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Citroën Berlingo als Gebrauchter: Viel Platz und viele Mängel

Er war einer der Pioniere unter den Hochdachkombis: der Berlingo. Wer ihn als Gebrauchten in Erwägung zieht, sollte wissen: Experten bescheinigen dem Citroën insbesondere bei älteren Baujahren eine hohe Mängelquote.

Wegbereiter: Der Berlingo zählt zu den ersten Hochdachkombis. Quelle: Citroën
Wegbereiter: Der Berlingo zählt zu den ersten Hochdachkombis. Quelle: Citroën

BerlinAuf dem deutschen Automarkt gibt es eine recht große Auswahl an Hochdachkombis. Platzhirsch ist der VW Caddy. Daneben bieten zum Beispiel Opel, Renault, Mercedes und Fiat vergleichbare Modelle mit der geräumigen Karosserieform an.

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Einer der ersten Hochdachkombis war der Citroën Berlingo. Als Gebrauchter ist der Franzose aber nur bedingt zu empfehlen: Der TÜV rät wegen der hohen Mängelquote vor allem von Exemplaren ab einem Alter von sieben Jahren ab. «Gebrauchte Berlingos sollte man genau prüfen», rät die Prüforganisation im «TÜV Report 2012».

Bereits bei der zweiten Hauptuntersuchung falle jeder siebte Berlingo wegen erheblicher Mängel durch. Häufig stellen die Prüfer Ölverlust, durchgerostete Auspuffanlagen und schnell verschlissene Bremsscheiben fest.

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Pannenhelfer des ADAC dokumentierten vor allem defekte Kraftstoffpumpen bei Exemplaren bis zum Baujahr 2002 und gebrochene Federn bei Fahrzeugen von 1999 bis 2003. Jüngere Exemplare machen dem Automobilclub zufolge deutlich weniger Probleme.

Bei seiner Markteinführung 1996 war der Citroën Berlingo ein Wegbereiter für die Fahrzeugklasse der Hochdachkombis. Modellpflegen gab es 2002 und 2005 für die erste Generation. 2008 kam die Neuauflage auf den Markt. Anfang des Jahres 2009 stellte Citroën eine Version mit sieben Sitzen vor. Der Berlingo ist übrigens baugleich mit dem Peugeot Partner.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

  • Fahrzeugbesichtigung

    Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

  • Papiere prüfen

    Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

  • Blick unter die Haube

    Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

  • Rostsuche

    Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

  • Lack-Check

    Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

  • Systemtest

    Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

  • Probefahrt

    Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

  • Tachostand

    Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

  • Sachverständiger

    Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

  • Seriösen Anbieter erkennen

    Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Bei der Motorisierung des Berlingo schlug Citroën schon früh eine alternative Richtung ein: 1998 stellte das Unternehmen eine Elektroversion vor, die Neuauflage des Berlingo Electrique feierte jüngst als E-Transporter für Gewerbetreibende Premiere auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover.

Ansonsten reicht das Motorenangebot von Benzinern über Diesel bis zu einem auf Erdgas (CNG) und Benzin ausgelegten bivalenten Antrieb, der 55 kW/75 PS leistet. Die reinen Benziner kommen je nach Baujahr und Generation auf 55 kW/75 PS bis 88 kW/110 PS. Die Selbstzünder entwickeln zwischen 51 kW/70 PS und 84 kW/114 PS.

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Wer auf dem Gebrauchtwagenmarkt Ausschau hält, sollte im Falle eines Berlingo HDi First mit 55 kW/75 PS von 2010 ab etwa 7.450 Euro fündig werden. Diesen Richtpreis und eine durchschnittliche Laufleistung von 55.550 Kilometern nennt die Schwacke-Liste.

Mit 8.250 Euro muss für einen Berlingo Multispace 1.4i Plus Bivalent von 2008 etwas mehr bezahlt werden (Laufleistung: 62.200 Kilometer). Ein recht junger Benziner, etwa der 88 kW/120 PS starke Berlingo VTi 120 Siver Selection von 2011, ist mit 12.550 Euro gelistet (24.400 Kilometer).

 

Quelle: dpa
  • 25.11.2012, 18:17 UhrAristoteles

    Habe mir vor zehn Jahren einen gebrauchten Berlingo als 2.Wagen gekauft (das Vorgänger-Modell von dem hier abgebildeten). Steht Sommer wie Winter draußen. Springt bei jedem (Sau-)Wetter an. Nie Probleme. Ok, Bremsen (scheiben hinten) und Auspuff mussten einmal erneuert werden. Aber Öl scheint der nicht zu verbrauchen. So was von treuem Fahrzeug hatte ich noch nie.

  • 25.11.2012, 18:35 Uhrjost

    Kann ich bestätigen.
    Wobei meiner Meinung nach Bremsscheiben eher ein Mangel an Wartung sind, als ein tatsächler Herstellermangel.
    Was mir nur in Deutschland auffällt, dass durch die deutschen Medien eine Qualität von deutschen Autos vorgespiegelt wird, die sie schon lange nicht mehr haben.

  • 25.11.2012, 19:54 UhrSchuischel

    Hm? Ist doch auch klar. Wenn dir dein deutsches Auto per Bordcomputer gerade zu auf penetrante Weise auf eine Inspektion hinweist, wirst du diese eben machen. Das kostet dann mal wieder 500 Euro, wenns günstig kommt. Denn grundsätzlich werden allerlei Teile ausgewechselt - egal ob nötig oder nicht. Das wird dann alles der TÜV nicht mitbekommen. Bezahlt hast du die Teile trotzdem. Ich gehe z.B. auch mit meinem Gebrauchten zum Tüv und lasse mir die zu behebenden Mängel bescheinigen. Schließlich kann man ihn innerhalb einer Frist wieder vorführen. So weiß mein Autohaus und ich ganz genau, was gemacht werden muss. Ich brauche auch keine Angst haben vom Autohändler übern Tisch gezogen zu werden. Und dann? Genau dann kommt mein Auto in die im Artikel genannte Statistik. War das nun ein Problem für mich? Nein. Genauso die ADAC-Pannenstatistik. Wer hat denn noch eine Mitgliedschaft beim ADAC? Die meisten Neuwägen haben doch eigene Pannendienste, meist ein Assistance-Dienstleister. Oft auch die Versicherer, deren Schutzbriefe weit günstiger sind. Um also aussagekräftige Statistiken zu bekommen müsste man erst mal den Bestand des ADAC durchforsten. Alles andere wäre Blödsinn.

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