Benzingespräch über die Yamaha FZ8
Preiswerter Allrounder im leichten Kampfdress

Optisch überzeugt uns der dezente Streetfighter-Dress der Yamaha FZ8. Aber ist das Bike "der nackte Wahnsinn", wie der Motorradhersteller wirbt? ABS in der Mittelklasse, das klingt doch grundsolide und vernünftig.
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DüsseldorfScharfe Motorräder aus Japan gibt es zuhauf. In den Klassen bis 600 Kubik Hubraum und bei den Tausendern sind zahllose Nippon-Bikes unterwegs – von den radikalen Sportgeräten über deren moderatere Ableger als Naked Bikes bis hin zu praxistauglichen Allroundern wie zum Beispiel einer Honda CBR 600 F. Ein Motorrad sticht aus diesem Hubraum-Zwang, der seinen Ursprung im Rennsport-Reglement der Supersport- und Superbike-WM hat, heraus: Yamahas FZ8 mit ungewöhnlichen 779 ccm.

Doch bedeutet ein ungewöhnlicher Motor auch gleich einen ungewöhnlichen Charakter? Ein Benzingespräch zwischen Frank G. Heide und Sebastian Schaal nach 14 Tagen ausgiebiger Probefahrten.

Frank G. Heide: Ich mag Motoren, die Kraft durch satten, dunklen Sound signalisieren. Es muss nicht gleich Harley-unverschämt klingen, aber eben doch kräftig. Bei der FZ8 kommt mir das zu kurz. Nach dem Start klingt es nach Motörchen, nicht nach Motor, dabei sind Hubraum und Auspuffanlage durchaus voluminös ausgefallen. Für mich ist das verschenktes Potenzial, wenn 106 PS und 82 Newtonmeter aus einem 779 ccm-Vierzylinder klingen wie ein 50 PS-Zweizylinder. Aber gut, wir leben ja im Zeitalter reduzierter Emissionen, das muss dann wohl auch fürs Moppedgeräusch gelten.

Sebastian Schaal: Ja, der Sound ist in der Tat etwas flach. Vor allem wirbt Yamaha damit, dass die FZ8 „fortschrittliche Technologie der Yamaha R-Serie“ beinhaltet. Davon höre ich aber nichts.

Heide: Du würdest also bei einem flammneuen Motorrad direkt zur Nachrüst-Lösung greifen?

Schaal: Wer etwas mehr als den Serien-Sound haben will, kommt wohl nicht drum herum. Laut Zubehörkatalog von Yamaha gibts zwei Nachrüst-Abgasanlagen von Akrapovic, doch die kosten 661 oder 1.389 Euro – und das ist bei einem Preis von 8.850 Euro mit ABS doch viel. Dann wird vielleicht der Klang besser, aber die leichte Anfahrschwäche verschwindet davon sicher nicht – und wir reden hier über 106 PS.

Heide: Ja, heutzutage baut man 600er-Vierzylinder-Maschinen, die spielend 130 PS leisten, und dabei die reine Freude vermitteln. Da muss es doch nicht sein, dass eine 800er mit 106 PS wirkt, als würde sie sich einen abwürgen?

Schaal: Jetzt mal halblang. Für den Otto-Normalfahrer wie mich reichen die 100 PS doch locker aus – nur weil du regelmäßig auf dein 180-PS-Superbike steigst.

Heide: Nein, nein, es ist nicht nur die reine Spitzen-Power. Drehzahlverlauf und Leistungsentfaltung werfen Fragen auf. Zumindest wenn man vorher die vollmundigen Ankündigungen auf der entsprechenden Yamaha-Modell-Website studiert hat. Klingt die Maschine schon beim Anlassen ein wenig nach zahnlosem Tiger, so wirkt sie nach dem Anfahren, ab etwa 3.000 Umdrehungen, schon zu angestrengt, zu kraftlos vibrierend, um etwa entspannt zu rollen oder cruisen.

Schaal: Alter Mann, beim Drehzahlverlauf muss ich dir Recht geben. Zwischen 6.000 und 7.000 Umdrehungen kommt aber ein richtiger Nachbrenner-Kick, der am Kurvenausgang für die ein oder andere Schweißperle unterm Helm sorgen kann. Darüber und darunter kommt relativ wenig.

Heide: Naja, die Schweißperle könnte auch am weichen Fahrwerk liegen. Und dann schüttelt mich das Motorrad auch ordentlich durch: 6. Gang, gemütliches Autobahnbummeln bei 4.000 bis 5.000 Umdrehungen, das entspricht 130 bis 140 km/h. Das muss Dir doch auch aufgefallen sein: Diese unnötigen Vibrationen im ansonsten gut gepolsterten Sattel. Ich mochte es jedenfalls nicht.

Schaal: Dann musst du runter von der Autobahn, rauf auf die Landstraße. Da gehörst du mit 120 schon zu den Königen. Und mit der FZ8 kannst du schöne Bögen durch die Kurven ziehen.

Heide: Ja, auf der Landstraße blüht die FZ8 regelrecht auf. Fürs Fahrwerk gibt es von mir 8 von 10 Punkten. In der Stadt ist es die pure Freude, auf der Landstraße eine zuverlässige Größe und auf der Autobahn zeigt sich keinerlei Unruhe, selbst bei Spurwechseln bei hoher Geschwindigkeit oder in schnellen langgezogenen Kurven – und das trotz aufrechter Sitzposition. Ich habe allerdings auch keine Sportrunde gedreht.

Schaal: Ja, selbst mit wenig Erfahrung fühlt man sich auf der FZ8 schnell wohl. Der Sitz ist auf kurzen Strecken bequem. Gut finde ich auch den leicht angerauten Sitzbankbezug, der ungewolltes Herumrutschen verhindert. Trotzdem fällt es leicht, den Popometer von links nach rechts zu verlagern.

Nur nach vorne und hinten sind nur wenige Zentimeter Platz. Wer nach vielen Kilometern auf der Autobahn mal einen anderen Teil des Hinterns belasten oder einfach nur etwas aerodynamisch nach hinten rutschen will, der stößt schnell gegen die Plastik-Abdeckung des im Falle unserer Testmaschine nicht vorhandenen Soziussitzes.

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Preiswerter Allrounder im leichten Kampfdress

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Schlicht, aber funktional

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Solide und preiswert

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