Der E3 war noch kein 7er
Als BMW in die Oberklasse einstieg

Heute teilen sie wie selbstverständlich den oberen Rang der Autohierarchie: Die S-Klasse von Mercedes und der 7er von BMW. Fast vergessen ist, dass die Münchener Autobauer lange um den Erfolg ihrer Topmodelle kämpfen mussten.

dpa/gms MüNCHEN. Den Start auf dem Weg in die Oberklasse markierte ein namenloses Auto. Der intern E3 genannte Typ war noch kein 7er und wurde ausschließlich nach den Hubräumen der Motoren benannt: vom 2 500 bis hin zum 3,3 Li.

Mit den E3-Modellen führte BMW den Reihen-Sechszylinder-Motor ein. Er sollte die Bayerischen Motorenwerke Mitte der sechziger Jahre in der Oberklasse etablieren. Zu diesem Zeitpunkt zog BMW vor allem mit sportlich-kompakten Limousinen Kunden an. Nach dem „Barockengel“ der fünfziger Jahre gab es aber kein echtes Topmodell mehr. So begannen laut der in Mainz erscheinenden Zeitschrift „Oldtimer Markt“ im Sommer 1965 die Arbeiten an einer neuen Modellreihe. Ende 1968 stellte BMW ein Auto vor, dessen Formen schlicht und elegant waren.

Während Konkurrent Mercedes zu dieser Zeit noch auf bauchig hervorgehobene Kotflügel setzte, zeichneten die BMW-Designer vor allem glatte Flächen. Hinzu kam eine Frontpartie, die in ähnlicher Ausführung noch lange Zeit Bestand haben sollte. Denn die charakteristischen Doppelscheinwerfer galten schnell als BMW-Merkmal. In Hinblick auf die Größe hatten die Münchener jedoch Zurückhaltung geübt. Von den Motoren her war der E3 zwar ein Oberklasse-Modell, seine Abmessungen orientierten sich aber an der mittleren Mercedes-Baureihe, dem so genannten Strich-Achter.

Der große BMW war also eher gemäßigter Sportwagen als noble Sänfte. Das lag am vergleichsweise straffen Fahrwerk, vor allem aber an den Motoren. Den Einstieg bildete ein Sechszylinder mit 2,5 Litern Hubraum und 150 PS im Modell 2 500. Der beschleunigte den Wagen auf damals bemerkenswerte 190 Stundenkilometer (km/h). Noch flotter ging es im 2 800 mit 170 PS voran. Hier war erst bei der magischen Grenze von 200 km/h Schluss. Im Jahr 1971 vergrößerte BMW den Hubraum auf drei Liter (180 PS) und taufte die Motorisierung 3,0 S.

Später verbauten die Ingenieure statt gewöhnlicher Vergaser eine Einspritzanlage, die das dann 3,0 Si genannte Modell 200 PS stark machte. So ausgestattet erreichte der Wagen die auch heute noch beachtliche Geschwindigkeit von 210 km/h. Mit dem Si kam auch die erste und einzige Modellpflege: Die anfangs länglichen Rückleuchten wurden kürzer und höher, der Kühlergrill mattschwarz.

Nach einigen Erfolgen unterzog BMW die sportlich-straffe Limousine Mitte der siebziger Jahre einer Art Mastkur. Heraus kamen die L-Ausführungen. Sie hoben sich durch ihre um zehn Zentimeter längere Karosserie und einen luxuriöseren Innenraum von den übrigen Mitgliedern der Modellfamilie ab. Das Raumangebot sollte wohlhabende Autokäufer locken. Zwar gab es den L auch mit 2,8 oder 3,0 Litern Hubraum - wer aber etwas auf sich hielt, orderte den üppigen 3,3 Li.

Die Leistung des Topmodells blieb nach der Hubraumerhöhung auf 3,3-Liter bei den 200 PS, die auch das 3,0-Liter-Aggregat erreichte. Stattdessen gab es mehr Drehmoment. Preislich bewegte sich der zu dieser Zeit nicht mehr ganz taufrische BMW auf dem Niveau der teuersten Mercedes S-Klasse - so fanden sich nur wenige Käufer.

Als der 3,3 Li erschien, hatte sich ein Seitenzweig der Modellfamilie schon wieder vom Markt verabschiedet. Denn 1968 brachte der bayerische Autobauer mit fast identischer Frontpartie und den neuen Sechszylindern das CSL-Coupé auf den Markt. Der Zweitürer mit gewichtsreduzierter Karosserie hatte eine Motorhaube und Türen aus Aluminium. Legendär ist das letzte CSL-Modell mit abschraubbarem Heckflügel, was ihm den Beinamen „Batmobil“ einbrachte.

Während die BMW-Coupés schon 1976 von der neuen 6er-Baureihe abgelöst wurden, blieben die Viertürer noch eine Weile im Programm. Als nach rund 190 000 gebauten Limousinen schließlich der erste 7er antrat, war es vorbei mit der Namenslosigkeit.

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