Test + Technik
Chrysler 300c: Oberklasse zum Mittelklassepreis

Der amerikanische Autokonzern Chrysler gibt weiter Gas auf dem deutschen Markt. Nachdem bereits der Crossfire mit seinem Design begeistert hat, tritt nun eine große amerikanische Limousine an.

dpa HAAR. Angeboten wird der 300c als Limousine und als Kombi, mit einem 2,7- Liter-Sechszylinder, einem 3,5-Liter-V6 und einem 5,7-Liter-V8.

Der über fünf Meter lange 300c hat die Dimensionen einer Oberklasselimousine - also etwa die einer Mercedes S-Klasse. Der große Grill lässt manche an Bentley oder Rolls-Royce denken, andere an Offroader. Dem Profil verleiht der kantige Umriss der Seitenfenster etwas Besonderes. Verglichen damit, fällt das Heck eher durchschnittlich aus.

Das Innere ist schön sportlich gehalten: Schwarz mit Metalldetails dominiert. Holz gibt es nur gegen Aufpreis, kommt dann allerdings sehr gut zur Geltung, vor allem, wenn bei Nacht ein Lichtstrahl auf das rotbraun glänzende Holz fällt. Überhaupt, die Lichtregie: Sie gehört beim 300c zum dramaturgischen Konzept. Beim Entriegeln der Fahrzeugtüren mit der Fernbedienung treten die Scheinwerfer in Aktion. Genauso beim Schließen des Autos: Die Scheinwerfer leuchten noch eine Zeit lang. Das erregt nicht nur Aufmerksamkeit, es ist auch praktisch, etwa um den Weg aus der Garage zu finden. Die schönen Instrumente leuchten bei Nacht mintgrün und sind klassisch gestaltet. Für viel Sorgfalt der Designer sprechen auch die optional verfügbaren, elektrisch verstellbaren Pedale - eine absolute Seltenheit auf dem Automarkt. So hält das Interieur, was man sich von einer Oberklasselimousine verspricht.

Mit den 1,8 Tonnen Leergewicht des 300c hat der 249 PS starke 3,5- Liter-V6 nicht viel Mühe. Der Motor verhilft dem Auto zu sportlichen Fahrleistungen: Nur 9,2 Sekunden vergehen beim Spurt aus dem Stand auf Tempo 100. Wenn man an der Ampel aufs Gaspedal tritt, bleiben die anderen Verkehrsteilnehmer schnell zurück. Ansonsten fühlt man sich in diesem Schiff immer langsamer, als das Auto in Wirklichkeit fährt. So muss es sein, in einer luxuriösen Limousine, die für das ungestörte Reisen gemacht ist.

Der Motor bleibt akustisch im Hintergrund. Er klingt angenehm weich und turbinenartig, solange man sich beim Gasgeben zurückhält. Doch beim Zwischenspurt knurrt der Motor manchmal. Ebenfalls weniger zu begrüßen ist der Verbrauch: Chrysler gibt 11,1 Liter auf 100 Kilometer an. Wir brauchten auf unseren Testfahrten 14,0 Liter pro 100 Kilometer. Mit seinem 68-Liter-Tank kommt der 300c so nicht einmal 500 Kilometer weit - nicht sehr praktisch für ein Auto, das vor allem auf langen Autobahnfahrten seine Trümpfe ausspielen sollte. So mancher würde sich da einen Diesel wünschen.

Zum Benzindurst trägt wohl die Viergang-Automatik bei, die Chrysler mit dem 3,5-Liter kombiniert. Zum Vergleich: Konzernpartner Mercedes setzt im E 350 eine Siebengang-Automatik ein. Bei schneller Autobahnfahrt vermisst man den fünften Gang, der die Motorgeräusche dämpfen könnte. Durch die weite Spreizung der Gänge klingt das Auto zudem oft angestrengt.

Der Hinterradantrieb bringt die Kraft gut auf die Straße. Wenn einmal die Räder durchdrehen, dämpft die Elektronik schnell den Übereifer. Ein ESP mit Antischlupfregelung ist Serie - zum ersten Mal bei einem in den USA gebauten Modell von Chrysler. Das Fahrwerk ist in Kurven eher straff. Ansonsten fällt die harte Federung auf.

38 600 Euro zahlt man für den 300c 3.5 - und bekommt eine Limousine mit Abmessungen wie in der Oberklasse, schönem Design und sportlichen Fahrleistungen. Auch die Ausstattung ist reichhaltig. So finden sich nicht nur eine Klimaautomatik und 18-Zoll-Aluräder, sondern auch eine gute Audioanlage. Nur Seitenairbags hinten und Vorhangairbags fehlen. Aber was bekommt man für 38 600 Euro bei Mercedes? Nicht die gleich große S-Klasse, das ist klar, aber auch die E-Klasse ist mit vergleichbarem Motor deutlich teurer. Es kommt gerade noch eine C- Klasse in Frage. Und auch dann ist die Ausstattung noch deutlich magerer.

Fazit: Oberklasse zum Mittelklassepreis

Der 300c ist eine große Limousine mit einer kleinen Prise Sportlichkeit. Für Sportsgeist stehen die kühle Atmosphäre im Innenraum, das harte Fahrwerk mit abschaltbarem ESP und natürlich die ambitionierten Fahrleistungen. Ein Manko ist allerdings die antiquierte Viergang-Automatik. Ansonsten hat der 300c viele Ingredienzien für einen Markterfolg. Eine gute Ausstattung und ein wahrhaft gelungenes Design zum Beispiel. Doch das Beste ist der Preis: Geradezu unglaubliche 38 600 Euro machen aus dem 300c eine Oberklasselimousine zum Mittelklassepreis.

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