Biosprit-Zugabe Sparsamer Mix im Tank

Mineralölkonzerne verbessern ihre Kraftstoffe, um den CO2-Ausstoß zu senken. Die Zugabe von Bio-Sprit verringert zudem die Abhängigkeit von Erdöl. Erste Kraftstoffe, die die Umwelt entlasten sollen, haben Tankstellen schon im Angebot. Am Ende könnte der Kraftstoff sogar günstiger sein.
  • Chris Löwer
Mit neuem Dieselkraftstoff fuhr der Audi R10 TDI in Le Mans auf den ersten Platz. Foto: dpa

Mit neuem Dieselkraftstoff fuhr der Audi R10 TDI in Le Mans auf den ersten Platz. Foto: dpa

BERLIN. Ein in der vergangenen Woche veröffentlichter Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) dürfte die Anstrengungen der Unternehmen beflügeln. Öl drohe in den kommenden fünf Jahren „extrem knapp“ zu werden, heißt es darin. Von „Angebotskrise“ und „Rekordpreisen“ ist gar die Rede.

Erste Kraftstoffe, die die Umwelt weniger belasten sollen, haben Tankstellen schon im Angebot. Avia etwa bietet neuerdings das Superbenzin E10 an, das den Ausstoß von CO2 verringert. „Ein Auto mit sieben Litern Verbrauch auf 100 Kilometern verursacht damit pro Kilometer 15 Gramm weniger klimaschädliches Kohlendioxid“, erläutert Avia-Sprecher Josef Grünberger.

Erreicht wird dieser Effekt durch eine fünfmal höhere Beimischung von Bioethanol als üblich. Auf diese Weise soll der Sprit gar drei Cent günstiger werden. Daran will man anknüpfen: „Die Beimischung von Bio-Produkten wird optimiert und kontinuierlich erhöht“, kündigt Grünberger an. „Wir werden in Kürze zehn Prozent Beimischung haben.“ Im Nutzfahrzeugbereich liege diese bereits heute bei mehr als zehn Prozent Biodiesel. Machbar seien 30 Prozent.

Marktführer Aral setzt schon länger auf optimierte Diesel- und Superkraftstoffe namens Ultimate, die dank hoher Cetan- beziehungsweise Oktanzahl für mehr Leistung bei weniger Verbrauch und Emissionen sorgen. Dafür verantwortlich sind unter anderem Additive, die die Reibung zwischen Kolben und Zylinder vermindern und vor Ablagerungen schützen, was den Verbrauch senkt und die Lebensdauer des Motors erhöht. Darauf setzt auch Total mit der neuen Dieselsorte Excellium – ihr Einsatz soll den Verbrauch um bis zu 3,8 Prozent senken. „Auch ohne Biokomponenten lassen sich durch intelligente Technologien Verbrauchs- und damit CO2-Einsparungen erzielen“, sagt Sprecher Reiner Schütz.

„Kurz- bis mittelfristig erwarten wir eine weitere Verbesserung konventioneller Kraftstoffe“, sagt Wolfgang Warnecke, Leiter weltweite Kraftstoffentwicklung bei Shell. Zusammen mit dem Autohersteller Audi hat der Mineralölkonzern einen synthetischen schwefelfreien Dieselkraftstoff entwickelt, der 90 Prozent weniger Kohlenmonoxid, fünf Prozent weniger Kohlendioxid und bis zu neun Prozent weniger Stickoxide ausstößt als die herkömmliche Variante. Auch ältere Autos können den SynFuel genannten Sprit tanken.

SynFuel wird nicht aus Erdöl, sondern aus Erdgas gewonnen, was sauberer verbrennt. Im so genannten Gas-to-Liquids-Verfahren (GTL) wird durch chemische Katalyse Erdgas verflüssigt. Audi betankte bereits den Sportwagen R10 TDI für das 24-Stunden-Rennen in Le Mans damit – und siegte. Wann der besondere Diesel auf den Markt kommt, ist unklar. Gleichwohl bietet Shell bereits seit einiger Zeit unter dem Label „V-Power“ Diesel an, dem GTL-Kraftstoff beigemengt ist.

„Neben synthetischen Kraftstoffen aus vorangepassten Molekülen setzen wir auf Biokraftstoffe zweiter Generation wie Biomass-to-Liquids“, sagt Warnecke. Gemeint ist ein synthetischer Diesel aus Biomasse, der CO2-Einsparungen von bis zu 90 Prozent ermöglicht. Biokraftstoffe der zweiten Generation zeichnet vor allem aus, dass die gesamte Pflanze verarbeitet wird. Bei derzeit verfügbaren Alternativen wird nur die Frucht von Raps, Getreide oder Zuckerrohr genutzt. Biokraftstoffe aus Pflanzenölen oder Ethanol sind zudem gegenwärtig recht teuer in der Produktion, die wiederum mit einem CO2-Ausstoß einhergeht. Das wiederum verringert den Umwelteffekt. Zudem sind Anbauflächen begrenzt – Kritiker bemängeln, dass Nahrungsmittel durch den Auspuff gejagt werden.

Obwohl Warnecke das Potenzial herkömmlicher Kraftstoffe für längst nicht ausgereizt hält, investiert der Konzern über die Tochter Hydrogen in Wasserstoff-Technologie. Doch der Kraftstoffentwickler erwartet lediglich für die „fernere Zukunft“, dass aus Auspuffrohren nur noch Wasserdampf aufsteigt. Dass sich auf lange Sicht alternative oder verbesserte konventionelle Kraftstoffe durchsetzen werden, ist für Warnecke keine Frage: „Mineralölprodukte werden bleiben. Jedoch wird die Vielfalt deutlich zunehmen.“

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