Blamage für Daimler
Citan fällt mit schwachem Crashtest auf

Drei Sterne, die nicht glänzen. Der vor allem bei Familien und Dienstleistungsunternehmen beliebte Mercedes Citan hat im Euro NCAP-Crashtest nur drei von fünf möglichen Sternen bekommen.
  • 13

München/DüsseldorfZu den heute vorgelegten schwachen Quartalszahlen des Autoherstellers Daimler mitsamt einkassierter Gewinnprognose gesellen sich weitere schlechte Nachrichten: Der in Kooperation mit dem kriselnden französischen Autobauer Renault hergestellte Stadtliefer- und Familienwagen Citan, mit dem man eigentlich neue Zielgruppen ansprechen will, erzielt denkbar schlechte Crashtest-Ergebnisse. Euro NCAP gab dem Wagen jetzt nur drei von fünf möglichen Sternen.

Große Schwächen und Sicherheitsmängel offenbarte der Van bei der aktuellen Runde des Euro NCAP vor allem beim Frontalcrash und Pfahlaufprall sowie bei der Ausstattung für die aktive Sicherheit.

Crashtest-Experten des ADAC bemängeln angesichts dieser Ergebnisse beim Insassenschutz des Citan vor allem harte Strukturen im Armaturenbrett, die hohe Verletzungsgefahr für Fahrer und Beifahrer im Brustbereich sowie fehlende Gurtwarner beim Beifahrer und auf der Rückbank. Darüber hinaus verfing sich sowohl beim Seiten- als auch beim Pfahlaufprall der elementar wichtige Kopfairbag an der B-Säule und war damit weitgehend nutzlos.

Dieses schwache Ergebnis überrascht umso mehr, da das Kombimodell des Stuttgarter Autobauers weitgehend baugleich mit dem Renault Kangoo ist, der bereits im Jahr 2008 beim Crashtest nicht überzeugen konnte.
Unzureichend gestalteten sich auch die Ergebnisse in puncto Fußgängerschutz: Offenbar wurden von den Konstrukteuren nur Teilbereiche des Stoßfängers und hintere Bereiche der Motorhaube im Sinne der Verkehrssicherheit entschärft. Deutlich zu aggressiv zeigten sich die Vorderkante und viele Randbereiche der Motorhaube.

Ein echter Mercedes?

"Citan" ist eine Wortschöpfung aus den Elementen "City" und "Titan". Bei den ersten Ankündigungen des Fahrzeugs hatte Volker Mornhinweg, Leiter des Geschäftsbereichs Vans bei Mercedes-Benz den Nachfolger des nur mäßig erfolgreichen Vaneo gleich verteidigen müssen. „Wir haben da nicht nur einfach den Mercedes-Stern aufgeklebt“, wehrte sich Mornhinweg gegen des Vorwurfs des so genannten "Badge-Engineerings" und betonte: „Der Citan ist ein eigenständiges Fahrzeug, ein echter Mercedes.“ Allerdings wird er, wie der Kangoo, im nordfranzösischen Renault-Werk Maubeuge gebaut.

Das führte zu frühem Spot. Schon zur Markteinführung lästerten Handwerker über den Schwaben französischer Abstammung. So raunen sich zwei Bauarbeiter in einem Youtube-Clip zu: "Der Kalle sagt, er fährt jetzt Mercedes", bevor der mit einem Kangoo ins Bild rollt.

Der Citan ist seit dem 27. Oktober 2012 im Handel. Den Stadtlieferwagen auf Basis des Renault Kangoo gibt es als Kastenwagen in drei Längen von 3,94 Meter (Citan Kompakt) über 4,32 Meter (Lang) bis 4,71 Meter (Extralang). Darüber hinaus stehen die Varianten Kombi und Mixto zur Verfügung. 

Mercedes-Benz positioniert ihn unterhalb des Vito und bewirbt ihn mit dem Claim "Born to run". Gewerbekunden wird derzeit das Sondermodell "Worker" ab 11.990 Euro zuzüglich Umsatzsteuer angeboten. Es basiert auf dem Citan 108 CDI mit 1,5-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor und einer Leistung von 55 kW/75 PS.

Mercedes erwartet für den Citan europaweit einem Marktanteil bei den Transportern von vier bis fünf Prozent, rund 700.000 Fahrzeuge dieser Art werden pro Jahr in Europa abgesetzt. Größter Konkurrent dürfte der Caddy von Volkswagen sein, den es ab 14.600 Euro netto als einfachen Kastenwagen gibt.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

Kommentare zu " Blamage für Daimler: Citan fällt mit schwachem Crashtest auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hat doch alles bestens geklappt. War seinerzeit die A-Klasse mit dem Elchtest ein "tatsächliches" Desaster, ist doch beim Citan alles geplant.

    Es kann mir keiner erzählen, dass Mercedes über die Ergebnisse überrascht ist. Das traue ich selbst dem "Laden" Mercedes zu, dass die einen Kangoo gegen die Wand fahren und die Ergebnisse auf das identische Modell mit anderem Logo übertragen können.

    Nun ja, wer Angst hat, kann ja noch die neue A-Klasse mit Renault-Motor fahren...

    Wenn ich einen Kangoo will, bekomme ich den bei Renaullt eben günstiger und der durchschnittliche Verkäufer ist deutlich weniger arrogant wie im Hause mit dem Stern.

  • .......und weiter. Was noch von der Führungsspitze in Stuttgart verbrochen wurde. Eine Überlebende der Mercedes Benz-Dynastie schlug vor, die Firma in Mercedes Benz zu taufen und so zu nennen. Wäre doch die richtige Entscheidung für die Marke gewesen, nicht wahr? Etwas anderes würde nicht infrage kommen. Hat man die Nachfarin nach Hause geschickt und somit abgemeiert. Ein Verbrechen, denn Mercedes Benz war immer Mercedes Benz und so gehört auch der Name auf die Werkhallen. Daimler sollte die Firma heißen so der Vorstand. Die Verantwortlichen fahren nach London und kaufen den Namen Daimler für mehr als 200 Millionen Euro, eine unfaßbare Entscheidung. Ist der Name Daimler in englischem Besitz? Ja, so ist es. Unfaßbar. Und dann die nackte Angst im Nacken sich mit anderen Autofirmen zu verbünden, für diese altehrwürdige deutsche Autoschmiede. Aus Sicht von Mercedes unwürdig. Nicht mit der Kneifzange Renault und Nissan anpacken. Ich wiederhole, nicht mit der Kneifzange. Es gibt kein Stolz, es gibt nur noch Angst, die nackte Angst, die der unbrauchbare Vorstand gepackt hat. Nur raus mit diesen unwürdigen Mitgliedern einschließlich des Aufsichtsrats. Er ist genau so unfähig. Ab nach Hause ohne Abfindung. Die Vorgänger Schremp und Reuter genau so vor ein Firmengericht in den Werkhallen stellen und sie aburteilen. Diese beiden Lumpen-Vorstände begannen mit unheilvollen Entwicklung. Völlig unbrauchbare Personen.
    Was ist zu tun? Ein Konstrukteur oben, ein Dipl. Ing allererster Güte Pflichtkleidung Overal mit großem Mercedes-Stern vorne und hinten. Und diesen Overal als Pflichtkleidung fürs ganze Jahr. Selbst der Schlafanzug mit einem Mercedes-Stern vorne und hinten. Aber, es wird Wunschdenken sein. Der Untergang findet in Schritten statt. Und er ist unumkehrbar. Die Chinesen stehen Gewehr bei Fuß und warten bis der Dolch tief genug in der Firma sitzt, um den Rest für ein Butterbrot zu übernehmen.

  • War Mercedes nicht mal die wervollste Marke Deutschlands? Sind die wahnsinnig geworden, dies zu riskieren,indem man den Stern auf einen Renault/Dacia klebt? Und für so einen Wertvernichter wie Hr. Zetsche bildet das Unternehmen Pensionsrückstellungen von 23Mio. EUR!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%