Die Technik und ihre Tücken
Immer mehr Pannen durch Elektronik verursacht

Regensensoren, Einparkhilfe, Stimmerkennung - das Auto wird zunehmend zum fahrenden Computer, immer mehr Funktionen werden elektronisch gesteuert. Das führt zu mehr Komfort, aber auch zu neuen Problemen.

Der Motor des 5er BMW, den Alexander auf der Königsallee geparkt hatte, wollte einfach nicht mehr anspringen. Beim Betätigen der Zündung hörte der Student, der sich den Wagen von seinem Vater geliehen hatte, nur noch das Reiben des Anlassers. Nach mehreren Versuchen verstummte auch er, nichts rührte sich mehr. Der ADAC stellte die Ursache schnell fest: Die elektronische Motorsteuerung war kaputt, die Batterie nach einigen Versuchen verbraucht. Die Elektronik des Autos hatte versagt.

In jedem neu produzierten Fahrzeug, so rechnet der Verband der Elektrotechnik (VDE) vor, befindet sich Elektronik im Wert von eintausend Euro, Jahr zu Jahr wachse der Anteil um weitere 15 Prozent. Automatische Fensterheber, Antiblockiersysteme und Wegfahrsperren gehören längst zum Standard, immer öfter bieten die Fahrzeughersteller aber auch Navigationsgeräte, automatische Distanzhilfen und Freisprechanlagen an.

Doch die neuen Systeme führen zu Problemen: "Fast die Hälfte aller Pannen wird durch Elektronik verursacht", sagt ADAC-Techniker Arnulf Thiemel. Hauptursache: Die Geräte fressen Strom, die Autobatterien werden stärker beansprucht - und verschleißen schneller. "Die Batterie sollte regelmäßig geprüft werden", rät Thiemel, "ein Wechsel ist zumeist nach vier, fünf Jahren erforderlich."

Auch die Beschwerden häufen sich: Immer öfter, sagt Thiemel, würden ADAC-Mitglieder technische Probleme melden, etwa weil die Fensterheber versagen und die Klimaanlage durchdreht. Viele Autofahrer seien aber auch mit der Elektronik überfordert - und würden Fehler melden, die eigentlich keine sind. "Viele Fahrzeuge haben eine Bedienungsanleitung von mehreren hundert Seiten", sagt Thiemel, "die vielfach nicht gelesen werden."

Auf die Elektronik im Auto hat der Gesetzgeber reagiert: Seit April diesen Jahres ist der TÜV verpflichtet, bei der Hauptuntersuchung auch die elektronischen Bauteile zu untersuchen, wie etwa Abstandswarnsysteme, aktive Lenkanlagen und Bremsassistenten.

Insgesamt hat die Technik die Autos aber nicht anfälliger gemacht. Denn Schäden am Motor selbst - etwa an den Ventilen, Kupplungen und Kraftstoffsystemen - ist nach ADAC-Angaben zurückgegangen. Die Elektronik rettet Leben, in den vergangenen Jahren haben mittlerweile gängige Techniken wie Airbag und Antiblockiersystem die Zahl der Verkehrstoten verringert. Die elektronische Wegfahrsperre macht Dieben das Leben schwer, im Jahr 2005 sank die Zahl der gestohlenen Autos um zehn Prozent. Die Elektronik wird auch in Zukunft dem Autofahrer mehr Sicherheit geben - und ihn mit Pannen ärgern.

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