Test + Technik

_

Dacia Dokker: Ein echter Tiefpreis-Malocher

Die Fahrzeuggattung der "Hundefänger-Autos" wie Caddy, Berlingo und Combo muss sich warm anziehen. Dacia bringt den Dokker. Der ist nicht einfach nur billig, sondern auch richtig gut.

von Michael Specht Quelle: MID
Der Dokker greift im Segment der Hochdachkombis an. Im Bild die Ausstattungsstufe "Lauréate". Quelle: PR
Der Dokker greift im Segment der Hochdachkombis an. Im Bild die Ausstattungsstufe "Lauréate". Quelle: PR

Wien/ÖsterreichSie heißen VW Caddy, Peugeot Partner, Citroen Berlingo, Renault Kangoo, Opel Combo oder Fiat Doblo und stehen recht sachlich für Platz, Variabilität und Wirtschaftlichkeit. Seit vielen Jahren haben Hochdachkombis einen festen Kundenstamm. Gewerbe und Handwerk nutzen die vielseitigen Kastenwagen genauso gerne wie junge Familien, für die geringe Unterhaltskosten, Zuverlässigkeit und eine gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im Focus stehen, weniger Design oder Marken-Image. In diesem Segment darf natürlich einer nicht fehlen: Dacia. Seit nunmehr sieben Jahren stiftet die rumänische Renault-Tochter mit ihren guten wie günstigen Modellen Unruhe in der Szene, denn deren Preise liegen fast schon unverschämt tief unter den klassenüblichen.

Anzeige

Auto-Test

Nach Limousine und Kombi Logan, Kleinwagen Sandero, SUV Duster und Familienvan Lodgy kommt im November nun der Hochdachkombi Dokker. Die Basisversion soll schlanke 8 990 Euro kosten. Zum Vergleich: Ein Renault Kangoo – schon er gilt als Schnäppchen im Segment – beginnt bei 15 190 Euro. Solch ein Preis tut der Konkurrenz selbst im Gebrauchtwagenhandel noch weh.

Wie macht Dacia das? Die Rumänen bedienen sich bei der Technik so weit als möglich aus dem noch aktuellen Renault-Regal. Das spart enorme Entwicklungskosten. Zudem teilt sich der Dokker die Plattform mit dem Lodgy. Beide Modelle lassen sich daher günstiger produzieren. Bauen lässt Dacia die Fahrzeuge nach internationalen Qualitätsstandards im Renault-Nissan-Werk in marokkanischen Tanger. Dort verdient ein Arbeiter durchschnittlich rund 350 Euro im Monat.

Solide und robust, aber keineswegs billig präsentiert sich der Innenraum. Quelle: PR
Solide und robust, aber keineswegs billig präsentiert sich der Innenraum. Quelle: PR

Der Name Dokker ist von dem englischen Begriff "Dockworker" abgeleitet. Ein Malocher, der früher die schweren Lasten auf den Docks der Handelshäfen bewegt hat. Dacia will damit Robustheit und große Ladekapazität suggerieren. Zumindest in letzterer Disziplin verweist der 4,36 lange und mit 1,81 Metern recht hohe Dokker alle seine Mitstreiter auf die Plätze. 800 Liter gibt Dacia für das Laderaumvolumen an. Die Ladetiefe von 1,16 Metern soll ein Rekordmass im Segment sein. Sogar eine Euro-Palette passt in den Dokker. Durchs Umlegen der Rücksitzbank steigt das Volumen auf umzugsfähige 3 300 Liter an. Statt für eine riesig-schwere Heckklappe entschied man sich für asymmetrische Hecktüren.

Marktübersicht Pick-ups in Deutschland Die Exoten unter den Lastentieren

  • Marktübersicht Pick-ups in Deutschland: Die Exoten unter den Lastentieren
  • Marktübersicht Pick-ups in Deutschland: Die Exoten unter den Lastentieren
  • Marktübersicht Pick-ups in Deutschland: Die Exoten unter den Lastentieren
  • Marktübersicht Pick-ups in Deutschland: Die Exoten unter den Lastentieren

In der Basisversion hat der Dokker rechts dann noch eine seitliche Schiebetür; die Rücksitzbanklehne klappt als Ganzes um. Wer also etwas mehr Variabilität benötigt, sollte gleich zu den höherwertigen Ausstattungen "Ambiance" und "Lauréate" greifen, deren Preis Dacia derzeit noch nicht nennt. Hier fallen die Lehnen getrennt, und die Bank kann zusätzlich senkrecht gegen die Vordersitze geklappt werden.

Die Ausstattungsvielfalt ist beim Basis-Dokker entsprechend seinem Einsatzfeld begrenzt. Extras wie beispielsweise Einparkhilfe, Multimedia-System, Klimaanlage oder ein höhenverstellbares Lenkrad sind ebenso wenig erhältlich wie Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber. Eine größere Auswahl gibt es in den besseren Versionen. Doch lässt Dacia keinen Dokker-Fahrer ohne den serienmäßigen Schleuderschutz ESP auf die Straße.

Die Hecktüren öffnen ein Gepäckabteil, dessen Volumen sich von 800 auf 3.300 Liter ausbauen lässt. Quelle: PR
Die Hecktüren öffnen ein Gepäckabteil, dessen Volumen sich von 800 auf 3.300 Liter ausbauen lässt. Quelle: PR

Überrascht hat uns, wie wohnlich der Hersteller den Dokker eingerichtet hat. Das Cockpit ist übersichtlich und funktionell, alle Hebel und Schalter lassen sich einfach bedienen. Die ausgewählten Kunststoffe hinterlassen nicht den Eindruck von Billigplastik. In der Lauréate-Ausstattung zieren die Instrumente sogar Chromringe. Dass bei dem niedrigen Preis den Boden kein edler Velours auskleiden kann, dürfte jedem Dokker-Kunden klar sein. Genauso, dass im Laderaum eine pflegeleichte Gummimatte reichen muss.

Wenn Hersteller und Verkäufer zu viel versprechen

  • Korrekte Angaben

    Die Regel gilt zwar für alle Preisklassen. Aber die Fehler werden in der oberen Klasse schnell teurer. Darum sollte vor allem darauf geachtet werden, dass im Kaufvertrag das Herstellungsdatum korrekt angegeben ist und dass tatsächlich die Lieferung eines "Inland-Fahrzeugs" vereinbart wird und - falls nicht ausdrücklich gewünscht - die Lieferung eines Re-Imports ausgeschlossen ist.

  • Schriftliche Vereinbarungen

    Gerade bei Edelautos gibt es viele Sonderwünsche. Umso wichtiger ist es, dass alle Vereinbarungen, wie beispielsweise die Lieferung eines speziellen Zubehörs, schriftlich niedergelegt werden.

  • Die richtige Unterschrift

    Auch hier ist schon viel schief gelaufen. Deswegen raten Juristen dazu, unbedingt darauf zu achten, dass der Vertrag von einer vertretungsberechtigten Person auf Verkäuferseite unterschrieben wird.

  • Die richtige Reihenfolge

    Ganz wichtig: Damit Autokäufer nicht ausgenommen werden, sollten sie den Kaufpreis nur Zug um Zug gegen Übergabe des Fahrzeugs mit allen Papieren zahlen. Wer sich hier großzügig zeigt und zu schnell zahlt, kann nachher eine böse Überraschung erleben.

  • Alle guten Dinge sind zwei

    Ist der teure neue Wagen mangelhaft, hat der Verkäufer laut Experten nur zwei Reparaturversuche. Oft wird von Autohäusern und Herstellern behauptet, es gäbe noch einen dritten Versuch. Falsch. Nach schon nach zwei fruchtlosen Nachbesserungsversuchen kann der Käufer vom Kaufvertrag zurücktreten. Gerade bei hohen Kaufpreisen wird hier dann gern gestritten.

  • Eine Sache für den Anwalt

    Nach dem zweiten Reparaturversuch kann die Einschaltung eines Anwalts unter Umständen weiterhelfen. Denn geht es um eine Rücktrittserklärung, sind verschiedene rechtliche Besonderheiten zu beachten.

Zur Markteinführung bietet Dacia den Dokker mit drei Motorisierungen an. Der Benziner hat 1,6 Liter Hubraum und leistet 61 kW/83 PS. Anfang 2013 soll ein 1,2-Liter-Turbo mit 115 PS folgen. Zu ersten Testfahrten standen die beiden bekannten Konzern-Diesel mit 1,5 Liter Hubraum zur Verfügung. Sie leisten 55 kW/75 oder 66 kW/90 PS. Wer allerdings jetzt hinter dem Dokker einen laut nagelnden Lieferwagen mit großem Resonanzraum vermutet, wird eines Besseren belehrt. Die Diesel arbeiten leise, sind aufwändig gedämmt, durchzugsstark und harmonieren bestens mit dem Auto. Wie gut der Renault-Selbstzünder in seinen Grundwerten ist, hat auch Mercedes erkannt. Die Stuttgarter bauen den Motor in ihre neue A-Klasse ein.

Den Zugang zum Fond des Dacia Dokker eröffnen seitliche Schiebetüren. Groß genug für Zylinderträger. Quelle: PR
Den Zugang zum Fond des Dacia Dokker eröffnen seitliche Schiebetüren. Groß genug für Zylinderträger. Quelle: PR

Bewertung:

Plus: konkurrenzlos günstiger Preis, üppiges Platzangebot, guter Fahrkomfort

Minus: Sinnvolle Extras nur den höherwertigen Ausstattungen vorbehalten

Technische Daten:

Hochdachkombi der Kompaktklasse
Fünfsitzer
Länge: 4,36 m
Breite; 1,75 m
Höhe: 1,81 m
Radstand: 2,81 m
Gewicht: 1.280 kg
Kofferraumvolumen 800 bis 3.300 Liter

Motor:
Vierzylinder-Reihen-Dieselmotor mit Turbo und 66 kW / 90 PS
max. Drehmoment 200 Nm bei 1.750 U/min
Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 13,6 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 162 km/h
Verbrauch: 4,5 l/100 km
CO2-Emission: 118 g/km
Preis: ab 13.000 Euro (geschätzt)

Quelle: MID
  • 06.07.2012, 13:16 Uhrhagadi

    Super Auto! Sobald er auch mit Heckklappe, statt Hecktüren geliefert wird, steht er auf der Einkaufsliste. Benötigt wird nur noch Klima + elektr. Fensterheber (erhältlich durch kleinen Preisaufschlag), weitere Luxusausstattung braucht ein Auto nicht. PS-Boliden sind nicht gefragt, Hauptsache Platz im Auto. Innerstädtisch eh fast überall nur noch 30 KM/H und Autobahnen voller Baustellen mit erlaubten 100 KM/H, da reichen 160 km/h Spitzengeschwindigkeit völlig aus. Außerdem bietet er im Innenraum mehr Platz als BMW und Mercedes - in denen sitzt man drin wie ne Ölsardine. Lieber 3 DACIA Dokker als 1 BMW oder Mercedes.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Lust am Laster: Ford F - Amerikas Auto Nummer 1

Ford F - Amerikas Auto Nummer 1

Wenn VW einen neuen Golf vorstellt, fiebern Öffentlichkeit und Medien. In Amerika ticken die Uhren anders. Dort hyperventiliert die Autonation, wenn Ford ein neues F-Modell ankündigt.

Bugatti Veyron in See gecrasht: Versicherungsbetrug per Youtube-Video aufgeklärt

Versicherungsbetrug per Youtube-Video aufgeklärt

Ein Gebrauchtwagenhändler aus Texas schrottete seinen Bugatti Veyron 2009 spektakulär in einem See. Das entsprechende Video kennen zig-tausende Youtube-Fans. Es wurde dem Betrüger zum Verhängnis, er muss ins Gefängnis.

Mehr Platz im Fünftürer: Mini entdeckt die Hinterbänkler

Mini entdeckt die Hinterbänkler

Den neuen Mini gibt es nun für 900 Euro mehr auch als Fünftürer. Er verspricht einfacheren Zugang auf die Rücksitze, und ist dank 16 Zentimetern mehr Länge auch geräumiger als der Dreitürer. Die ersten Fahreindrücke.