BMW S 1000RR

Den Fahrspaß auf die Spitze getrieben

Die S1000 RR von BMW war schon vor ihrer jetzt erfolgten Überarbeitung ein fast perfektes Superbike. Da waren wir gespannt, was die Ingenieure da noch verbessern konnten. Und wurden überrascht.
  • Ulf Böhringer
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  • Spotpress
Fahrbericht: BMW S 1000RR - Die bayerische Rakete Quelle: Debus/Künstle/Martinez

Die S 1000RR ist eine bayerische Rakete. Auf dem Asphalt und in der Verkaufsstatistik.

Die Rennstrecke von Monteblanco, eine knappe Fahrstunde von Sevilla im Süden Spaniens gelegen, ist nass. Es hat die ganze Nacht geregnet. Zwar klart der Himmel vormittags auf, doch optimale Bedingungen zum Testen eines 200 PS starken Motorrads sehen anders aus. Weil der Asphalt sehr grobporig ist, entscheiden die BMW-Verantwortlichen, dass keine Spezialreifen aufgezogen werden, sondern die Serienreifen von Pirelli bleiben. „Der Grip ist sehr gut“, versichern sie.

Nach fünf Runden zum Kennenlernen des Kurses sind nicht wenige Tester erstaunt, als sie eine der neuen Funktionen des Instrumentendisplays inspizieren: „42 Grad Schräglage auf feuchtem Untergrund, und nie gab es einen Moment der Unsicherheit“, wird gestaunt. Die elektronischen Heinzelmännchen im Regen-Fahrmodus haben ganze Arbeit geleistet. Die bayerische Rakete S 1000RR, für 2015 grundlegend erneuert, bleibt stets auf Kurs.

Debus/Künstle/Martinez Quelle: Debus/Künstle/Martinez

Besondere Bedeutung hat der Vierzylinder-Reihenmotor, der nun 199 statt 193 PS leistet. Noch wichtiger erscheint aber das gesteigerte Drehmoment ab etwa 5.000 U/min.

Fünf Jahre ist die BMW S 1000RR auf dem Markt. Einem Markt, dessen Volumen 2014 gegenüber dem von 2004 nahezu bedeutungslos erscheint, so sehr hat er sich reduziert. Supersportliche Bikes sind out. Aber eben nicht alle: Die BMW S 1000RR wurde in diesen fünf Jahren an die 50.000 Mal verkauft. Sport- und Rennfahrer auf allen Kontinenten sind auf sie abgeflogen, während die einst tonangebenden japanischen Superbikes den Anschluss verloren haben. Nur Ducati hält mit seiner Panigale tapfer dagegen, und auch Aprilia müht sich mit seiner RSV4 noch um Kunden.

Das bayerische Erfolgsbike grundlegend zu überarbeiten und auf den Stand von 2015 zu bringen, war in den letzten Jahren Aufgabe der BMW-Entwicklungsingenieure um Projektleiter Rudolf Schneider. Eine anspruchsvolle Aufgabe, denn die über fünf Jahre gereifte Superbike-Ikone sollte dabei ja nicht total umgekrempelt werden und auch als „typische RR“ erkennbar bleiben.

Erste Motorrad-Highlights für 2015
Ducati Scrambler
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Ducati zeigte auf der Intermot die lange erwartete Scrambler. Das neue Einstiegsmodell bietet Ducati in vier verschiedenen Styles an, als Icon, Urban Enduro (im Bild), Full Throttle und Classic. Angetrieben wird der Scrambler vom luftgekühlten L-Twin aus der Monster 796, der aus seinen 803 Kubik 75 PS und 68 Nm Drehmoment holt. Da die Scrambler als Alltagsmotorrad ausgelegt ist, hat Ducati auf die markentypische Trockenkupplung verzichtet und eine leichter zu bedienende Ölkupplung verbaut ...

Ducati Scrambler
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Da die Ducati mit 186 Kilo deutlich leichter ist als etwa die Triumph Scrambler mit 230 Kilo, versprechen sich die Italiener trotz der 75 PS ansprechende Fahrleistungen. In Deutschland soll der Preis für die Scrambler bei 8.390 Euro starten.

Modellvariante Full Throttle
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Ducatis Scrambler-Modellvariante Full Throttle ist von Flat-Track-Rennmaschinen inspiriert.

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Aprilia engagiert sich stärker beiden Reiseenduros. Die Italiener stellen ihrer im Verkauf nicht gerade explodierenden Reiseenduro Caponord mit der „Rallye“-Version eine Variante zur Seite. Der markanteste Unterschied liegt in der Optik, denn die Speichenräder zusammen mit dem von 17 auf 19 Zoll vergrößerten Vorderrad lassen die 125 PS starke Caponord Rallye wesentlich abenteuerlustiger wirken.

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BMW R1200R

In dem Roadster R1200R hat der 1,2 Liter große Boxermotor mit Luftkühlung ausgedient. Er wird durch den aus der R1200GS bekannten öl-/wassergekühlten Zweizylinder mit 125 PS ersetzt. Wer weiter den luftgekühlten Boxer genießen will, muss zum Classic-Bestseller R nineT greifen. Der Motor ist aber nicht die einzige Neuheit bei der R1200R: Der Rahmen ist vollkommen neu und integriert den Motor als tragendes Bauteil.

Zudem hat sich BMW von der eigenwilligen Telelever-Gabel verabschiedet und setzt jetzt auf eine herkömmliche Upside-Down-Gabel. Die R1200R wird im ersten Halbjahr 2015 zum Grundpreis von 12.800 Euro angeboten.

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BMW R1200RS

Zusammen mit der R bringt BMW auch die RS an den Start. Die verkleidete RS setzt wie die nackte R auf den 125-PS-Boxer. Beide Modelle verfügen serienmäßig über die Fahrmodi „Rain“ und „Road“ sowie eine Traktionskontrolle. Als Sonderausstattung lassen sich die dynamische Traktionskontrolle DTC mit Schräglagenerkennung sowie die zusätzlichen Fahrprogramme „Dynamic“ und das individuell programmierbare „User“ ordern.

Ebenfalls auf Wunsch gibt es die elektronische Stoßdämpferjustierung ESA und LED-Tagfahrlicht sowie den Schaltassistenten für Gangwechsel ohne Kupplungsbedienung. Der Aufpreis für den verkleideten Sporttourer beträgt 600 Euro, die R1200RS steht also mit 13.400 Euro in der Liste.

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BMW S1000RR

Neben den Boxer-Modellen hat BMW auch das Superbike S1000RR nachgeschärft. In Zahlen ausgedrückt heißt das: sechs PS mehr Leistung und vier Kilo weniger Gewicht. Die 199 PS starke Maschine soll durch einen neuen Rahmen und geänderte Fahrwerksgeometrie leichter kontrollierbar werden. Zudem haben die Techniker die Elektronik feiner abgestimmt.

Bei der Optik fallen der geänderte, aber weiter asymmetrische Scheinwerfer auf, sowie die neue Abgasanlage. Da bei dieser der Vorschalldämpfer entfällt, trägt sie entscheidend zur Gewichtsreduktion bei. Der neue Modelljahrgang der S1000RR kommt im ersten Halbjahr 2015 zu den BMW-Händlern. Noch steht aber nicht fest, welchen Preis diese verlangen werden.

Das Erfolgsgeheimnis der BMW S 1000RR war es, die besten japanischen Tugenden aufgegriffen und durch die Vernetzung neuer elektronischer Regelsysteme getoppt zu haben. Bei dieser Vernetzung von Motorsteuerung, Traktionskontrolle und Antiblockiersystem ist BMW jetzt noch weiter gegangen: Wer das optionale semiaktive Fahrwerkssystem Dynamic Damping Control ordert, erhält die Möglichkeit, mit einem einzigen Tastendruck beispielsweise vom Programm Rain auf Sport oder Race umzuschalten; einmal den vollelektronisch gesteuerten Gasgriff zu schließen, genügt als Bestätigung.

Kritik an diesem supersportlich orientierten Bike ist nur Alltagsfahrern möglich. Quelle: Debus/Künstle/Martinez

Kritik an diesem supersportlich orientierten Bike ist wohl nur Alltagsfahrern möglich. Der Platz ist halt begrenzt und die Sitzhaltung vorgegeben.

Einen Sekundenbruchteil später reagiert der Motor völlig anders auf Gasbefehle, geben Wheelie-Kontrolle dem Vorderrad und Stoppie-Kontrolle dem Hinterrad etwas mehr Freiraum, lässt die Traktionskontrolle beim Beschleunigen aus Kurven heraus mehr Slide zu, und es verhärtet sich auch bei hartem Anbremsen von Kurven auf unebenem Asphalt die Dämpfung.

Den Fahrspaß auf die Spitze treibt der optional erhältliche Schaltautomat Pro, der sogar die Disziplin „Herunterschalten“ beherrscht. Keineswegs nur eine Komfortsteigerung für Weicheier, sondern eine sehr sinnvolle Maßnahme zur Erhaltung bester Fahrstabilität bei harten Anbremsmanövern, denn beide Hände können gleichermaßen stets die Lenkergriffe umschließen.

Es sind der technischen Merkmale zu viele, um sie im Rahmen dieses Fahreindrucks vollständig wiedergeben zu können. Besondere Bedeutung hat natürlich der Vierzylinder-Reihenmotor ein. Er ist minimal kräftiger geworden, so dass BMW statt bisher 193 PS nun 146 kW/199 PS angibt. Noch wichtiger erscheinen das gesteigerte Drehmoment ab etwa 5.000/min und das sehr vorteilhafte Drehmomentplateau zwischen 9.500 und 12.000 Kurbelwellenumdrehungen im Maximalbereich von über 112 Newtonmetern.

Da stürmt die RR brutal vorwärts, so dass die Wheelie-Kontrolle selbst im dritten Gang noch gut beschäftigt ist. Dennoch ist der drehzahlorientiert ausgelegte Vierzylinder untenrum keineswegs kraftlos, im Gegenteil: Ohne Rucken und Mucken lassen sich Kurven auch zwei Gänge höher bewältigen, stets geht es beeindruckend vorwärts.

Fünf Jahre ist die BMW S 1000RR auf dem Markt Quelle: Debus/Künstle/Martinez

Fünf Jahre ist die BMW S 1000RR auf dem Markt. Sie zu überarbeiten und verbessern ist anspruchsvoll.

Sehr gute Arbeit unter allen nur anzunehmenden Bedingungen leisten die Assistenzsysteme; die in Monteblanco aufgezeichneten Daten lassen erkennen, das Bremsverzögerungen bis nahezu 12 m/sec² möglich sind und dabei immer noch wirksame Federwege zur Verfügung stehen. In Kurven werden (mit Serienreifen!) Schräglagen von bis zu 60° aufgezeichnet, mit Slicks sogar noch ein wenig mehr.

Die bei Bedarf in 15 Stufen individuell konfigurierbare Traktionskontrolle regelt dabei nicht mehr übertragbare Beschleunigungskräfte feinfühlig weg, so dass die Fahrstabilität selbst im Extrembereich als ausgezeichnet beurteilt werden darf.

Ein Kilo pro PS
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