlemen's Club durchgehen würde. Entgegen der Gewohnheit gängiger Coupés, Mitfahrer im Fonds zu Reisenden zweiter Klasse mit angewinkelten Knien und eingezogenem Haupt zu degradieren, taugt der Brooklands beinahe als Chauffeur-Wagen. Der Fußraum hinten ist mehr als üppig bemessen, die beiden sessel-gleichen Rücksitze verstellen auf Knopfdruck die Neigung der Lehne. Und wenn der Reisende vor lauter Wohlbefinden wegnickt, lehnt sein Kopf seitlich auf einem in die C-Säule eingelassenen Lederkissen.

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