Drivers Seat
Ausdruck von Persönlichkeit

Auto-Legende Romy Schneider fuhr einen, Aenne Burda auch: Der Karmann Ghia feiert Jubiläum. Die Professorin und Unternehmerin Ulrike Detmers testet den Oldie mit Format. Die schöne Schwester des VW Käfer wurde vor genau 50 Jahren in Georgsmarienhütte vorgestellt.

Mit Verve nimmt die Professorin die enge Kurve und manövriert ihren fünf Meter langen Mercedes CL souverän auf den Parkplatz. Genauso schwungvoll steigt sie im bunten Rock und dem hellen Top aus dem dunklen Coupé. Ulrike Detmers liebt Tempo. Sie liebt schnelle Autos und das schnelle Leben. Sie ist Professorin an der Fachhochschule Bielefeld, daneben Mitinhaberin eines erfolgreichen Familienunternehmens in Gütersloh und Mutter zweier Kinder.

Auf Detmers wartet an diesem Sommertag ein typisches Frauenauto, das aber vor allem Männer jenseits der 60 ins Schwärmen bringt. Denn als die Professorin gerade die ersten Gehversuche machte, rollten die ersten hundert Exemplare aus den Produktionshallen bei Karmann in Osnabrück.

Der Käfer hatte bereits begonnen, die Welt des Automobils zu erobern. Und er bekam mit dem VW Karmann Ghia seine schönste Schwester. „Typisch Käfer“, bemerkt denn auch Detmers, als der Motor des schmucken Cabrios in der Farbe „Perlweiss“ seine ersten Umdrehungen macht und unverkennbar seine Herkunft verrät.

Keine Bedienungsanleitung ist nötig, keine Erklärungen. Ein Blick genügt Frau Detmers, und sie hat alles im Griff. Zwei Schalter am Lenker für Blinker und Fernlicht, drei Drehschalter für Lüftung, Scheibenwischer und Licht am lackierten Amaturenbrett – fertig!

Die Schaltung funktioniert nach dem typischen H-Muster. Die vier Trommelbremsen sind allerdings gewöhnungsbedürftig. Sie erfordern einen kräftigen Druck auf das Pedal. Nichts für die Stöckelschuhe von Frau Detmers. Sie wandern kurzerhand auf die Notsitze im Fonds.

Der Karmann-Mitarbeiter wird unruhig. Kein Wunder, denn der Wagen ist ein echtes Schmuckstück. Der Kilometerzähler zeigt ganze 622 Kilometer an. Keine Manipulation, sondern echt.

Das quasi fabrikneue Auto hat die letzten Jahrzehnte im Museum verbracht. Erst für das Jubiläumsjahr wurde es zugelassen.

Leider nieselt es beim Start, doch nicht lange. Also anhalten, aussteigen und mit vereinten Kräften das Dach zurückklappen. Keine Elektronik, einfache Mechanik. Zwei Halterungen, ein paar Scharnierstangen.

So macht es der Fahrerin mehr Spaß. Die sportliche Endvierzigerin findet das Auto „ganz nett“. Aber irgendwie akzeptiert sie den Karmann Ghia nicht als echtes Auto, eher als Spielzeug für die Freizeit. „Ich mag PS und Autos auf dem neuesten technischen Stand“, sagt sie.

Seine 50 PS, die Ursprungsversion hatte sogar nur 30 PS, bringen das Cabrio nur mühsam auf Tempo. Schließlich sind rund 30 Sekunden von null auf hundert ein Wert, mit dem sich heute nicht einmal mehr ein Kleintransporter verkaufen lässt.

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