Brennstoffzelle
Daimler macht Dampf

Viele Experten haben den emissionsfreien Wasserstoffantrieb abgeschrieben. Auch, weil der explosive Stoff aufwendig isoliert und gekühlt werden muss und die Infrastruktur zum Betanken fehlt. Der Einsatz in Stadtbussen soll nun den Durchbruch bringen.
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HAMBURG. Totgesagte leben länger. Das jedenfalls gilt für die Brennstoffzelle. Sie startete furios: In der deutschen Autoindustrie wurde sie stolz vorgezeigt als Schlüsseltechnologie für das abgasarme Fahren. Bald verflog die Euphorie: Nachdem Milliarden für Forschung und den Einsatz von Testflotten verbrannt waren, schien die wenig praxistaugliche Vision von handfesteren Technologien wie dem Hybridantrieb, der den Verbrennungs- mit einem Elektromotor verbindet, abgelöst zu werden. Auch, weil der explosive Wasserstoff aufwendig isoliert und gekühlt werden muss und die Infrastruktur zum Betanken fehlt. Spätestens das am Stromnetz aufladbare Elektroauto dürfte Experten zufolge den Wasserstoffträumen den Rest geben.

Die Einwände lassen den deutschen Brennstoffzellen-Pionier Daimler kalt. Seit 15 Jahren arbeitet der Automobilkonzern an der Serienreife. Man fährt mehrgleisig: Die Schwaben haben auch gerade erst eine Mercedes S-Klasse mit milder Hybridvariante auf den Markt gebracht. Die Limousine speichert die Bremsenergie und nutzt sie für die Beschleunigung.

Hoffnung auf rasche Marktreife

An einer in vollem Batteriebetrieb fahrende S-Klasse werkeln die Ingenieure ebenso wie an Elektroautos auf Basis der Kompaktmodelle A- und B-Klasse. Auch ein elektrischer Smart wird gebaut. Von der Brennstoffzelle wollen die Stuttgarter Ingenieure dennoch nicht lassen. "Beim Brennstoffzellen-Auto kommt aus dem Auspuff ausschließlich Wasserdampf. Das ist gut für die Umwelt und die Menschen. Genau darum wollen wir diese Technologie so schnell wie möglich zur Marktreife bringen", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Ende des Jahres soll die Produktion einer Kleinserie von B-Klasse-Modellen mit Brennstoffzelle starten. Um das Rad nicht jedesmal wieder neu zu erfinden, setzt Daimler bei dem Antrieb mit Brennstoffzellen auf Module. So nutzen neue Busse zwei Brennstoffzellenpakete aus den Pkws.

In den nächsten Monaten rollt die dritte Generation von Mercedes-Stadtbussen mit Brennstoffzellenantrieb zu Testern wie der Hamburger Hochbahn. Die städtische Tochter betreibt das Bus- und U-Bahnnetz der Hansestadt. Im kommenden Jahr sollen die Norddeutschen die ersten zehn Exemplare des neuen Brennstoffzellen-Hybrid-Busses mit dem sperrigen Modellnamen Citaro Fuel-Cell-Hybrid einsetzen.

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