Bezahlbare Boliden: Werkstuner setzen auf "Pocket Rockets"

Bezahlbare Boliden
Werkstuner setzen auf "Pocket Rockets"

Sie heißen AMG, M und Quattro. Die Werkstuner der deutschen Premium-Herstellern Audi, BMW und Mercedes interessieren sich für ein neues Segment: die Kompaktklasse. Zunehmend rückt eine jüngere Zielgruppe in den Fokus.

München/StuttgartSportwagen mit Spitzentempo jenseits der 300 km/h, Geländewagen mit weit mehr als 500 PS, Limousinen ab 200.000 Euro aufwärts: Bislang galt für die Werkstuner der Premiumhersteller vor allem das Motto "schneller, stärker, teurer". Jetzt setzt bei Unternehmen wie der BMW-Tuningfirma M, dem Audi-Ableger Quattro und der sportlichen Mercedes-Tochter AMG offenbar ein Umdenken ein: Sie haben kleinere Fahrzeuge für sich entdeckt.

Mit Hochleistungsvarianten von Autos wie dem 1er BMW, dem Audi A3 oder der Mercedes A-Klasse drängen die Nobeltuner in die Kompaktklasse. So wollen sie den Flottenverbrauch senken und auch zahlungsschwächeren Kunden den Markeneinstieg erleichtern.

Das Image muss stimmen

"Bei den Herstellern im gehobenen Preissegment ist seit einigen Jahren ein verstärkter Fokus auf die kleineren Fahrzeugklassen zu beobachten", sagt Analyst Henner Lehne vom Prognoseinstitut IHS Automotive. "Die Unternehmen haben festgestellt, dass die Premium-Assoziationen speziell in urbanen, gesättigten Märkten nicht mehr zwingend mit der Fahrzeuggröße zusammenhängen." Gerade mit den noblen Kompakten lasse sich Geld verdienen.

Damit die Kunden entsprechend viele Kreuzchen auf der Ausstattungsliste machen, müssten die Fahrzeuge über das richtige Image verfügen. "Und mit kaum etwas kann man das Image einer Modellreihe besser aufladen als mit den sogenannten Pocket Rockets", sagt Lehne mit Blick auf die kompakten Kraftmeier. Außerdem lassen sich so neue Kundengruppen erreichen, denen größere Modelle der Werkstuner schlicht zu teuer sind.

Bilderstrecke: Drei Tuning-Kompakte im Detail

Ein Paradebeispiel ist das 1er M Coupé, das BMW im Januar 2010 auf der North American International Autoshow in Detroit enthüllt hat. Die Leistung des neuen Einstiegsmodells der M Gmbh liegt auf dem Niveau des ersten M3: Nach Werksangaben sorgt ein 3,0 Liter großer Sechszylinder mit 340 PS für rasanten Vortrieb bis 250 km/h. Allerdings ist der Kompakte mit einem Basispreis von 50.500 Euro rund 16.000 Euro günstiger als der aktuelle M3, der bis dato den Einstieg in die M-Welt markiert hat.

Ins gleiche Horn stößt Audi mit dem RS3, den die Quattro Gmbh im März 2011 in den Handel bringt. Der nur als fünftüriger Sportback erhältliche Wagen kostet mindestens 49.900 Euro. Er fährt mit einem 2,5-Liter-Fünfzylinder mit ebenfalls 340 PS und erreicht in 4,6 Sekunden Tempo 100. Mit diesem Modell hilft Audi einerseits dem aktuellen A3 über die Runden, bei dem ein Generationswechsel wohl erst 2012 ansteht. Andererseits erleichtern die Bayern so den Einstieg in ihre Quattro-Welt. Bislang musste man für das günstigste Modell - den RS5 mit 450 PS - mindestens 77.700 Euro bezahlen.

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