Deutlich mehr Forschung für Elektroautos

Deutsche holen Patent-Rückstand auf

Die Elektroautobranche in Deutschland verzeichnet für 2011 ein kräftiges Plus. Die deutsche Autoindustrie sollte sich trotzdem vor der Konkurrenz aus Asien in Acht nehmen.
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Die Zahl der Schutzrechte für Elektroautos der deutschen Autobauer hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht. Quelle: dapd

Die Zahl der Schutzrechte für Elektroautos der deutschen Autobauer hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht.

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Während des jüngsten Aufschwungs haben die deutschen Fahrzeughersteller die Forschung an elektrischen Antrieben verstärkt. "Ein deutlich zunehmender Anteil der Patentanmeldungen wird im Bereich Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellentechnologie eingereicht", sagt Jens Christian Koch, Patentanwalt der Kanzlei Grünecker in München. Seine Recherchen ergaben, dass die fünf Hersteller Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen 2010 weltweit zusammen 129 neue Schutzrechte in unmittelbarem Zusammenhang mit Elektromotoren oder -fahrzeugen veröffentlicht haben. Im Vergleich zu 2006 entspricht das einem Zuwachs von rund 130 Prozent.

Für dieses Jahr erwartet Koch erneut ein deutliches Plus auf 172 veröffentlichte Schutzrechte. Damit machen die Patente auf alternative Antriebstechnik zwar noch immer einen Bruchteil der Gesamtanmeldungen aus - diese werden 2011 laut Prognose bei über 8.000 liegen. "Allerdings ist das Wachstum hier deutlich langsamer", sagt Koch. Insgesamt hat die deutsche Autobranche den Rückgang bei Innovationen in der Elektromobilität aus dem Krisenjahr 2009 aufgeholt. Damals sank die Zahl der entsprechenden Patentanmeldungen um 40 Prozent, während sich die Gesamtzahl der Einreichungen erhöhte.

Die Trendwende hält Koch für dringend nötig, um international nicht den Anschluss zu verpassen. "Gerade asiatische Unternehmen legen hier stark zu." Koch hat auch die breiter gefasste Kategorie "Elektroantriebe" der Statistik des Europäischen Patentamts untersucht. Zwar umfasst diese Rubrik auch Techniken, die in der Produktion von Industriebetrieben oder bei Haushaltsgeräten zum Einsatz kommen - an der Spitze liegen die Unternehmen Siemens, Philips und ABB.

Allerdings sind mit den japanischen Unternehmen Toyota (Platz 9) und Honda (Platz 20) zwei reine Autohersteller in der Rangliste vertreten. "Das spiegelt den großen Einsatz der beiden Anbieter für alternative Mobilität", sagt Koch. "Toyota hat die Hybridtechnik schon vor Jahren eingeführt, Honda ist damit in Amerika stark." Deutsche Autobauer dagegen tauchen unter den Top-25 nicht auf.

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Hoher Preis: Für einen Opel Ampera muss der Kunde mindestens 42.900 Euro an Opel überweisen, der Volt von GM ist 950 Euro günstiger. Ein auf konventionelle Spritspar-Technik setzender VW Golf BlueMotion kostet etwa die Hälfte: 21.850 Euro. Bei einem Preis von ungefähr 1,40 Euro pro Liter Diesel belaufen sich die Energiekosten des Golf Blue Motion auf 7,7 Cent pro Kilometer. Die Energiekosten des Ampera sind bei vergleichbaren Fahrleistungen nur 2,7 Cent pro Kilometer geringer, aber in der Anschaffung kostet er 21.050 Euro mehr. Michael Bargende, Leiter des FKFS Forschungsinstituts für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren in Stuttgart bestätigt: „Der Aufpreis für ein Elektroauto liegt bei mindestens 50 Prozent.“ Selbst nach Schätzungen der Industrie werden E-Autos künftig mindestens 4.000 bis 9.000 Euro teurer sein als herkömmliche Wagen.

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Fehlende Infrastruktur: Sie wohnen in einer niederrheinischen Kleinstadt zur Miete und ihr Auto steht auf einem angemieteten Tiefgaragenstellplatz? Dann werden Sie auf Jahre hinaus kein Kandidat für ein Elektrofahrzeug sein, denn zum Aufladen haben Sie weder eine Steckdose in der Garage, noch mögen Sie nachts zum Aufladen ein Verlängerungskabel aus Ihrer Wohnung im zweiten Stock zum Bürgersteig herunterlassen. Solange unklar ist, wer in welchem Umfang ausreichende, gut zugängliche und leicht zu bedienende Strom-Zapfsäulen selbst in der deutschen Provinz aufstellt, wird das Elektroauto eine Randerscheinung bleiben. Siehe: Entwicklung mit Erdgas- oder Autogas betriebener Fahrzeuge! Wer sein Elektroauto an einer öffentlichen Steckdose aufladen will, muss lange suchen. Gerade einmal 10000 öffentliche Ladestationen wurden 2010 in Europa gezählt.

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Brandgefahr bei Ladekabeln: TÜV-Experten gehen davon aus, dass noch elf Millionen deutsche Haushalte ein Stromnetz aus den 60er-Jahren haben. Mit einer maximalen Absicherung von zwölf Ampere. Ein übliches Serienelektroauto wie der Opel Ampera zieht aber für eine Ladung mehrere Stunden lang rund 16 Ampere Strom wie etwa der Opel Ampera.

Einfach die Verlängerungsschnur auszurollen und an der Steckdose aufzuladen, kann also gefährlich werden, da sich Leitungen und Dosen schnell erwärmen können. In einem Test von Eon und TÜV zeigte eine Wärmebildkamera, dass eine Steckdose nach 15 Minuten Ladevorgang 81 Grad Celsius erreichte. Ruth Werhahn, Chefin der E-Mobilität bei Eon: "Wir haben die Versuche abgebrochen."

Elektroauto
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Niedrige Reichweite: Mehr als kurze Fahrten im Stadtverkehr sind mit dem batteriebetriebenen Elektroauto derzeit nicht machbar. Zwischen 100 und 150 Kilometer Reichweite erzielen die Fahrzeuge heutzutage unter besten Bedingungen pro Batterieladung. Allerdings ist der Akku bei Kälte, Hitze, voller Beladung oder hohem Tempo immer schon deutlich früher am Ende. Auf dem Kälteprüfstand des TÜV Süd büßte der Akku eines Elektro-Smart 47 Prozent an Reichweite ein, als die Temperatur von 23 auf Grad sank. Vor allem für die Bewältigung größere Distanzen sind die E-Autos also noch keine Alternative. "Ein Problem sind die Kosten der Batterie und deren Leistungsfähigkeit bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen", sagt auch Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Universität Duisburg-Essen. Als Reichweitenverlängerer (Range Extender) kommen aber bereits jetzt zusätzlich kleine konventionell betriebene Motoren zum Einsatz, die während der Fahrt die Batterie wieder aufladen.

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Späte Amortisierung: Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft der Hochschule Nürtigen-Geislingen hält Elektroautos aktuell für finanziell nicht wettbewerbsfähig: "Wir rechnen damit, dass in den kommenden Jahren der Strompreis mindestens genauso stark steigen wird wie die Kraftstoffpreise. Damit ist davon auszugehen, dass das Elektroauto von der Kostenseite betrachtet nicht wettbewerbsfähig sein wird." Nach einer Berechnung seines Instituts lohnt sich der Umstieg von einem aktuellen Benziner auf ein Elektroauto, das auf dem heutigen Stand der Technik ist, erst ab einer Fahrleistung von 178.500, bei Dieselmotoren sogar erst bei über 270.000 Kilometern.

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Wettstreit der Systeme: Es ist ein bisschen wie damals, als beim guten alten Videoband VHS, Betamax und Grundigs Video 2000 um die Marktbeherrschung kämpften: Es konnte nur das Format siegen, für das es die meisten Pornos in der Videothek zum Ausleihen gab. Bei den Autos ist die Sache schon jetzt noch viel komplexer: Batterieaustausch per Better Place? Öffentliche oder private Aufladestation? Auto kaufen und Batterie leasen (wie beim Renault Twizy)? So lange diese und andere Fragen ungeklärt sind und deutsche Institutionen wie Stiftung Warentest bzw. der ADAC keine klaren Empfehlungen aussprechen, wird der Kunde sich weiter zurückhalten.

Der Opel Ampera: neuer Elektro-Dienstwagen
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Bremsklotz Dienstwagenbesteuerung: Weil Elektrofahrzeuge in den kommenden Jahren gegenüber vergleichbaren konventionellen Fahrzeugen einen höheren Bruttolistenpreis aufweisen, führt die Anwendung der Ein-Prozent-Regel dazu, dass Nutzer elektrischer Dienstwagen einen deutlich höheren geldwerten Vorteil zu versteuern haben – obwohl der Nutzwert wegen der begrenzten Reichweite deutlich eingeschränkt ist.

„Dies verhindert die vollständige Erschließung des Marktpotenzials bei gewerblichen Kunden, da sich eine Vielzahl von potenziellen Dienstwagennutzern bei bestehendem finanziellem Nachteil gegen elektrische Fahrzeuge entscheiden wird“, heißt es dazu in dem Zweiten Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität.

  • Thomas Mersch
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