Die Zahlenspiele von Peugeot
Mittel-Null: Das kuriose Markenzeichen der Franzosen

Manchmal schlägt der Zufall jede Strategie. Und so geschah es auch im September 1929. Premierenstimmung herrschte schon damals auf der Pariser Autonabelschau, dem „Mondial de l’Automobile“. Und Robert Peugeot, Nachfahre des berühmten Autopioniers, hatte großen Anteil daran.

Er fuhr mit dem „Type 201“ vor, dem ersten Fahrzeug einer neuen Baureihe – und die schlichte Ingenieursmarotte, Neuentwürfe von Beginn an durchzunummerieren, brachte dem Modell seinen Namen ein. Nicht anders halten es etwa die Entwickler bei Mercedes: Die nächste E-Klasse trägt intern schon jetzt den Titel W204, die aktuelle B-Klasse heißt hinter Werkstoren W245, das neue G-Modell schlicht W464.

Peugeot begriff freilich damals schon, wie viel Charme in dieser Schlichtheit stecken kann. Und so strich die Firma den Titel „Type“, und übrig blieb allein die eingängige dreistellige Zahl. Die man fortan besonders kultivierte: Die erste Ziffer steht seither für die Fahrzeugklasse, die letzte Ziffer für die Modellgeneration. In der Mitte blieb die Null: Das Bindeglied, das alle Peugeot-Modelle kennzeichnet. Weltweit und einzigartig – dafür sorgt nicht zuletzt der Markenschutz.

Die Null blieb seither für andere Autobauer unantastbar. Seit 77 Jahren begleitet sie also nun die Fahrzeugpalette von Peugeot. Angefangen beim 107, dem kleinen Filou, der mit einem Neupreis unter 10 000 Euro durchaus so manchen Stadtautokäufer überzeugt, über die 607-Limousine, von der sich französische Präsidenten chauffieren lassen, bis zum großen Van mit der Nummer 807.

Allen ist neben dem Löwen-Emblem die unbewegliche Zwischenziffer gemeinsam. Die einzige Innovation auf dem Typenschild nach fast 80 Jahren stringenter automobiler Markenführung: Nach einem Testlauf im Jahr 2003 versucht sich Peugeot zusätzlich an einer Doppel-Null im Innenteil.

Der 1007 machte den Anfang, und das als besonders eigenständiger Abkömmling seines kleinen Bruders 107.

Und Buchstaben sind neuerdings dazugekommen, zum besseren Verständnis für die unzähligen automobilen Varianten, die man mittlerweile auf dieselbe Karosserie setzt: CC steht für das Cabrio, SW für Freizeit- und Familienfahrzeuge und das Wort „Coupé“ findet sich als Anhang beim neuen, männlichen 407 mit seinem flach gezogenen Rücken.

„Blütenblatt“ heißt dieses Auffächern der Modellpalette im Strategiedeutsch von Generaldirektor Frédéric Saint-Geours, der heute die Markengeschicke der Firma lenkt.

Was dem Zahlenspiel eine ganz besondere Note verleiht, ist freilich ein zweiter Zufall, der einen weiteren deutschen automobilen Mythos schuf – und der wiederum hat unmittelbar mit Ferdinand Alexander Porsche zu tun und mit dem wichtigsten deutschen automobilen Hochamt, der IAA.

1963 zeigte der Firmenchef dort den Nachfolgeentwurf für den 356 – und nannte ihn Typ 901. Da war sie also wieder, die Mittel-Null – doch der Titel musste weg. Nach einem Markenrechtsstreit wurde Peugeot so zum Geburtshelfer des 911.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%