Cadillac Escalade
Rasender Riese

„Dieses Untier hat einen Hubraum von 6,2 Litern. Großer Gott! Ich finde, SUVs wie der Escalade passen nicht auf unsere Straßen, nicht in normale Tiefgaragen – und vor allem nicht in unsere Zeit.“ Sicherheitsberater Rainer von zur Mühlen hat den Cadillac Escalade evaluiert. Das Ergebnis: Zumindest die Knautschzone ist über allen Zweifel erhaben.

DÜSSELDORF. Diese ganz großen, dicken Benzin-Schlucker wie der Cadillac Escalade sollten sich auch in Amerika nicht mehr verkaufen. Wenn man so ein Auto nicht braucht, zum Beispiel als Großwildjäger, dann ist es wirklich vollkommen unnötig. Und fraglich ist zudem, ob das Auto für die Großwildjagd überhaupt geeignet ist.

Es passt höchstens zu einem russischen Oligarchen. Ich kann mich erinnern, wie ich mal in Kiew ein Mercedes-SUV unbewacht vor einem Restaurant stehen sah – der Schlüssel steckte. Als der Besitzer kam, um sich etwas herauszuholen, sagte ich ihm, dass sich jederzeit jemand bedienen könne. Er antwortete nur: „Wenn er das überlebt.“ War vermutlich ein Pate. Dem hätte der Escalade bestimmt gefallen. Der Wagen ist ein Panzer – die Gefahr, dass man einen Unfall gar nicht bemerkt, erscheint mir ziemlich groß.

Andererseits sieht er nicht aus wie andere Autos. Das spricht für den Cadillac Escalade. Und das ist auch der Grund, warum mir mein Chrysler 300 C Kombi so gut gefällt. Der zeigt den Mut, eine andere Ansicht zu bieten. Man könnte deshalb meinen, ich stünde auf Ami-Kisten. Stimmt nicht. Mir hat der Wagen nur gefallen, weil die Karosserie nicht durch den Weichspüler-Windkanal gezogen worden ist. Alle anderen sehen doch gleich aus. Das war wie Liebe auf den ersten Blick: Ich habe ihn in Wien am Flughafen gesehen, habe mich reingesetzt und war begeistert. Man fühlt sich wie im Wohnzimmer, ich wollte gar nicht mehr aussteigen. Der Chrysler mit dem modernen Drei-Liter-Diesel aus der S-Klasse ist das erste Auto seit meiner Ente, das mir wirklich Fahrspaß vermittelt."

Der freundliche 63-Jährige hat sichtlich Spaß an allem, was er tut – selbst wenn es dabei hauptsächlich um Desaster geht. Seine Bonner Firma, die Von zur Mühlen’sche GmbH, berät seit 35 Jahren Unternehmen beim Bau von Rechenzentren, um sie vor Sabotage, Unfällen und Terroranschlägen zu schützen. Inzwischen hat von zur Mühlen 540 Rechenzentren für Großbanken, Versicherungen und Industriekonzerne geplant. Unlängst kam der Auftrag, eines der ersten Rechenzentren wieder zu überarbeiten, das die Firma 1972 konzipiert hatte. Der Sicherheitsberater beschäftigt 32 Architekten, Informatiker, Klimaexperten, Elektro- und Brandschutzingenieure sowie IT-Organisatoren und Systemanalytiker. Rainer von zur Mühlen nennt sie nur seinen „Zoo“. Sie versuchen, sich jede denkbare Katastrophe auszumalen: vom Kabelbrand bis zur lose gerüttelten Platine oder zu Hacker-Angriffen.

Seite 1:

Rasender Riese

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%