Test + Technik
Der neue Porsche Boxster: Besser denn je

Größer, stärker, und noch luxuriöser - der neue Boxster ist näher an seinen großen Bruder 911 herangerückt. Obwohl 80 Prozent aller Teile neu sind, ist den Designern die Gratwanderung gelungen, die bewährte Form beizubehalten und trotzdem sichtbare Veränderungen zu vollziehen.

dpa HAAR. Vor allem dem Gesicht sieht man die Kunst der Blech-Schönheitschirurgie an. Verschwunden sind, wie auch beim neuen 911, die Tränensäcke unter den Scheinwerfern. Nebel- und Positionslampen wanderten in die Stoßfänger, die größeren Lufteinlässe vermitteln mehr Respekt. Insgesamt sieht der neue Boxster dem Elfer ähnlicher.

In der Seitenansicht sind es vor allem größere Räder - der Boxster rollt serienmäßig auf 17-Zöllern, Bruder S auf 18 Zoll großen Rädern - und die größer gewordenen Lufteinlässe im hinteren Kotflügel, die ins Auge fallen. Kenner der Marke dürften noch bemerken, dass sich die Türen nun mit Bügelgriffen öffnen lassen. Im Heckbereich machen neue Leuchten und die höher gerückte Trennfuge zwischen Heckverkleidung und Karosserie den Unterschied zum Vorgänger aus. Wer wissen will, ob er das 240 PS starke Basismodell oder den „S“ mit 280 PS vor sich hat, sollte auf die Auspuff-Enden achten: Der schwächere der beiden bläst sein Abgas aus einer ovalen Blende, die S-Ausführung nutzt dafür ein Doppelrohr.

Das interessiert allerdings wenig, wenn man vom bequemen Gestühl im komplett überarbeiteten Innenraum aufgenommen wurde. Größere Fahrer profitieren von einer nach vorn verlagerten Pedalerie und tiefer gelegten Sitzen. Diese wurden komplett überarbeitet und werden in vier Varianten angeboten - von der sechsfach verstellbaren Serienausführung bis hin zu adaptiven Sportsitzen, die über eine verstärkte Seitenführung und eine pneumatische Lordosenstütze verfügen.

Der Dreh am Zündschlüssel, Porsche-typisch mit der linken Hand, weckt den Boxer im Boxster. 280 PS bei 6 200 Touren schickt der Sechszylinder im S-Modell nun in den Ring. Schon im Leerlauf spielt der Bass das Lied von Kraft und spielt es beim Hochdrehen noch bässer. Das satte Geräusch erzählt die Geschichte von einem der loszog, eine kurvenreiche Landstraße zu erobern und macht Lust auf ein offenes Vergnügen. Dafür muss der Boxster aber erst einmal ein richtiger Roadster werden: Ein Zug am Hebel in der Dachmitte, ein Knopfdruck und zwölf Sekunden später ist die Stoffmütze ordentlich im Kasten hinter den Sitzen verstaut. Das funktioniert bis zu einer Geschwindigkeit bis 50 km/h und ist somit auch im Stadtverkehr problemlos möglich.

Um eines vorwegzunehmen: Man kann mit einem Boxster S wunderbar cruisen, die Landschaft genießen und sich an einem entspannten Sonntag erfreuen. Doch wer die Kraft des Mittelmotors richtig nutzt, kommt voll auf seine Kosten. Bereits von unten heraus hängt die Maschine gierig am Gas und scheint endlos lang hochzudrehen. Der Druck im Rücken ist einfach herrlich, wenn die Pferde losgelassen werden. Es dauert nur 5,5 Sekunden, bis die Tachonadel die „100“ streift und nur 20,2 Sekunden, ehe die „200“ erreicht ist. Erst bei 268 km/h ist Schluss.

Knackig und auf kurzen Wegen flutschen die sechs Gänge auf Fingerdruck in die richtige Position. Die Getriebeabstimmung ist so perfekt, dass sich der Wagen auch schaltfaul fahren lässt - bei Stadtgeschwindigkeit kann man im sechsten Gang nicht nur gut im Verkehr mitschwimmen, sondern auch noch nennenswert beschleunigen.

Das Fahrwerk ist sportwagen-like straff, aber nicht unkomfortabel. Wer die Straßenoberfläche gern an hinteren Körperteilen spürt, sollte das erstmals für den Boxster S lieferbare aktive Fahrwerk „Porsche Active Suspension Management“ (Pasm) bestellen. Per Tastendruck lässt sich bei diesem System die Dämpferabstimmung spürbar härter gestalten. Bereits im Normal-Modus liegt der Boxster satt und sicher auf der Straße. Kurven durchzieht der Mittelmotor-Roadster mit einer Lässigkeit, die ein Kribbeln auf der Haut hervorruft. Es macht richtig Spaß, den Wagen über einer Serpentinen-Strecke zu wedeln und dabei zu genießen, wie sich der Unterbau am Asphalt regelrecht festzusaugen scheint. Das harte Eingreifen des „Porsche Stability Management“ (PSM) - des seriemäßigen Stabilitätsprogramms - zu provozieren, gelingt nur mit viel Mut.

Noch mehr Dynamik gibt es mit dem Sport-Chrono-Paket, das unser Testwagen an Bord hatte. Auf Knopfdruck spricht der Motor schneller auf Gaspedalbewegungen an. Gleichzeitig wird die Funktion so verändert, dass das PSM später eingreift. Beim Herausbeschleunigen aus der Kurve wird an den Hinterrädern mehr Schlupf zugelassen, sodass der eigentliche Spaß des Sportwagenfahrens nicht zu kurz kommt.

Der neue Boxster ist mit sechs Airbags ausgerüstet. Als Weltneuheit gilt dabei ein Kopf-Airbag in der Tür: Bei einem Seitenaufprall wird der acht Liter große Luftsack aktiviert und schützt den Kopf des Insassen. Weiteres Novum: Erstmals sind Keramik-Bremsscheiben orderbar, die den Wagen auf bemerkenswert kurzem Weg stoppen können.

Der Einstieg in den Boxster-Ring beginnt bei 43 068 Euro für das 240 PS starke Basismodell mit 2,7-Liter-Sechszylinder-Boxer. Der „S“ ist für 51 304 Euro zu haben. Das sind, ausstattungsbereinigt, neun, beziehungsweise sechs Prozent weniger als beim Vorgänger. Mit ein paar Optionen kann man den Preis aber sehr leicht in die Höhe treiben: Der von uns gefahrene „S“ hätte mit den im Bericht erwähnten Extras und noch einigen mehr rund 72 000 Euro gekostet. Zum Vergleich: Das 325 PS starke Elfer-Coupé gibt es ab einem Grundpreis von 75 200 Euro.

Fazit: Näher am Elfer

Die Kur im Fitnessstudio hat dem „kleinen“ Porsche richtig gut getan: Er ist nicht nur körperlich ansehnlicher geworden, er hat auch jede Menge Muskeln mehr bekommen. Hinzu kommen Technik-Highlights aus der Elfer-Reihe wie die Keramik-Bremsen oder das aktive Dämpfersystem, die jetzt auch im Boxster eingesetzt werden können. Dass beim Fahrverhalten der Kleine dem Großen mehr als nur das Wasser reichen kann, ist ein weiterer Pluspunkt für den neuen Boxster.

Das lässt den Abstand zwischen den beiden Reihen schrumpfen. Im Preis bleibt die Distanz nach wie vor gewahrt. Manch ein Käufer wird sich deswegen eher für den Boxster entscheiden. Denn: Für sein Geld bekommt er nicht nur jede Menge Elfer-Gene, sondern auch einen sehr luxuriösen Roadster - und vor allem einen richtigen Porsche.

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