Die Funke & Will AG baut den Yes Roadster
Der Mann vom Autohaus

Philipp Will hat vor zehn Jahren davon geträumt, mit einem selbst entwickelten Sportwagen den Weltmarkt zu erobern. Inzwischen hat er es geschafft: Er baut zusammen mit seinem Kompagnon Herbert Funke den Yes Roadster. Ein Unternehmen zu führen, musste er von der Pike auf lernen.

Wenn man in kurzer Zeit Großes erreicht hat, kommt irgendwann der Moment, in dem einem der Erfolg schlagartig bewusst wird. Philipp Will kann sich noch genau an diesen Moment erinnern. Die erste Weihnachtsfeier, zu der seine Angestellten auch ihre Partner mitbringen durften: "Ich hatte eine kurze Rede vorbereitet", erzählt Will. "Dann drehte ich mich um, und vor mir saßen mehr als 100 Leute. Das war echt beeindruckend. Ich dachte auf einmal: Die und ihre Kinder hängen alle von Dir ab. Da holt man erst mal Luft."

Will war Mitte 20, als er sich mit seinem Studienfreund Herbert Funke selbstständig machte. Die beiden Ingenieure träumten damals davon, mit ihrem selbst entworfenen und von Hand zusammengeschraubten Sportwagen "Yes" den Weltmarkt zu erobern.

Gut zehn Jahre später ist Will 36, und aus dem Tüftler ist der Vorstand eines kleinen Global Players geworden. Seine Funke & Will AG hat auf der Motorshow in Chicago den Yes Roadster für den US-Markt präsentiert, im laufenden Jahr will er 120 Sportwagen bauen - zu Preisen zwischen 55 000 und 75 000 Euro. 300 Amerikaner haben bereits vorbestellt. Wills Roadster ist ein zweisitziges Leichtgewicht aus Aluminium und Kohlefaser. 355 PS starke Audi-Motoren beschleunigen die 890 Kilo in weniger als fünf Sekunden von Null auf Hundert. Komforttechnik wie Klimaanlage oder Radio gibt es nicht. Selbst der Name Yes steht unglamourös für eine Abkürzung: Young Engineers Sportscar.

Derweil hat sich der Erfolg für den studierten Techniker als harte Schule erwiesen. Denn er hatte sich selbst beizubringen, wie man eigentlich ein Unternehmen führt. "Man muss sich selbst und seiner Vision treu bleiben", sagt der Autobauer. "Und man muss aufstehen können, auch nach schlaflosen Nächten und mit großen Bauchschmerzen." Will hat dieses Durchhaltevermögen früh trainiert: Mit 15 bastelte er lieber an Mopeds und Autos herum, als mit seinen Klassenkameraden auf dem Bonner Konrad-Adenauer- Gymnasium Latein und Algebra zu lernen. Also überzeugte er seine Eltern, mittlere Reife und Kfz-Mechanikerlehre würden für ihren Ältesten genügen - "zum Gräuel der sonst sehr akademischen Familie", erinnert sich Will. Beim Autohaus Fleischhauer in Bonn, einem Volkswagen - und Porschezentrum, lernte Will schnell, wie Autos funktionieren. Er merkte auch, dass ihm der Job auf Dauer nicht genügen würde. Also schrieb er sich an einer Abendschule ein und drückte zweieinhalb Jahre lang vier Mal pro Woche die Schulbank, um sein Fachabitur nachzuholen. Die Frage nach der Selbstdisziplin, die das gekostet haben muss, quittiert er mit einem Schulterzucken. "Ich habe ein richtig gutes Abi gemacht, aber nur weil ich Lust dazu hatte."

Will bewirbt sich erfolgreich an der Kölner Fachhochschule - er will Maschinenbau-Ingenieur werden, Schwerpunkt Automobil. In der Domstadt lernt er auch seinen heutigen Kompagnon Herbert Funke kennen. Die beiden pauken gemeinsam Thermodynamik, Pneumatik und Hydraulik. Derweil kommt die zweite Eigenschaft Wills ins Spiel, die ihm später mit seiner Auto-Firma zu Gute kommen soll. Denn Will ist ein echter Unternehmertyp: Will mietet sich einen alten Schweinestall in der Eifel, verputzt die Wände, legt Strom und Wasser, hebt eine Arbeitsbühne aus - und macht eine Porsche-Werkstatt auf. Damit finanziert er sein Studium, weil er seinen Eltern nicht auf der Tasche liegen mag. Unversehens wächst sich der Nebenjob zum Großprojekt aus: "Ein Jahr vor dem Diplom hatte ich schon acht Mitarbeiter", berichtet Will.

In dieser Zeit macht der angehende Ingenieur seine ersten Gehversuche als Führungskraft. Dass er mit jedem Personalgespräch und jeder Inventur als Manager dazu lernte, sei ihm damals allerdings überhaupt nicht bewusst gewesen, sagt der Unternehmer.

Irgendwann 1996 oder 1997 sitzen Will und Funke zusammen in Funkes Studentenbude im Kölner Vorort Hürth und lösen Integrale. Sie blättern in einem Auto-Magazin und lesen etwas über Lotus Elise und Porsche Boxter. "Die Elise fanden wir vom Konzept her gut, aber einfach zu schwach", sagt Will. Und den Boxter? "Ganz schön komfortabel, und ganz schön schwer." Es müsste doch, so keimte die Idee, eine Mischung möglich sein. Wie sich zeigen sollte, war die Idee genial: "Das automobile Luxussegment wächst jedes Jahr um 3,4 Prozent und damit deutlich schneller als der Auto-Markt insgesamt", sagt Christian Heiss, Automobilexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Reinrassige, individuell gefertigte Sportwagen würden noch besser laufen: "Die Klientel ist kaum rezessionsanfällig, erklärt Heiss. "Diese Fahrzeuge werden aus Spaß, als Belohnung oder als Luxusgeschenk gekauft."

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