Die hellen Momente der Auto-Entwickler
Blaulicht hält den Fahrer munter

Die Automobilhersteller und ihre Designer verwenden derzeit viel Energie auf die Beleuchtung des Innenraums: Wechselnde Farbeffekte, angestrahlte Motoren oder automatisch illuminierte Ablagen sind nur einige Neuheiten.

dpa/gms WOLFSBURG/BERLIN. Der Aufwand bei der Beleuchtung soll dem Fahrer helfen. „Man kann seine Aufmerksamkeit steigern und vor allem seine innere Uhr beeinflussen“, sagt Dieter Kunz, Chefarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig Krankenhaus in Berlin.

Früher hatten Autos eine Lampe am Dachhimmel und ein paar Birnen im Cockpit. Heute dagegen wird der Innenraum oft von mehr als einem halben Dutzend Glühbirnen, Lichtleitern und Leuchtdioden in Szene gesetzt. Hersteller wie Mercedes oder Audi haben diese „Ambiente-Beleuchtung“ sogar als Extra in die Preisliste aufgenommen. Selbst bei Kleinwagen wie dem neuen Mini gibt es nun ein Lichtpaket, das nach Angaben von Pressesprecher Jochen Frey erstmals sogar die Möglichkeit bietet, die Farben auf Knopfdruck zu wechseln.

Wer lange genug auf den Kipphebel am Innenspiegel drückt, lässt das Licht am Dachhimmel, in den Türöffnern, in den Ablagen, an den B-Säulen und oberhalb der Instrumententafel sanft von einem warmen Orange in ein kaltes Blau wechseln - oder umgehrt. Auf ein ähnliches System setzt Skoda in der Studie Joyster.

Auch Renault arbeitet bei der Studie für den nächsten Twingo mit solchen Lichtkontrasten: „Bei Motorstillstand strahlt der Innenraum in modernem Blau, das ihm eine ansprechende High-Tech-Note verleiht“, so der Hersteller. Wird der Motor angelassen, wechselt die Lichtfarbe automatisch zu Gelb, was sportlich-dynamisch wirken soll.

Die Entwickler von Citroën haben ebenfalls bei der Arbeit am neuen C4 Picasso buchstäblich ein paar helle Momente gehabt. Deshalb verfügt der Van nicht nur über eine eingebaute Taschenlampe im Kofferraum und versteckte Lichtleiter in der Verkleidung, sondern auch über Ablagen, die wie von Geisterhand erleuchtet werden.

Wie Fahrerassistenzsysteme in der Praxis funktionieren

„Im Normalfall sind die Taschen in Türen nachts dunkel. Erst wenn sich eine Hand nähert, wird die Beleuchtung aktiviert“, erläutert ein Citroën-Entwickler das System. Aufmerksamkeit soll dagegen der ausgeleuchtete Motorraum des Audi-Sportwagens R8 erregen - selbst bei Dunkelheit kann jeder den unter Glas montierten Achtzylinder sehen.

Solche Entwicklungen dienen vordergründig dem Showeffekt. „Doch hat die Beleuchtung auch einen großen Einfluss auf den Fahrer“, sagt Stephan Berlitz, der bei Audi in Ingolstadt die Lichttechnik entwickelt. Sein Team nutzt die Farbwechsel, um den Wohlfühlfaktor zu steigern. Ist es draußen kalt, tauchen die Experten ihren Prototypen in rotes Licht. „Umgekehrt gehen wir bei großer Hitze vor“, sagt Berlitz: Dann verwandelt Blau den Wagen optisch in eine Kühlzelle.

Noch einen Schritt weiter denken seine Kollegen bei VW in Wolfsburg. Sie haben kürzlich als Studie auf der Automechanika in Frankfurt eine so genannte Vigilanzleuchte vorgestellt, die müde Autofahrer wach machen soll. Eine unscheinbare Leuchte strahlt himmelblau und simuliert dem Fahrer auch nachts Tageslicht. „Das verhindert die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und hält den Fahrer länger wach“, sagt Entwickler Siegfried Wiemers.

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„Dieser Effekt ist zwar erst vor vier Jahren entdeckt worden, mittlerweile aber medizinisch bewiesen“, sagt Chefarzt Dieter Kunz. Erst seit kurzem sei bekannt, dass vor allem blaues Licht dafür verantwortlich sei. Allerdings lässt sich ein Fahrer auch mit einer solchen Leuchte nicht endlos wach halten.

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