Brennstoffzellen: Das Öl der Zukunft

Brennstoffzellen
Das Öl der Zukunft

Nach vielen Fehlstarts ist Wasserstoff der heißeste Kandidat für die Mobilität der Zukunft. Der Abschied vom Öl wird möglich dank alltagstauglicher Brennstoffzellenautos. Einige Hürden aber bleiben.
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DüsseldorfWasser ist die Kohle der Zukunft", schrieb Jules Verne im Jahr 1874. In Bezug auf die Stadt Herten hat der Schriftsteller recht behalten. Denn der Ort in Nordrhein-Westfalen war einst die größte Bergbaustadt Europas. Heute sind die Kohlezechen pleite, und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Herten setzt seine Hoffnung nun auf Wasser - genauer gesagt auf Wasserstoff, der sich daraus mit Strom erzeugen lässt. Schon Jules Verne kannte das als Elektrolyse bezeichnete Verfahren, einzig Kohle gab es damals noch genug.

Demnächst wollen die Großunternehmen Linde und Evonik die Elektrolyse nutzen, um in Herten mit Strom aus einem Windpark Wasserstoff zu produzieren. Auf einem alten Zechengelände der Stadt arbeiten außerdem vier Unternehmen an Brennstoffzellentechnik. Die Stadt hat aktiv um die Ansiedelung der Industrie geworben. Das Ziel: Wenn in einigen Jahren Autos landesweit Wasserstoff tanken, will Herten Technik und Treibstoff liefern - und ein zentraler Standort für die Zukunftstechnologie sein. Denn "Wasserstoff ist der Grundstein für künftige Mobilität", ist Bürgermeister Uli Paetzel überzeugt.

Damit ist er nicht allein. Im November, während Herten 75. Stadtjubiläum feierte, stand in Frankfurt Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Bühne der Internationalen Automobilausstellung und verkündete: "Jetzt beginnt das Jahrhundert des Wasserstoffs. Wasserstoff ist das bessere Öl."

Einläuten will Zetsche diese neue Zeit 2014 mit der B-Klasse F-Cell, dem ersten serienmäßigen Wasserstoffauto auf dem Markt. Für 2015 kündigten auch Opel, Toyota, Honda (siehe Seite 60) und Hyundai den Verkaufsstart eigener Modelle an. Auch der öffentliche Nahverkehr stellt um: Die Hamburger Hochbahn will ab 2020 keine Dieselbusse mehr kaufen. Der Antrieb der Wahl für die mehr als 700 Busse der Hansestadt wird Wasserstoff.

Brennstoffzellenfahrzeuge haben zwei entscheidende Vorteile: Mit einer Tankfüllung kommen sie bis zu 600 Kilometer weit - und das absolut umweltfreundlich, zumindest dann, wenn der Wasserstoff mit grünem Strom erzeugt wird.

Kommentare zu " Brennstoffzellen: Das Öl der Zukunft"

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  • Wie wärs denn mal mit freier Energie/Raumenergie nach Tesla? Haben die schreibenden "Experten" noch nie gehört? Warum? Weil sie in ihren Dogmas und Ideologien gefangen sind. Aber da kann die Energiemafia kein Geld abzocken.

  • Naja aber lieber schon mal von Wasser/Wind abhängig sein, als Öl&Gas aus dem Nahen Osten und Russland. Wobei ja der Klimawandel auch zu einem Wassermangel in 2025 führen wird.

  • In der chemischen Industrie und in den Raffinerien wird aktuell der grösste Teil des Wasserstoffs verbraucht. Wasserstoff wird üblicherweise aus Erdgas gewonnen.

    Vor Jahrzehnten prüfte man in F, ob man aus dem überschüssigen Nachtstrom der umweltfreundlichen Kernkraftwerke Wasserstoff gewinnen kann. Man rechnete nur mit den Brennstoffkosten von ca. 0,5c/kWh und aufgrund einer Vollaststundenzahl von 2000h, dem Wirkungsgrad und den Investitionskosten ergab sich keine Wirtschaftlichkeit.

    Der umweltschädliche Strom aus Windmühlen wird mit 9,4c, Solarstrom mit 24c/kWh "vergütet". Eine Nutzung zur Herstellung von Wasserstoff und eine Komprimierung auf 700bar (für Autos) hätte einen Phantasiepreis zur Konsequenz. Nur mehr wenige könnten sich ein derart ökoreligiöses Fahrvergnügen leisten.

    Es macht wenig Sinn Milliarden € in eine zusätzliche Energieinfrastruktur zu investieren. Sinnvoller ist es das Erdgas direkt zu tanken.

    Elektroautos werden, abseits extremer Subventionen, am ehesten in Ländern mit preiswertem Strom, kleinen Autos und kurzen Wegen, Verbreitung finden. Südkorea, Singapur, Taiwan sind ideale Länder hierfür.

    Vandale

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