Drivers Seat
Gebirge aus Blech

Eigentlich hätte hier zwischen einem Versand-Apotheker und Cadillac eine höchst stilvolle Zusammenkunft beginnen können – ein amerikanischer Traum mit viel Chrom und laaangen Flossen.

Doch die US-Autobauer machten uns mehrere Striche durch die Rechnung.

Im Jahr 2005 offerieren sie keine schwülstigen Straßenkreuzer mehr. Stattdessen sitzt Ralf Däinghaus am Steuer eines „Crossovers mit dem Herzen einer sportlichen Limousine“. So jedenfalls preist das Marketing den neuen Cadillac SRX an.

Ralf Däinghaus, Gründer und Chef der Versandapotheke Doc Morris, betreibt im Grenzort Heerlen kurz hinter Aachen ein florierendes Geschäft. Unter Umgehung der deutschen Preisbindung versorgt der Unternehmer Patienten mit Pillen, Zäpfchen und Salben. Was vor fünf Jahren als Zwei-Mann-Bude begann, ist mittlerweile ein profitables Unternehmen mit 330 Mitarbeitern, 130 Millionen Euro Umsatz und über 600 000 Kunden – Europas größtes Unternehmen seiner Art.

Doc Däinghaus war durchaus gespannt auf das selten anzutreffende Gefährt. Dessen äußere Form nämlich findet der erfolgreiche Unternehmer „extrem cool“: „Was für ein Gebirge aus Blech“, schwärmt er.

Von außen glänzt die Karosse nicht nur mit beeindruckenden Maßen – es ist ein rundum kolossaler Auftritt. Der hoch angeschlagene Kühlergrill, die steil aufragenden Lampen, die massige Fahrgastzelle, die bockige Form. Däinghaus ist begeistert von der sichtbaren Angriffslust und Kantigkeit des Designs.

Innen folgt dann eine erste Enttäuschung: „Man sitzt zu tief. Und hat als Fahrer nur wenig Platz drum herum“, findet der nicht allzu groß gewachsene Unternehmer. „Von hier wirkt es, als wäre das nur aus Versehen so ein Jeep.“

Beim Schulterblick offenbart der Wagen aber wieder, was die Verpackung andeutet. Eine zweite Reihe Rücksitze passte noch mühelos hinter die erste, und fast auf voller Länge öffnet sich ein gläserner Baldachin: „Das Schiebedach gefällt mir sehr.“

Ein Pluspunkt zum Thema Luxus – der zweiten selbst ernannten SRX-Tugend. Es bleibt der einzige, um genau zu sein. Denn schon das reichlich eingesetzte Wurzelholz findet nicht mehr Däinghaus’ Gefallen: „Ich weiß gar nicht, wie die Autohersteller das schaffen, mit richtig schönem Holz so ein Plastikambiente zu schaffen. Da kann ich auch gleich einen Toyota kaufen“, sagt er, fasst über die Mittelkonsole und findet gleich den nächsten Makel: „Fürs Protokoll: Hier wackelt was.“

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