BMW Active Tourer 225i

In der falschen Haut

Den Active Tourer gibt es mit Diesel und als Benziner. Wer sich für das stärkste Modell entscheidet, erhält ein fast kompromissloses Fahrzeug. Und das fährt sich wie ein BMW, aber nicht wie ein Kompakt-Van.
  • Peter Eck
Kommentieren
  • Spotpress
Test: BMW Active Tourer 225i - In der falschen Haut Quelle: BMW

Im Test: Der erste Van von BMW, der Active Tourer, als 225i.

Nichts bleibt so wie es war und selbst scheinbar in Blech gemeißelte Grundsätze sind heute nichts mehr wert. Gehen wir mal zehn Jahre zurück und stellen uns vor: Die Bayerischen Motoren-Werke bauen nicht nur Elektroautos, nein –viel schlimmer – sie produzieren auch Fahrzeuge mit Fronantrieb, Quereinbau und Motoren mit drei mickrigen Zylindern. Und dann gibt es auch neuerdings auch noch Vans im Angebot. Unvorstellbar. Vor zehn Jahren. Aber heute?

Okay, den X6 und dessen Brachialoptik haben wir so gerade noch verkraftet. Aber seit einigen Wochen begegnet man auf unseren Straßen auch Kompaktvans, die das BMW-Logo tragen. Kompaktvans! In dieser Fahrzeugklasse – die von einigen auch als Mum-Car bezeichnet wird, dabei fahren die Mütter doch heute SUV – erwarten wir doch eher ein Fahrzeug mit Stern (B-Klasse) oder sogar „Das Auto“ (als Sportsvan). Aber einen BMW?

So sieht BMWs Familienkutsche aus
Ein Van für die Kleinfamilie? Mit Frontantrieb? Kann das ein BMW sein? Und können die Dynamik-Experten aus München so was überhaupt? Die Antwort heißt schlicht: Ja
1 von 11

Ein Van für die Kleinfamilie? Mit Frontantrieb? Kann das ein BMW sein? Und können die Dynamik-Experten aus München so was überhaupt? Die Antwort heißt schlicht: Ja.

Erste Ausfahrten mit den drei Startmotorisierungen zeigen eine sehr gute Straßenlage, wenig Einflüsse des Antriebs und hohen Reisekomfort
2 von 11

Erste Ausfahrten mit den drei Startmotorisierungen zeigen eine sehr gute Straßenlage, wenig Einflüsse des Antriebs und hohen Reisekomfort.

Das hervorragend fahrerorientierte Cockpit mit mindestens 6,5 Zoll großem Farbmonitor bietet das gleiche Piloten-Erlebnis wie in Dreier oder Fünfer – nur von höherer Sitzposition
3 von 11

Das hervorragend fahrerorientierte Cockpit mit mindestens 6,5 Zoll großem Farbmonitor bietet das gleiche Piloten-Erlebnis wie in Dreier oder Fünfer – nur von höherer Sitzposition.

Auf kompakten 4,34 Meter Länge und bei 2,67 Meter Radstand bietet der BMW verschieb- und neigungsverstellbare Rücksitze, viele Ablagen und das luftige Raumgefühl, das ein Familienvan-Käufer erwartet
4 von 11

Auf kompakten 4,34 Meter Länge und bei 2,67 Meter Radstand bietet der BMW verschieb- und neigungsverstellbare Rücksitze, viele Ablagen und das luftige Raumgefühl, das ein Familienvan-Käufer erwartet.

Das Head-Up-Display ist im Paket zu haben, Kostenpunkt: 290 Euro4
5 von 11

Das Head-Up-Display ist im Paket zu haben, Kostenpunkt: 290 Euro.

Die eingebaute Freude am Fahren führt allerdings dazu, dass reale Verbräuche je nach sportivem Charakter des Fahrers weniger oder mehr darüber liegen
6 von 11

Die eingebaute Freude am Fahren führt allerdings dazu, dass reale Verbräuche je nach sportivem Charakter des Fahrers weniger oder mehr darüber liegen.

Das Kofferraumvolumen beträgt 468 bis 1.510 Liter
7 von 11

Das Kofferraumvolumen beträgt 468 bis 1.510 Liter.

Die Bayern wissen um die Gefahr und mildern sie schon mal, in dem sie das Fahrzeug einfach Active Tourer nennen, das klingt nach Jugend, Sport, Fun und nicht nach Nacken- und Rückenschonung. Wir bekämpften unsere Vorbehalte zusätzlich, indem wir nicht etwa die Version mit Dreizylinder (218i) zum Test bestellten, sondern gleich mit dem Spitzenmodell 225i auf dicke Hose machten. So viel BMW – Frontantrieb hin, Quereinbau her - muss dann in einem Kompaktvan schon sein.

Leider fällt das Ergebnis ein wenig zwiespältig aus. Der Active Tourer ist ein guter Kompaktvan mit zwar nicht übermäßig, aber ausreichend Platz für vier Erwachsene (und einem Kind hinten Mitte). Die Rückbank ist zudem um bis zu 13 Zentimeter verschiebbar (300 Euro) und der Beifahrersitz kann umgeklappt werden (190 Euro).

Auch im Innenraum ist der 2er Active Tourer ein echter BMW Quelle: BMW

Auch im Innenraum ist der 2er Active Tourer ein echter BMW

Damit ist dann auch der Transport von langen Gegenständen ein Kinderspiel, zumal wenn man die dreigeteilten Lehnen per Knopfdruck aus dem Kofferraum heraus entriegelt und sogar mit einer Fußbewegung unter dem Heck die rückwärtige Klappe elektrisch öffnet (450 Euro).

Auch der Antrieb ist als solcher eine Wucht. Der 2,0-Liter-Benziner leistet 170 kW/231 PS und hat mit dem 1,5-Tonner naturgemäß leichtes Spiel. Das liest sich an den Fahrleistungen ab: Nach 6,6 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, bis zu 240 km/h sind auf der Autobahn drin.

Leider funktioniert die Kombination aus Van und sportlichem Motor nicht ganz so gut. Denn der Active Tourer ist damit schlicht übermotorisiert. Oder anders ausgedrückt: Der formidable Motor steckt in der falschen Haut.

Der 2,0-Liter-Benziner im 225i leistet 170 kW/231 PS und hat mit dem 1,5-Tonner naturgemäß leichtes Spiel Quelle: BMW

Der 2,0-Liter-Benziner im 225i leistet 231 PS und hat mit dem 1,5-Tonner naturgemäß leichtes Spiel

Das wird besonders deutlich, wenn man den „Fahrerlebnisschalter“ auf „Sport“ gestellt hat. Dann wird der BMW derart scharf, dass er sich wie ein nervöses Rennpferd benimmt. Die Gasannahme ist so direkt, dass das häufig missbrauchte Bild vom „streichelnden“ Gasfuß hier mal stimmt.

Wer etwa in der Stadt vergisst, den Schalter wieder auf das empfehlenswertere Comfort-Programm zu stellen, muss aufpassen, dass er beim beherzten Anfahren dem Vordermann nicht schlicht und schnell ins Heck prescht.

Aber selbst im Normalmodus macht der Active Tourer seinem Namen allzu viel Ehre und wirkt wie ein Fahrzeug, bei dem Entwickler mit aller Gewalt keinen Kompromiss zwischen Bequemlichkeit und Sport eingehen wollten.

Auf der Rückbank ist ausreichend Platz Quelle: BMW

Auf der Rückbank ist ausreichend Platz

Das hat nicht nur Nachteile, denn tatsächlich lässt sich kein anderer Van derart handlich fahren. Das Thema Frontantrieb kann man an dieser Stelle zumindest getrost vergessen. Der Active Tourer fährt sich wie ein echter BMW, nur eben nicht wie ein Kompakt-Van.

Dass die Nutzung des verführerischen Leistungspotenzials zudem ins Geld geht, ist kein Wunder. Ein Wunder ist eher, dass wir trotzdem auf einen noch gerade annehmbaren Durchschnittsverbrauch von 7,2 Liter kamen.

Kein billiges Vergnügen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: BMW Active Tourer 225i - In der falschen Haut

0 Kommentare zu "BMW Active Tourer 225i: In der falschen Haut"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%