Bentley Mulsanne
Weniger Auto fällt schwer

Wer einen Bentley Mulsanne nicht versteht, kann ihn in 5,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 Sachen prügeln. Doch damit verdirbt man sich eher den Genuss einer Ausfahrt mit der wohl luxuriösesten Limousine der Welt.
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DüsseldorfWer nach dem Preis eines Bentley "Mulsanne" fragt, kommt als Kunde eigentlich nicht in Frage. Deshalb sollen die 292.740 Euro Grundpreis gleich zu Beginn dieser Geschichte ihren Haken erhalten. Dann steht nämlich nichts mehr im Wege für den ungetrübten Genuss einer Ausfahrt mit der wohl luxuriösesten Limousine der Welt.

"Luxus", pflegte die legendäre französische Modeschöpferin Coco Chanel gerne zu dozieren, "ist nicht das Gegenteil von Armut, sondern von Ordinärem (Gewöhnlichem)." Mehr wäre im Grund zu einem Bentley "Mulsanne" nicht zu sagen. Die 5,50 Meter lange Limousine verkörpert den ultimativen Standard, den ein Auto heute erreichen kann, nach dem Ableben von Maybach geradezu konkurrenzlos, mal abgesehen vom Rolls Royce "Phantom".

2009 legte die britische VW-Tochter die Limousine als Ablösung des Bentley "Arnage" neu auf. Da in diesen Fahrzeugregionen nicht zuletzt Tradition eine unverzichtbare Rolle spielt, pflegte der Hersteller bei der Namensgebung die Sitte, seinen Fahrzeugen Namen von Kurven der Rennstrecke von Le Mans zu verleihen. 1924 und von 1927 bis 1930 siegten die grünen Boliden fünfmal beim französischen Langstreckenklassiker. Von 1980 bis 1992 trugen Limousinen des Hauses ebenfalls die Bezeichnung "Mulsanne".

Bei Limousinen dieser Dimension geht die Hand nach einer andächtigen fußläufigen Runde voller Bewunderung über die gelungenen Proportionen und die erhabene Zeitlosigkeit der teilweise aus Leichtmetall gefertigten Karosserie reflexartig zum Griff der rechten Fondtüre. Schließlich spendierte Bentley beim milden Facelift für den "Mulsanne" Anfang des Jahres unter anderem dem Fond mehr Komfort und Pflege im Detail.

Hier sind wir Menschen, hier wollen wir sein! Um uns perfekt klimatisiert ins feine weiche Leder zu kuscheln, und die Beine im Luxus von 1 090 Millimetern Beinfreiheit schwelgen zu lassen. Dann käme die Lektüre einer renommierten überregionalen Tageszeitung in Betracht. Und schließlich darf der Gedanke reifen, unter diesen Umständen sogar den Genuss eines moussierenden Kaltgetränks in Erwägung zu ziehen. Frei nach Wilhelm Busch: Lieblich und luftig perlt die Blase, der Witwe Klicko in dem Glase!"

"Halt", ruft der Bentley-Kenner an dieser Stelle. "Ein Bentley mit seinen sportiven Genen ist ein Auto für Selbstfahrer. Wer sich vom Chauffeur kutschieren lassen will, ist im Fond eines Rolls Royce artgerechter aufgehoben!" – Kein Problem, kuscheln lässt sich auch im Sitz des Fahrers. "Sitz" ist dabei eine komplette Untertreibung für dieses Fauteuil, das so viele Einstellmöglichkeiten bietet, dass jede bekannte menschliche Körpergröße eine perfekte Position hinter dem ledernen Volant findet. Das Auge schweift ohne jede Hast über eine weitläufige Landschaft von erlesenem, polierten Wurzelholz; nur aufgelockert von klassischen Rundinstrumenten, verchromten Bedienknöpfen und aus dem Vollen gefrästen Austrittöffnungen der Lüftung.

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