Test + Technik

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Chevrolet Cruze im Handelsblatt-Autotest: Opels Problem-Auto

Er bedient sich ungeniert an der Technik des Opel Astra, darf aber im Gegensatz zu diesem weltweit auf Kundenfang gehen. Ob der Chevrolet Cruze mit diesem Konzept überzeugen kann, zeigt der Handelsblatt-Autotest.

Von außen ist die Verwandtschaft zum Astra nicht zu erkennen. Mit dem markentypischen Kühlergrill tritt er als Chevrolet auf. Quelle: Sebastian Schaal
Von außen ist die Verwandtschaft zum Astra nicht zu erkennen. Mit dem markentypischen Kühlergrill tritt er als Chevrolet auf. Quelle: Sebastian Schaal

DüsseldorfEs steht derzeit nicht gut um Opel. Für das laufende Betriebsjahr rechnet der Mutterkonzern General Motors mit einem Milliardenverlust in Europa. Namentlich festgemacht an den Marken Opel und Vauxhall.

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Die Gründe dafür sind leicht zu finden. Die Schuldenkrise hat den Absatz einbrechen lassen, gerade in den südeuropäischen Ländern, die für Hersteller von Klein- und Kompaktautos besonders wichtig sind.

Chevrolet Cruze im Handelsblatt-Autotest Der Cruze im Detail

  • Chevrolet Cruze im Handelsblatt-Autotest: Der Cruze im Detail
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  • Chevrolet Cruze im Handelsblatt-Autotest: Der Cruze im Detail
  • Chevrolet Cruze im Handelsblatt-Autotest: Der Cruze im Detail

Seit dem achten nicht nur die Unternehmen auf jeden Euro, auch die Kunden. Also warum einen Opel Astra kaufen, wenn es für weniger Geld quasi dasselbe Auto als Chevrolet Cruze gibt?

Aus diesem Grund sind wir den Cruze mit 130-PS-Diesel gefahren. Im kompakten Chevrolet gibt es den 1,7 Liter großen Selbstzünder ausschließlich in der Ausstattungslinie LT+ (unter anderem sechs Airbags, rundum elektrische Fensterheber und Klimaanlage) ab 21.990 Euro. Der günstigste Astra mit diesem Motor kostet 725 Euro mehr.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Chevrolet Cruze

  • Alltagstauglich?

    Ein klassisches Kompaktauto mit Fließheck, Platz für fünf Erwachsene und trotzdem noch einen Kofferraum von 413 Litern, was mehr ist als ein einem Golf. Was will man mehr?

  • Das schönste Detail?

    Die Start-Stopp-Anzeige im Drehzahlmesser. Anstatt komplett auf Null zu fallen, fällt die Drehzahlnadel auf eine Stufe zwischen Leerlauf und „Aus“. Einfach, aber sinnvoll.

  • Enttäuschend?

    Der Cruze bietet kein echtes Highlight. Nichts, was fasziniert oder auf der Stelle überzeugt, genau dieses Fahrzeug zu kaufen. Selbst nicht die Preisliste, da halten Hyundai i30 und Kia C'eed locker mit.

  • Ist er`s wert?

    Der Cruze ist ein solides Auto. Ersatzteile gibt es en masse, schließlich sind fast alles Standard-Teile vom GM. Damit bekommt man mit dem Cruze einen günstigen Kompaktwagen auf dem Preis-Niveau der Konkurrenz.

  • Sound?

    Was von einem Diesel erwartet werden kann. Der Selbstzünder nagelt am Anfang deutlich hörbar, wenn er warm ist dezent vor sich hin. Auf der Autobahn werden die Windgeräusche etwas laut.

  • Wie grün ist das Auto?

    Den Normverbrauch von 4,5 Litern oder umgerechnet 117 Gramm CO2 können Sie vergessen. Sechs Liter werden es mindestens. Das sind keine Bestwerte in der Klasse, andere können das besser.

  • Vorbildlich?

    Wie man durch das gezielte Weglassen von Luxus- und Komfortfeatures einfach und schnell ein günstiges, aber dennoch gutes Auto bauen kann.

  • Was sagt der Nachbar?

    Hat nur am fremden Kennzeichen erkannt, dass es wohl mein Testwagen sein muss. Sonst hätte er ihn wohl keines Blickes gewürdigt. Er fällt eben kaum auf, hebt sich beim Design nicht von der Masse ab.

  • Wer guckt?

    Wenn nicht einmal der Nachbar, dann sind es auch auf der Straße sehr wenige. Er fasziniert eben nicht, er funktioniert.

  • Wie fährt er sich?

    Hier wird die Verwandtschaft zum Astra deutlich. Über Design kann man streiten, der Innenraum ist sehr schlicht. Aber er fährt eben fast wie ein Astra. Die kleinen Unterschiede würden nur im direkten Vergleich deutlich.

  • Wo gehört er hin?

    Als klassisches Kompaktauto kann der Cruze überall seine Stärken ausspielen. Mit dem relativ komfortablen Fahrwerk eignet er sich auch für die Langstrecke.

In der Praxis dürfte dieser Preisunterschied aber etwas größer werden, denn zum einen ist die LT+-Ausstattung des Chevrolets üppig, zum anderen lässt sich der Rüsselsheimer mit einigen Extras wie einem verstellbaren Fahrwerk oder einer Verkehrszeichenerkennung aufwerten, die der Cruze nicht zu bieten hat.

Einmal im Cruze Platz genommen, werden schnell die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede zum Astra klar. Egal ob Lenkrad, Blinkerhebel oder der Schalter für die Scheinwerfer, das ist alles aus anderen GM-Modellen, auch aus dem Hause Opel, bekannt. Doch anstatt in einem nüchternen Weiß leuchten die Instrumente türkis, an vielen Stellen wirkt der Kunststoff sehr schlicht.

Viele Teile aus dem GM-Regal, ein bisschen mehr Hartplastik: Schlicht, aber alles erfüllt seinen Zweck. Quelle: Sebastian Schaal
Viele Teile aus dem GM-Regal, ein bisschen mehr Hartplastik: Schlicht, aber alles erfüllt seinen Zweck. Quelle: Sebastian Schaal
  • 08.11.2012, 11:53 UhrAPO-Man

    Wohin die Reise für die Marke OPEL geht, ist bereits an den meisten Opel-Autohäusern abzulesen. Hier prangen in der Regel schon beide Markenembleme an der Aussenfassade: Opel und Chevrolet. Dann wird irgendwann einfach nur das Opelzeichen abmontiert und das war's.
    Vielleicht bleibt Opel ja noch als Nobelmarke bei GM erhalten. Aber ist wohl eher unwahrscheinlich.
    Die Amerikaner haben einfach keinen Bezug zur Marke OPE und denken, das wir Deutschen/Europäer doch eigentlich auch Chevrolet vollsuper finden müssten. Aber zu der Marke haben eben wir keinen Bezug und deshalb werden wohl viele der jetzigen Opelkäufer eher einen (in Rüsselsheim entwickelten) Hyundai oder Kia kaufen. Nicht zuletzt wegen der Optik und 5 bzw. 7 Jahren Ganrantie.

  • 08.11.2012, 12:37 UhrRSTS

    Sehe ich genauso! War sehr überrascht als ich letztens im TV einen Werbespot von Chevrolet gesehen habe. GM wird Chevrolet in den nächsten Jahren wohl auf breiter Linie nach Europa bringen.
    Was mit Opel passiert wird spannend, zuerst wird GM wohl die Ergebnisse aus der Allianz mit PSA abwarten, aber früher oder später (wenn die Marke Chevrolet in Europa wahrscheinlich gut eingeführt ist), wird GM Opel wohl an PSA abstoßen.
    Das Problem ist nur das für Opel die Franzosen(vorallem das sie jetzt unter Staatseinfluss stehen) noch schlimmer sind als die Amerikaner. Die werden zuerst darauf schauen das Ihre Werke ausgelastet sind, und auch die Entwicklung in Rüsselsheim wird wohl einige Einschnitte hinnehmen müssen (wie ja jetzt schon geschehen)!

  • 08.11.2012, 14:54 UhrEinwecksglas

    Am Ende ist es immer eine Sache des Verbrauchers. Niemand wird gezwungen einen Chevrolet oder Peugeot, Citroen oder Renault zu kaufen. Sicherlich faehrt es sich zudem auch besser, zu wissen, dass man einen deutschen Arbeitsplatz gesichert hat. Es sei denn, man will/ kann immer nur billig oder hat das Herz am falschen Fleck!

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