„Das ist ein Selbstläufer“
1978 rollte der letzte deutsche Käfer vom Band

Der VW-Käfer ist längst ein Kult-Auto. Auch wenn er nicht mehr wie einst das Straßenbild beherrscht, hat er noch viele Fans. Vor 30 Jahren, am 19. Januar 1978, lief im VW-Werk Emden der letzte in Deutschland gebaute Käfer vom Band.

dpa EMDEN/WOLFSBURG. Der VW-Käfer ist längst ein Kult-Auto. Auch wenn er nicht mehr wie einst das Straßenbild beherrscht, hat er noch viele Fans. Vor 30 Jahren, am 19. Januar 1978, lief im VW-Werk Emden der letzte in Deutschland gebaute Käfer vom Band.

Liebhaber konnten danach bis Mitte 2003 noch einen im VW-Werk in Mexiko gefertigten bekommen - seitdem ist auch dort Schluss. Insgesamt wurden 21,5 Mill. Stück gebaut. Doch der Käfer „läuft und läuft und läuft“, wie jahrzehntelang der Volksmund geradezu liebevoll über das zuverlässige Auto sagte. Mehr als 66 000 Käfer waren nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes Mitte 2007 noch zugelassen.

Zahlreiche Käfer-Clubs in Deutschland pflegen den Ruhm des legendären Autos, das der Autokonstrukteur Ferdinand Porsche 1935 mit Weggefährten als deutschen Volkswagen schuf. Die Nationalsozialisten wollten damals ein bezahlbares Auto für das „ganze deutsche Volk“. Der Kriegsbeginn durchkreuzte derartige Produktionspläne.

Der älteste Fanclub ist nach eigenen Angaben die 1975 gegründete Brezelfenstervereinigung mit weltweit mehr als 800 Mitgliedern. Ihr Vorsitzender Hartmut Schroer aus Niedersayn in Rheinland-Pfalz ist stolzer Besitzer mehrerer Oldies. Sein ältester ist Baujahr 1949 und damit zehn Jahre älter als er selbst. „Er ist grün, hat keine Zierleisten und 60 000 Kilometer gelaufen“, sagt der Förster. Auch ein Sportmodell von 1957 in schwarz gehört zum Fuhrpark. „Der ist wie neu. Er gehörte einem Kohlenhändler, der keinen Führerschein hatte.“ Sein „schnellster“ ist ein roter Käfer 1 303 von 1973. „Der hat eine zwei Liter Porsche-Maschine drin, fährt 135, verbraucht aber sehr viel Sprit.“

Zu den zwei Jahrestreffen der „Brezelfenster“ darf Schroer mit dem „jungen Flitzer“ nicht fahren. „Teilnehmen dürfen nur Käfer mit einem Baujahr vor dem 1. August 1957.“ Von da an sei das Heckfenster von oval auf rechteckig umgestellt worden, erklärt er. Schroer bewegt seine Käfer ohnehin nur in der Freizeit. „Im normalen Leben fahre ich neue Autos. Als Förster sehe ich das Waldsterben, da sollte man sich umweltgerecht verhalten.“ Die Oldtimer seien eine Liebhaberei. „Es muss im Verhältnis stehen, inwieweit ich die Umwelt belasten darf.“

Im Internet sind zahlreiche Fanclubs mit eigenen Seiten zu finden. Unter anderem gibt es Reiseberichte, Fotos, Angebote von Ersatzteilen und Käfern sowie Hinweise auf Käfer-Events. Das 4. VW- Hunderttausender-Treffen 2008 ist vom 23. bis 25. Mai in Hückeswagen etwa 50 Kilometer östlich von Köln. Beim letzten Treffen 2002 waren 250 VW-Oldtimer dabei. Bereits am 1. Mai ist in Hannover das 25. Maikäfertreffen.

Als „Herbie“ war der Käfer Hauptdarsteller einer Kinofilmreihe der Walt Disney Studios und gelangte weltweit zu Ruhm. Der erste Film „Ein toller Käfer“ unter der Regie von Robert Stevenson von 1969 begeisterte ein Millionen-Publikum. Der jüngste Streifen „Ein toller Käfer startet durch“ kam 2005 in die Kinos. Einen anderen Rekord musste der Käfer allerdings bereits abgeben: den Produktionsrekord, den das Auto seit dem 17. Februar 1972 innehatte. „Im Mai 2007 lief der 25-millionste Golf vom Band“, sagt VW-Sprecher Andreas Meurer. „Der hat ihn also schon längst überholt.“

Im VW-Werk Emden - zweitgrößter Autoproduktionsstandort von VW in Deutschland - ist der Käfer schon lange Geschichte. 1964 wurde das Werk eröffnet. Noch im selben Jahr lief dort der erste Käfer vom Band. Insgesamt waren es am Ende 2,36 Millionen. Der letzte dort gefertigte Käfer steht im Wolfsburger Auto-Museum. Mit rund 9 600 Beschäftigten werden in Emden die Passat Limousine sowie der Passat Variant gefertigt. Eine neue Epoche startet im Werk noch in diesem Jahr. „Im Mai beginnt die Produktion des neuen Passat Coupé“, sagt Meurer. Derzeit liefen dort die Vorbereitungen.

Mit dem New Beetle gibt es seit 1998 einen Nachfolger-Käfer. Das Auto wird als Limousine und Cabrio nur im mexikanischen VW-Werk in Puebla gebaut. 2007 liefen dort 66 000 Stück vom Band. Bislang seien seit Produktionsbeginn insgesamt rund eine Million Beetle verkauft worden, davon rund 284 000 in Europa, sagte eine VW-Sprecherin.

Der alte Käfer wird nach Ansicht Schroers weiter seine Fans haben. „Das ist ein Selbstläufer.“ Es gebe viele begeisterte Käferfahrer. Auch unter den Jüngeren, die erst geboren wurden, als das Auto in Deutschland schon nicht mehr produziert wurde. „Er läuft und läuft und läuft - das kann man auch auf die Clubszene übertragen.“

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