BMW M2 Coupé Reifen verbrennen, Eindruck schinden

BMW verpasst dem 2er Coupé einen 370 PS starken Sechszylinder und adelt es zum M2. Der durchtrainierte Zweitürer ist verdammt schnell, verdammt sportlich – und verdammt teuer. Und hat nur ein einziges Ziel.
  • Michael Gebhardt
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  • Spotpress
Das BMW M2 Coupé im Detail
Besonders in Nordamerika sind die M-Produkte wohlgelitten und der dortige Preis von umgerechnet 2,30 Euro für fast vier Liter Benzin fördert die Nachfrage nach PS-starken Sportwagen.
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Mit einer Leistung von 271 kW / 370 PS übertrifft der M2 seinen Vorgänger um 30 Pferdestärken, den als seinen Urahnen geltenden BMW 2002 Turbo aus dem Herbst 1973 sogar um 200 PS

Die Kraft stammt aus einem drei Liter großen Reihensechszylinder, in dem ein Twin-Scroll-Turbolader für die nötige Verbrennungsluft sorgt.
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Maximal 465 Newtonmeter Drehmoment werden wahlweise durch ein manuelles Sechs-Gang-Getriebe oder eine siebengängiges Doppelkupplungsgetriebe an die Hinterachse befördert. Eine Overboost-Funktion stellt kurzzeitig sogar 500 Newtonmeter zur Verfügung.

Blick in den Innenraum
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Der bis 300 km/h reichende Tacho des M2 dürfte in etwa die technisch mögliche Höchstgeschwindigkeit markieren, bei Tempo 250 greift aber im Normalfall die elektronische Bremse ein. Gegen Bares erhält der Kunde eine Erweiterung auf 270 km/h und einen Gutschein für ein Fahrertraining.

Seine Muskelpakete trägt der M2 in Gestalt von vorwitzig ausgestellten hinteren Radkästen offen zu Schau.
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Sie beherbergen serienmäßig eine 265/35-ZR19-Bereifung. Zwei verchromte Doppel-Endrohre lassen ahnen, welche Abgasmenge ins Freie geschafft werden muss. 

Sportlich knapp geschneiderter Pilotensitz
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Frei von aufdringlichem Firlefanz ist das Interieur, wo die Verwendung von Alcantara, offenporigen Karbonteilen und blauen Kontrastnähten auf den Sonderstatus des Fahrzeugs hinweist. Aluminium-Sportfahrwerk, Compound-Bremsen und ein aktives Sperrdifferenzial – allesamt Elemente aus der M3/M4-Serie – ergänzen die Sportausstattung.

Natürlich ist das kein billiges Vergnügen
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Wohl eher aus der Welt des Showbusiness als vom Personentransport inspiriert scheint eine spezielle Funktion des Doppelkupplungsgetriebes (DKG) zu sein: Wer „Smokey Burnout“ aktiviert, kann bei rollendem Fahrzeug die Hinterräder bis zu einem gewissen Grad durchdrehen zu lassen. Der zweifelhafte Spaß wird nicht nur mit Gummiabrieb bezahlt: Die Bestellung des DGK treibt den Preis des M2 auf mehr als 60 000 Euro.

M2 Coupé
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Der durchtrainierte Zweitürer ist verdammt schnell, verdammt sportlich – und verdammt teuer.

Vier Jahre ist es her, da hat BMW in das 1er Coupé einen 340-PS-Motor gepresst, das Fahrwerk aus dem M3 dazu gepackt und eine hauteng sitzende Blechhaut über die Muskeln gezogen. Fertig war die M-Version. Einziges Problem: Aus lauter Ehrfurcht vor dem Supersportwagen der späten Siebziger Jahre traute man sich in München nicht, den kleinen Giftzwerg M1 zu nennen und behalf sich mit der sperrigen Umschreibung 1er M Coupé. Inzwischen ist dieses Dilemma gelöst; der Nachfolger des zweitürigen Einsers firmiert als 2er und die 56.700 Euro teure Power-Variante darf sich selbstbewusst M2 Coupé nennen.

Über Geld spricht man bekanntlich nicht, deswegen handeln wir dieses Kapitel lieber gleich ab. Viel zu sagen gibt es ohnehin nicht – das M2 Coupé ist einfach verdammt teuer. Für über 56.000 Euro bekommt man auch einen gut ausgestatteten 5er Touring – der bietet zwar nicht so viel Fahrspaß, ist im Alltag aber sicher das angenehmere Vehikel. Denn im 2er sitzen große Menschen reichlich beengt, die Rückbank empfiehlt sich lediglich für kleine Kinder und der Kofferraum schluckt nur 390 Liter. Außerdem ist der M2 selbst im Komfortmodus reichlich hart und hoppelt munter über Querfugen.

Fahrbericht: BMW M2 Coupé - Nur zum Spaß Quelle: BMW
M2 Coupé

Idiotensicher Reifen verbrennen: Nur so zum Spaß, weil er es kann.

Das alles sind natürlich Argumente, die für einen Sportwagen-Fahrer nicht zählen – hier geht schließlich einzig und allein um Fahrspaß. Und so werden sich auch für den M2 genügend Zahlungswillige finden; schon sein Vorgänger verkaufte sich mit über 6.000 Einheiten doppelt so oft, wie erwartet. Und die Neuauflage ist noch stärker, noch schneller – und mit rund acht Litern sogar sparsamer. Der enganliegende Rennanzug, unter dem sich die Muskeln des knapp viereinhalb Meter langen Coupés abzeichnen, ist dagegen vom gleichen Schneider: Die Frontschürze ist weit runtergezogen, die großen Lufteinlässe wirken genauso gierig wie die vier Endrohre und die Radhäuser sind breit ausgestellt. Letzteres ist technisch nötig, hat der M2 doch die Achsen seiner größeren Brüder der 3er- und 4er-Reihe geerbt, und die brauchen Platz.

Neu ist auch der Antrieb: Kam im 1er M Coupé noch ein Sechszylinder mit Bi-Turbo zum Einsatz, setzt der neue Dreiliter-Reihensechser auf nur noch einen Twin-Scroll-Lader und auf die Valvetronic, die den Hub der Einlassventile steuert und die Drosselklappe überflüssig macht. Auch beim Triebwerk bekommt der Zweier Schützenhilfe vom M3, der unter anderem Kolben und Zündkerzen spendierte. So kommt das Aggregat, das im 235i fast schon zahme 250 kW/326 PS entwickelt auf M-gerechte 272 kW/370 Pferdestärken und ein maximales Drehmoment von 465 Newtonmeter, die per Overboost sogar kurzzeitig auf 500 anwachsen.

Wer sich für das Premium-Infotainmentsystem entscheidet, kann eine App installieren, mit der er seine Go-Pro-Kamera direkt über den iDrive-Controller ansteuern und so die Fahrt auf der Rennstrecke gleich aufzeichnen kann Quelle: BMW
M2 Coupé

Wer sich für das Premium-Infotainmentsystem entscheidet, kann eine App installieren, mit der er seine Go-Pro-Kamera direkt über den iDrive-Controller ansteuern und so die Fahrt auf der Rennstrecke gleich aufzeichnen kann

Kein Wunder, dass die Tachonadel bei einem Leergewicht von rund 1,5 Tonnen schon nach 4,5 Sekunden 100 km/h anzeigt; mit dem 3.900 Euro teuren Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe dauert’s sogar nur 4,3 Sekunden. Schluss ist bei 250 km/h, mit optionalem Drivers Package wird die Beschränkung auf Tempo 270 angehoben – das ist auch noch nachträglich möglich.

Ausprobieren lässt sich das Kraftpaket am besten auf der Rennstrecke. Erprobt wurde der M2 am Nürburgring, den er in 7 Minuten und 58 Sekunden umrundet. Für unsere erste Ausfahrt hat sich der BMW neuntausend Kilometer weiter nach Westen gewagt. In strahlendem blau steht das Coupé an der Startlinie in Laguna Seca und wartet nur noch auf den Marschbefehl.

Der durchtrainierte Zweitürer ist verdammt schnell, verdammt sportlich – und verdammt teuer.  Quelle: BMW
M2 Coupé

Der durchtrainierte Zweitürer ist verdammt schnell, verdammt sportlich – und verdammt teuer.

Der Motor grummelt bereits im Leerlauf vor sich hin, das Doppelkupplungs-Getriebe ist auf Automatik gestellt; die Schaltpaddel braucht es nur selten. Endlich losgelassen, muss er sich gleich wieder zügeln: Ein sanfter Druck aufs Gaspedal und der Bayer sprintet los, als gäbe es kein Morgen mehr; dabei gilt doch in der Boxengasse ein strenges Tempolimit. Doch kaum ist die Bahn frei, heißt es Vollgas. Das Getriebe schaltet mit Zwischengas-Unterstützung noch einen Gang runter, die Nadel des Drehzahlmessers schnellt nach oben und der Motor knurrt aus den Endrohren.

Der Nachfolger des zweitürigen Einsers firmiert als 2er und die 56.700 Euro teure Power-Variante darf sich selbstbewusst M2 Coupé nennen.  Quelle: BMW
M2 Coupé

Der Nachfolger des zweitürigen Einsers firmiert als 2er und die 56.700 Euro teure Power-Variante darf sich selbstbewusst M2 Coupé nennen.

Den Fahrer drückt es wechselweise in die engen Sitze oder den straffen Sicherheitsgurt, je nachdem ob der rechte Fuß am Gas oder auf der Bremse steht. Die serienmäßigen Compound-Stopper packen beherzt zu und vernichten vor jeder Kurve in Sekundenschnelle überschüssige Energie. Das kleine, griffige Lenkrad scheint direkt mit den Vorderrädern verbunden zu sein und dirigiert den Sportler in die richtige Richtung.

Wer’s kann, übernimmt den Rest mit dem Gasfuß: Im Sport-Plus-Modus lässt die Stabilitätskontrolle etwas Schlupf an den angetriebenen Hinterrädern zu, so kann man das Heck gezielt nach außen schubsen. Zu große Schlenker versuchen allerdings das Sperrdifferenzial an der Hinterachse und als letzte Instanz die Stabilitätskontrolle zu vermeiden, die im Ernstfall die Motorleistung kappt.

Erprobt wurde der M2 am Nürburgring, den er in 7 Minuten und 58 Sekunden umrundet.  Quelle: BMW
M2 Coupé

Erprobt wurde der M2 am Nürburgring, den er in 7 Minuten und 58 Sekunden umrundet.

Wer sich für das Premium-Infotainmentsystem entscheidet, kann eine App installieren, mit der er seine Go-Pro-Kamera direkt über den iDrive-Controller ansteuern und so die Fahrt auf der Rennstrecke gleich aufzeichnen kann; ein Laptimer analysiert dazu den eigenen Fahrstil und protokolliert Geschwindigkeiten sowie Bremspunkte – und verschickt die Daten auf Wunsch gleich an die Freunde.

Eindruck schinden lässt sich mit dem M2 aber auch jenseits des Rundkurses: Wer sich für das Automatikgetriebe entscheidet, kann mit der Smokey-Burnout-Funktion vor dem Lieblingscafé idiotensicher die Hinterreifen qualmen lassen. Könner kriegen das allerdings auch mit dem knackigen, wenn auch etwas knorpeligen Sechsgang-Getriebe hin – oftmals sogar ungewollt beim Ampelstart.

Eindruck schinden lässt sich mit dem M2 aber auch jenseits des Rundkurses Quelle: BMW
M2 Coupé

Eindruck schinden lässt sich mit dem M2 aber auch jenseits des Rundkurses

M2 Coupé – Technische Daten: Länge: 4,47 Meter, Breite: 1,85 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k. A.), Höhe: 1,41 Meter, Radstand: 2,69 Meter, Kofferraumvolumen: 390 Liter. Antrieb (Werte in Klammern mit Doppelkupplungsgetriebe): 3,0-Liter-Sechszylinder-Benziner, 272 kW/370 PS, maximales Drehmoment: 465 Nm bei 1.400 - 5.560 U/min, Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 4,5 Sek. (4,3 Sek.), Vmax: 250 km/h, Durchschnittsverbrauch: 8,5 Liter (7,9 Liter), CO2-Ausstoß: 199 g/km (185 g/km), Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: F (E), Preis: ab 56.700 Euro.

Kurzcharakteristik:
Warum: Weil der M2 herrlich unvernünftig ist und einfach nur Spaß macht.
Warum nicht: Weil die Vernunft oft siegt und doch lieber zum 5er Touring greift.
Was sonst: Audi RS3 und Mercedes-AMG A 45 kosten rund ein paar Tausender weniger.

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1 Kommentar zu "BMW M2 Coupé: Reifen verbrennen, Eindruck schinden"

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  • 4,5 Sekunden von Null auf Hundert?
    Verdammt langsam!
    Ich brauche nur 3,1 Sekunden und bis 200 knappe 7 Sekunden dafür und bin auch nicht bei 250 km/h abgeriegelt!
    Kosten für ein solches Fahrzeug?
    Nur ein Bruchteil dieses neuen BMW.
    Wer den berühmten Tritt ins Kreuz haben will, der muß eben dann von 4 auf 2 Räder umsatteln! :-) !!

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