Die Autokrise setzt den Tunern zu
Kein Geld mehr für große Spoiler und dicke Endtöpfe

Den Tuning- und Zubehörfirmen schien die Autokrise lange Zeit nichts anhaben zu können: Während Autohersteller und Händler bereits über ein dramatisch nachlassendes Käuferinteresse klagten, war die Nachfrage nach Leistungssteigerungen und Anbauteilen so gut wie unverändert.

dpa/tmn ROßBACH/WIED. Doch inzwischen macht sich die Krise auch hier bemerkbar: Mit D & W musste ein erstes großes Tuning-Unternehmen Insolvenz anmelden. Auch die übrigen Firmen räumen Rückgänge ein.

Die dicken Kataloge von D & W waren bei Tuning-Freaks legendär. Doch nach einem Absatzeinbruch im Zubehörgeschäft meldete der Händler aus Bochum Anfang des Jahres Insolvenz an. Als Ursache gilt, dass die Kernzielgruppe wegen der Krise spart, statt Geld für Spoiler oder Breitreifen auszugeben. Immerhin soll der Geschäftsbetrieb vorerst weitergehen, während ein Sanierungskonzept erarbeitet wird.

Doch die Insolvenz ist laut Mathias Albert vom Verband der Automobil Tuner (Vdat) nicht symptomatisch: "D & W ist kein Indikator dafür, dass es der ganzen Branche schlecht geht." Der Absatzkanal für Tuning-Zubehör habe sich vom Katalogversand ins Internet verlagert, wo zudem die Konkurrenz stärker geworden sei. Dennoch räumt auch Albert Einbußen für die Branche ein: "Wir haben Umsatzrückgänge in einigen Schwellenländern wie Russland oder in Asien."

Aber ganz von der Hand zu weisen sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise wohl nicht. So bestätigt etwa der Tuner Irmscher, dass seit Jahresanfang die Nachfrage im Tuning-Bereich deutlich nachgelassen hat. "Die ganze Branche ist zurzeit erschüttert", sagt Sprecher Harald Leng. Die Lage sei aber nicht dramatisch, denn die Firma sei inzwischen breiter aufgestellt.

Abt-Kunden "nicht so preissensibel"?

Ähnlich kommentiert Florian Büngener von Abt die Lage. Sie sei "noch stabil". Ein Grund dafür sei wohl, dass bei einigen Baureihen, die der Tuner bedient, Modellwechsel anstanden. Außerdem seien Abt-Kunden "nicht so preissensibel". Büngeners Ausblick ist dennoch eher verhalten: "Es werden keine rosigen Zeiten."

Wie gut es die Branche aus der Krise schafft, darüber sind sich auch die Experten nicht einig. "Das Geld sitzt einfach nicht mehr so locker", sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics. Von der "Abwrack-Euphorie" abgesehen, werde kaum Geld für Mobilität ausgegeben. Und gerade durch die Abwrackprämie wanderten ältere Fahrzeuge derzeit eher in die Schrottpresse.

Schlimme Einbrüche bei AMG und Brabus?

Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen erwartet die schlimmsten Einbrüche bei Edel-Tunern á la AMG oder Brabus. Grund sei, dass die Absätze in wichtigen Märkten wie den USA oder China nach unten gingen. Bei Firmen, die typische Anbauteile für ältere Serienautos anbieten, werde sich die Krise nicht so stark auswirken.

Oliver Staudacher vom Beratungsunternehmen Prtm sieht dagegen in diesem Bereich "Symptome einer Strukturkrise": Die Hersteller böten schon ab Werk immer mehr Individualisierungszubehör an. Hinzu komme, dass die Zielgruppe, die ihren Wagen nachträglich aufmotzt, klein ist und auch in naher Zukunft nicht wachsen werde.

Laut VDAT-Sprecher Albert könnten die Tuner sogar von der Krise profitieren: Wer sich derzeit kein neues Auto kaufen kann, sondern sein altes weiterfahren muss, komme vielleicht doch auf die Idee, es mit Zubehör zu versehen. Auch Margetts ist nicht nur pessimistisch: Wer sein Geld zusammenhält, habe nach der Krise eher Reserven, um seinen Gebrauchtwagen wieder mit Extras zu verwöhnen. Die Frage sei nur, wie viele Zubehöranbieter diese Durststrecke überleben werden.

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