Die neuen Produktions-Baukästen
Autos nach dem Prinzip Lego

Alle paar Monate ein neues Modell und mehr Varianten denn je - noch nie war die Schlagzahl der Autohersteller so groß wie heute. Dass sie sich diese Premierenflut leisten können, liegt an intelligenten Bausätzen.
  • 0

WolfsburgAudi TT, VW Golf, Seat Leon oder Skoda Rapid - auf den ersten Blick könnten diese Autos kaum unterschiedlicher sein. Doch unter dem Blech sind sie enge Verwandte, die sich künftig sogar noch ähnlicher werden. Denn um Entwicklungs- und Einkaufskosten zu drücken und die Fertigungszeiten zu verkürzen, optimiert der VW-Konzern seine Gleichteile-Strategie und liegt damit voll im Trend. "Fast alle Hersteller setzen derzeit auf sogenannte Plattform- oder Modulkonzepte, mit denen sie verschiedene Autos aus ein- und demselben Komponentensatz fertigen", sagt Jan Dannenberg vom Strategieberater Berylls in München.

VW zum Beispiel setzt auf den Modularen Querbaukasten (MQB). Aus ihm konstruiert der Konzern nach Angaben von Entwicklungschef Ulrich Hackenberg den neuen VW Golf und mittelfristig mehr als 40 Modelle. Alle Fahrzeuge aus Wolfsburg mit Frontantrieb und quer montiertem Motor sollen diesen Baukasten nutzen, in dem nur wenige Maße festgeschrieben sind: Zwölf Grad Neigung für den Motor zum Beispiel oder der Abstand zwischen der Mitte des Vorderrades und den Pedalen.

Alle anderen Kenngrößen wie Radstand, Spurweite und Abmessungen des Fahrzeugs lassen sich weitgehend frei verändern. Nur so können Autos wie der VW Polo diesen Bausatz genauso nutzen wie der Seat Alhambra oder der Skoda Superb.

VW ist mit der Vereinheitlichung der Komponenten unter dem Blech nicht alleine. Der damalige Ford-Chef Alan Mulally hatte in Detroit wiederholt angekündigt, dass er die Zahl der weltweit 25 Baugruppen im Konzern künftig auf neun drücken will.

General Motors und die im PSA-Konzern vereinten Marken Peugeot und Citroën verhandeln nach eigenen Angaben über gemeinsame Architekturen für kommende Modelle in der Kompakt- und Mittelklasse.

Und Mercedes hat als Pendant zum MQB das Kürzel MFA in die Runde geworfen. Die Abkürzung steht für Modulare Frontantriebsarchitektur und meint die Bodengruppe, auf der zunächst die neue A- und B-Klasse stehen. "Aber es wird mindestens noch drei weitere Modelle geben", verrät Designchef Gorden Wagener.

Sie alle kommen aus der gleichen Fabrik und nutzen identische Achsen und Antriebe. So will Mercedes die Kosten senken. "Außerdem sparen wir bei jedem Modell mindestens ein halbes Jahr Entwicklungszeit", sagt Baureihenleiter Hans Engel.

Man muss Autos aber nicht komplett vereinheitlichen, um von diesem Lego-Prinzip zu profitieren. Auch einzelne Komponenten lassen sich in vielen Fahrzeugen nutzen. Die Achtgang-Automatik bei BMW zum Beispiel wird nur noch in der Software variiert, bevor sie vom 7er bis hinunter zum 1er eingebaut wird, erläutert ein Ingenieur in München.

Ähnlich machen es die Bayern beim Hybridantrieb: Egal ob 3er, 5er oder 7er - wer einen ActiveHybrid bestellt, bekommt immer einen 306 PS starken Sechszylinder nebst E-Motor mit 55 PS. "Mit dieser Strategie können die Hersteller schnell viele Modelle anbieten und die Bauteile günstig herstellen oder einkaufen", sagt Berylls-Berater Dannenberg.

Kommentare zu " Die neuen Produktions-Baukästen: Autos nach dem Prinzip Lego"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%