Bentley Flying Spur V8
Wie eine Sahnetorte mit Süßstoff

Für die einen ist der V8-Motor des Bentley Flying Spur die Ausgeburt der Unvernunft. Aber für die Briten ist dies der vernünftigste Motor, den Bentley den verwöhnten Kunden zumutet.
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Dieses Auto ist ein bisschen so wie Sahnetorte mit Süßstoff. Denn auch wenn Bentley prächtig vom automobilen Überfluss lebt, hilft die britische VW-Tochter ihren betuchten Kunden jetzt weiter dabei, den Gürtel etwas enger zu schnallen und baut nach dem Continental auch den überarbeiteten Flying Spur mit Achtzylinder. Dadurch sinkt der Preis um rund 20.000 Euro und der Verbrauch fällt um etwa 25 Prozent.

Doch damit wir uns nicht falsch verstehen: Für Sparfüchse ist der Continental trotzdem nichts. Denn erstens zeigen das Datenblatt noch immer 10,9 und der Bordcomputer auch mal 15 oder 20 Liter an, wenn es um den Verbrauch geht, und zweitens stehen in der Preisliste auch weiterhin 177.907 Euro.

Den Motor hat Bentley freilich nicht selbst entwickelt, sondern samt der Zylinderabschaltung bei gemächlicher Gangart von der Konzernschwester Audi importiert. Dort wird der vier Liter große Biturbo-Direkteinspritzer unter anderem im S8 eingebaut. Kombiniert mit der famosen Achtgang-Automatik von ZF bürgt das auch bei Bentley für ein solides Maß an Vortrieb: Bei 373/kW/507 PS und bis zu 660 Nm kann man auch den Verzicht auf den Zwölfzylinder mit seinen 625 PS und bis zu 800 Nm halbwegs verschmerzen.

Und bei knapp 300 km/h Spitze oder 5,2 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 muss auch niemand auf die Kriechspur. Im Gegenteil: Gewöhnliche Luxusliner wie die S-Klasse von Mercedes, den Audi A8 oder natürlich den bürgerlichen Vetter VW Phaeton sieht man da nur noch im Rückspiegel.

Der Motor ist neu, und das Design sowie das Innenleben des Luxusliners hat Bentley schon im letzten Jahr auf Vordermann gebracht. Doch was unverändert ist in der Limousine, das ist das Gefühl von Solidität, Authentizität und absoluter Wertigkeit.

Nicht umsonst bedient man die Lüftung noch immer wie die Züge einer Orgel, nicht ohne Grund fällt man in Sessel, die bei allem sportlichen Zuschnitt so weich und kuschelig sind wie man sich den Thron der Queen vorstellt, und nicht umsonst fallen die schweren Türen so satt ins Schloss wie der Tresor tief unten im Keller einer Züricher Bank.

All das wirkt auf eine charmante Art behäbig, völlig entschleunigt und zeigt auf jedem Meter, dass es wahrer Luxus ist, wenn man sich Zeit lassen kann. Doch all die Ruhe und Gelassenheit ist vorbei, sobald man auch nur etwas fester aufs Gas tritt. Dann wird das sonore Grollen aus den wie eine liegende Acht geformten Doppel-Endrohren zu einem wütenden Brüllen und der Flyling Spur schiebt voran, als könnte er seine 2,5 Tonnen mühelos abschütteln.

Natürlich spürt man das Gewicht in engen Kurven, wenn die Wuchtbrumme trotz verstellbarer Luftfederung quietschend um Halt auf dem Asphalt ringt und die Insassen um eine aufrechte Haltung kämpfen. Doch es ist erstaunlich, mit welcher Vehemenz das Dickschiff von dannen stürmt, wie leicht und mühelos man die Suite auf Rädern weit in die 200er treiben kann und wie einfach der Wagen dann noch zu beherrschen ist. Viel mehr als den großen Zeh und den kleinen Finger braucht es nicht, um den Kreuzfahrtriesen auf Kurs zu halten.

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Niedere Aufgaben am Lenkrad

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