BMW Hydrogen 7
Der politisch korrekte Luxus

In den vergangenen Wochen ramponierte die öffentliche Diskussion über CO2-Emissionen und den Klimawandel den Ruf mancher Autohersteller. BMW steuert dagegen und bringt mit dem „BMW Hydrogen 7“ eine Limousine mit Wasserstoffantrieb auf den Markt. Testfahrer Alois Virag, Deutschland-Chef des Mineralölkonzerns OMV, urteilt: Gutes Gewissen, schlechtes Gefühl.

Mit diesem Auto würden sich andere Manager von Mineralölunternehmen nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen. Schließlich fährt der „BMW Hydrogen 7“ mit Wasserstoff statt mit Benzin – und ist damit eine potenzielle Gefahr für das Geschäft der Ölmultis. Doch Alois Virag hat sich für die Offensive entschieden: Der Deutschland-Chef des österreichischen Mineralölanbieters OMV testet den Wasserstoff-BMW

Wenn Virag Berührungsängste mit dem Zukunftsmobil hat, lässt er sie nicht erkennen. An der Wasserstoff-Tankstelle im Münchener Norden greift er beherzt zu Schlauch und Einfüllstutzen, der hier mit einem Durchmesser von etwa zehn Zentimetern deutlich größer ausfällt als an herkömmlichen Zapfsäulen. Mit beiden Händen drückt Virag den dicken Schlauch auf die runde Tanköffnung am Heck der Limousine, bis die Verriegelung deutlich hörbar einrastet. „Für Damen ist das nicht gebaut“, scherzt er über die ungewohnte Bedienung, während der tiefgekühlte flüssige Wasserstoff ins Auto strömt. Für den Mineralölmanager ist heute ein besonderer Tag: Denn für Wasserstoffantriebe kann er sich schon seit seiner Jugend begeistern. Virag kann sich genau an den Tag im Jahr 1974 erinnern, als er als Achtklässler im Fach „Natur und Technik“ einen Film darüber anschaute. „Damals hatten Wissenschaftler einen neuartigen Wasserstoffspeicher erfunden“, berichtet der Manager. Auch die Gefahr von Wasserstoff thematisierte der Film: Jemand schoss mit einem Gewehr auf eine Hochdruck-Wasserstoffflasche – die daraufhin explodierte.

Seither hat Virag die Technik nicht mehr aus den Augen verloren, auch wenn er skeptisch ist, was deren Nutzen angeht. „Ich glaube nicht, dass Wasserstoffantriebe jemals tauglich für den Masseneinsatz werden“, sagt er. Schließlich sei die Produktion höchst energieaufwendig.

Dennoch will BMW mit der Limousine den Beweis erbringen, dass der Wasserstoffantrieb für den Alltagsgebrauch geeignet ist. Den Wagen verstehen die Bayern deshalb nicht als Prototyp – der 7er soll in einer Kleinserie gebaut werden. Praktischer Nebeneffekt: In der lautstarken Debatte um CO2-Dreckschleudern kann sich BMW als innovatives Unternehmen herausputzen. Der bayerische Sauber-Siebener bläst nur Wasserdampf in die Luft.

Ganz ohne Benzin kommt er aber doch nicht aus, bemerkt OMV-Manager Virag süffisant, als er den Motor des Wagens startet. Denn allein mit dem High-Tech-Treibstoff wäre die Reichweite der Limousine auf 200 Kilometer begrenzt. Deshalb kann der Fahrer danach den Benzinantrieb aktivieren. „Beim Umschalten bemerkt man nicht das leiseste Ruckeln“, staunt Virag, als er auf die Taste am Lenkrad drückt. Kein Wunder: Eine elektronische Steuerung sorgt dafür, dass die Leistung des Motors bei beiden Kraftstoffen identisch ist.

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