Die ersten Wege der Neuwagen
Wenn der Flügeltürer fliegen lernt

Viele Wege führen zum Kunden. Das gilt auch für Neuwagen. Neben Transport-LKW setzen die Hersteller auf die Bahn, das Schiff und manchmal sogar aufs Flugzeug, um ihre Autos rund um den Globus auszuliefern.

dpa/tmn KÖLN. Autos gehören auf die Straße - spätestens wenn der Eigentümer am Steuer sitzt. Doch bis es so weit ist, haben die fabrikneuen Wagen meist schon einen weiten Weg hinter sich. Dass sie dabei trotzdem oft nicht einmal ein Dutzend Kilometer auf den Zähler bekommen, liegt an der ausgeklügelten Logistik: Kaum vom Band gefahren, werden sie schon verladen und gehen auf die Reise.

Bei Ford in Köln zum Beispiel liegt das Werk direkt am Rheinufer, und nach wenigen hundert Metern rollen Fiesta und Fusion aufs Schiff. "140 000 von den über 400 000 Exemplaren, die hier jährlich gebaut werden, machen ihre erste Fahrt auf einer Wasserstraße", erläutert ein Ford-Sprecher. Erst von Verteilzentren werden die Autos dann mit Lastern zu den Händlern gebracht. Das Gros der schwimmenden Fiestas wird in Vlissingen in den Niederlanden angelandet und dort auf Hochseeschiffe für den Transport zum Beispiel nach England oder Skandinavien verladen.

Die Flotte der Kölner umfasst deshalb ein halbes Dutzend Schiffe, die schwimmenden Parkhäusern gleichen. Sie fassen zwischen 550 und 650 Neuwagen. Das entspricht mindestens drei Güterzügen oder 65 LKW-Autotransportern. Diese Art des Transports ist nicht nur zuverlässiger, sondern auch umweltfreundlich, sagt der Sprecher: "Durch die Verlagerung von der Straße auf den Rhein werden 3,3 Mill. LKW-Kilometer und damit eine Million Liter Dieseltreibstoff eingespart." Auch Renault nutzt für die Tochter-Marke Dacia aus Rumänien den Weg übers Wasser: Sandero und Duster kommen deshalb nicht nur mit Lastwagen und Zug, sondern auch über die Donau ins Land.

Auf den Wasserweg angewiesen sind auch die Hersteller aus Fernost und Amerika. Ob Toyota in Japan, Kia in Korea, Ford in Detroit oder deutsche US-Werke wie das von BMW in Spartanburg: Was dort vom Band läuft, kommt mit dem Hochseefrachter nach Europa. BMW schickt zum Beispiel seine X-Modelle aus der US-Produktion mit der Bahn nach Charleston an der amerikanischen Atlantikküste und nutzt von dort zweimal die Woche ein Schiff nach Deutschland, erläutert Sprecher Frank Wienstroth. Die Überfahrt dauert etwa zwei Wochen, danach braucht das Auto noch einmal weitere vier Tage, bis es per LKW beim Händler ankommt.

Eine der wichtigsten Drehscheiben für die interkontinentale Neuwagenlogistik ist Bremerhaven. Allein im ersten Halbjahr wurden dort nach Angaben des Betreibers BLG Automobile Logistics 564 000 Fahrzeuge ins Ausland verschifft und 140 000 angelandet. Bis zum Jahresende erwartet das Unternehmen einen Umschlag von etwa 1,4 Mill. Autos.

Seite 1:

Wenn der Flügeltürer fliegen lernt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%