Test + Technik

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Chevrolet Camaro Cabrio: Ein Auto wie ein Big Mac

Der Chevrolet Camaro ist so amerikanisch wie Fastfood - ebenso lecker wie ungesund. Im Handelsblatt-Test zeigt das Cabrio, was den Reiz eines echten Muscle Cars ausmacht - und wie der Tankwart zum besten Freund wird.

Die Optik allein verführt schon zum Gucken. Wem das nicht reicht, der lässt einfach den über 400 PS starken V8-Motor des Camaro Cabrio an. Quelle: Sebastian Schaal
Die Optik allein verführt schon zum Gucken. Wem das nicht reicht, der lässt einfach den über 400 PS starken V8-Motor des Camaro Cabrio an. Quelle: Sebastian Schaal

DüsseldorfDieses Auto ist wie zuckrige Cola, wie ein fetter Burger mit extra Käse und doppelter Lage Speck, wie ein Vanille-Milkshake mit Sahnehaube und Cocktail-Kirsche. Mit einem Testverbrauch von 17,7 Litern Super Plus ist das Chevrolet Camaro Cabrio nicht nur in Zeiten hoher Spritpreise so ungesund wie das fetteste Fast Food.

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Und wer mit dem mehr als 4,8 Meter langen und gut 1,9 Meter breiten Wagen je in ein deutsches Parkhaus gefahren ist, weiß spätestens dann: Dieses Auto schluckt nicht nur zu viel, sondern es ist auch noch viel zu groß - oder die Übersicht zu schlecht, je nachdem. Der Camaro ist ein einziger Anachronismus, ein Auto wie aus der Zeit gefallen. Und zwar in jeder Hinsicht.

Camaro Cabrio in Bildern Groß wie ein Bulle, kräftig wie ein Stier

  • Camaro Cabrio in Bildern: Groß wie ein Bulle, kräftig wie ein Stier
  • Camaro Cabrio in Bildern: Groß wie ein Bulle, kräftig wie ein Stier
  • Camaro Cabrio in Bildern: Groß wie ein Bulle, kräftig wie ein Stier
  • Camaro Cabrio in Bildern: Groß wie ein Bulle, kräftig wie ein Stier

Aber genau wie Fastfood oder Süßigkeiten ist der Camaro vor allem auch noch etwas anderes: ein riesengroßer Spaß - und zwar im XXL-Format. Allein dieser Motor. Wo andere Autohersteller auf kleine Turbo-Aggregate mit der Hoffnung auf niedrigeren Verbräuche setzen, trumpft der neue Camaro wie eh und je seit 1966 mit einem Achtzylinder-Motor auf. Je nachdem, ob man nun Umweltschützer oder Autofan ist, sind dessen Leistungsdaten entweder furchteinflößend oder schlicht begeisternd: Aus sechs Litern Hubraum stemmt der Camaro 405 PS und 556 Newtonmeter.

Die Wirkung dieses Drehmoments lässt sich am besten als kaum kanalisierbare Naturgewalt beschreiben, die über den Fahrer hereinbricht wie ein schweres Gewitter im mittleren Westen der USA. Wer das Gaspedal voll durchtritt, muss wissen, was er tut.

Burn Out, mal nicht als neue Volkskrankheit

Der Camaro ist kein hochgezüchteter Sportwagen voller elektronischer Helferlein, die auch einen Novizen zum Rennfahrer machen. Der Camaro ist ein Muscle Car - und gute Muskeln und einen noch besseren Fahrer braucht es auch, wenn man ihm die Sporen gibt. Die Kombination aus Achtzylinder vorne und Heckantrieb hinten ist so gewaltig wie fatal.

Notizen aus dem Fahrtenbuch

  • Erster Eintrag

    Der Spritverbrauch ist wirklich ernüchternd.

  • Zweiter Eintrag

    Unvergessen die Ausfahrt aus der zweiten Untergeschossebene der hauseigenen Tiefgarage. Ein Mal zurücksetzen, zwei Mal zurücksetzen, drei Mal zurücksetzen...

  • Dritter Eintrag

    Der Spritverbrauch ist katastrophal.

  • Vierter Eintrag

    Selten so viele glückliche Gesichter von Jugendlichen gesehen wie mit einem Camaro.

  • Fünfter Eintrag

    Der Spritverbrauch geht ganz und gar nicht.

  • Sechster Eintrag

    Das tiefe Glücksgefühl bei der Fahrt durch eine Tiefgarage als Fahrer und Camaro zwei freie Parkplätze nebeneinander finden, ist unbeschreiblich.

  • siebter Eintrag

    Die Schrecksekunde als sich der Camaro bei Nässe plötzlich querstellt und Fahrer samt ESP überrascht, ist unvergesslich.

  • Achter Eintrag

    Der Spritverbrauch ist...

Die voluminösen 275er Pirelli P-Zero Reifen - die speziell für Hochgeschwindigkeitsrenner konstruiert sind - kämpfen mit der schier unbändigen Kraft, drehen fast durch, das Heck zuckt kurz nach rechts und links und dann reißt der Achtzylinder den Camaro und seinen Fahrer nach vorne - in  5,6 Sekunden. Ist dann auch noch die Straße nass, stellt sich der Camaro so schnell quer, dass die elektronische Stabilitätskontrolle und die Traktionskontrolle nicht mal einen Muckser abgeben können.

Taugen die Reifen doch nichts? Ist die Kraft zu viel? So oder so: Selbst auf der Autobahn will bei Nässe ein beherzter Tritt aufs Gaspedal gut überlegt sein. Burn Out ist keine Volkskrankheit, sondern eine steter Begleiter ambitionierter Camaro-Fahrer.

  • 10.05.2012, 11:16 Uhrpeter83

    Der Camaro ist eine "Ami Karre" und sollte auch
    als solche bewertet werden. Er sieht zwar verdammt
    gut aus - das muss ich zugeben - ist aber kläglich zusammengeschraubt. Lasst den TÜV oder den ADAC mal
    einen Test machen. Ich wäre mal gespannt was da rauskommen würde. Wahrscheinlich
    ähnliches wie zuletzt beim Langzeittest des Alfa 147.

  • 10.05.2012, 12:03 UhrGeneral-Investigation

    Amis können keine anständiegen Autos bauen, das ist doch nichts neues. Die Kisten haben nach kurzer Zeit schon Mängel, die unter Umständen richtig teuer werden können. Und mal ehrlich, wer will viel Geld für Schrott ausgeben?

  • 10.05.2012, 13:55 Uhrderheuschreck

    Es geht Lesern und Kommentatoren doch offenbar nichts über gut gepflegte Vorurteile. Man kann den Chevy doch auch ganz locker als gut gemachten Cruiser sehen, der viel Show und Drehmoment für wenig Geld bietet. Einfach gute Unterhaltung, für den Sommer, als Zweit- oder Drittwagen. Und immer schön entspannt bleiben.

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