Driver´s Seat
Der goldene Magnet

Georg Leicht, Juwelier und Chef der Schmuckwelten in Pforzheim, besitzt einen Porsche Boxster in 24 Karat. Kann der Porsche Turbo da mithalten?

Daran erinnert sich Georg Leicht gern: „Als ich in den 80er-Jahren in Washington studierte, habe ich mir als Auto-Überführer hin und wieder etwas dazuverdient“, erzählt der Juwelier und Chef des größten europäischen Juweliergeschäfts, der Schmuckwelten in Pforzheim. Leicht war seinerzeit nicht nur mit flotten Karossen unterwegs, sondern lernte auch die Highways in den USA kennen. „Mit dem Porsche ging es nach Miami, ein Alfa Romeo musste nach Boston chauffiert werden, und einen Ford LTB brachte ich nach San Diego.“

Dagegen nimmt sich das beschauliche Würmtal in der Nähe Pforzheims ausgesprochen unspektakulär aus – nicht jedoch der Wagen, mit dem Leicht die kurvenreiche Testfahrt unternimmt: ein Porsche Turbo. Schon an der zweiten Ampel drehen sich zwei junge Männer nach dem schwarzen Sportwagen um, als erwarteten sie, dass er als Nächstes in einer Schwade verbrannten Gummis an ihnen vorbeischießen würde.

„Der Porsche ist für mich kein Auto zum Rasen, auch wenn er von einem Turbomotor angetrieben wird“, sagt Leicht und zuckelt mit 480 PS im Heck gemächlich davon. Er mag viel lieber genussvolle Kurvenfahrten. Die schmale Straße schlängelt sich an sattgrünen Laubbäumen vorbei immer den Berg hinauf. 60, in Spitzen auch mal 70 zeigt der Tacho – Geschwindigkeiten, für die man im Turbo kaum in den zweiten Gang schalten muss.

Auch die Autofahrer vor ihm machen keine Anstalten, das Gaspedal über Gebühr zu strapazieren. Plötzlich erspäht Leicht eine Lücke, die nächste Kurve ist 400 Meter entfernt. Er tritt das Gaspedal des Turbos durch und hat keine drei Sekunden später einen Opel Corsa hinter sich gelassen. „Überholen ist mit dem Auto wirklich kein Problem“, sagt er genüsslich. Doch das Aber lässt nicht lange auf sich warten: „Ich hatte mir den Turbo bissiger und kompromissloser vorgestellt.“

Dabei sind die Leistungsdaten des schwäbischen Sportwagens durchaus beeindruckend. Aus dem Stand heraus schießt der Testwagen in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde. Das Ende der Vollgas-Fahrt ist bei 310 km/h erreicht. Messwerte, die sogar Sportwagen-Herstellern südlich der Alpen Respekt abringen.

Die Straßenlage ist über alle Kritik erhaben – findet Leicht. „Bretthart“, ist sein Kommentar nach mehreren schnell durchfahrenen Haarnadelkurven. „Das gehört bei einem Sportwagen einfach dazu“, freut sich der Tester.

Als Juwelier hat Leicht aber einen besonderen Blick für die Details und den Zierrat am flotten Zuffenhausener: „Die Aluminium-Applikationen sind sehr schön“, erkennt der Fachmann für die schönen Dinge des Lebens. Er könnte sich allerdings auch Platin- oder Weißgoldapplikationen für den Turbo vorstellen.

Leicht weiß, von was er spricht, denn mit hochkarätigen Veredlungen von Porschemodellen kennt er sich aus. Ihm gehört ein Boxster – eigentlich das günstigste Modell des Sportwagenherstellers. Doch der Wagen ist komplett mit 24-karätigem Gold überzogen und damit noch anziehender als die Auslage eines Juweliers. Beim Fototermin in der Pforzheimer Fußgängerzone scharten sich einige Frauen um das teure Cabrio. Aber auch Männer, die an dem Goldstück vorbeikamen, wollten „nur mal anfassen“.

Den gebürtigen Pforzheimer Leicht stören solche Avancen kaum. Vielmehr sind sie für ihn Bestätigung, dass das Material, aus dem sein Geschäftsmodell besteht, immer noch ausgesprochen anziehend ist.

Leicht entstammt einer alteingesessenen Pforzheimer Schmuckfamilie. Zunächst studierte er jedoch Wirtschaftwissenschaften, bevor die Familiengene durchbrachen. Im Bonner Maritim-Hotel eröffnete er sein erstes eigenes Juwelier-Geschäft, dann machte er sich an den Ausbau des Pforzheimer Mutterhauses. Heute ist er sogar im Berliner Adlon mit einer Filiale präsent.

Porsche fahren ist für Leicht ein Luxus: „Brauchen tut ihn wirklich niemand. Der Turbo ist zu kostspielig, zu klein, zu schnell, um ihn auch ausfahren zu können.“ Viele Argumente, die gegen ihn sprechen. Dann fügt er noch versonnen ein „Aber trotzdem ...“ hinzu. Was soll der Besitzer eines goldenen Autos auch sonst sagen.

Der Fahrer:

Georg Leicht: Der 42jährige ist Juwelier und Inhaber der Schmuckwelten in Pforzheim. Der Vater von drei Söhnen spielt gern Fußball und Golf. Er träumt vom Maserati Quattroporte und fährt privat einen Phaeton. Sein erstes Auto war ein Ford Escort.

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