Drivers Seat
Im Bentley vom Alltag eingeholt

Zwei mannshohe Gittertore gleiten zur Seite, Panzersperren senken sich in den Boden. Draußen auf der Straße halten Sicherheitsleute Schaulustige zurück, während Sir Peter Torry sanft aufs Gaspedal tritt.

Als er den schweren Wagen hinaus auf die Berliner Wilhelmstraße gleiten lässt, klappt einem Passanten der Unterkiefer herunter – denn selbst aus dem Tor der britischen Botschaft in Berlin kommt nicht alle Tage ein Bentley Flying Spur gefahren. Schon gar nicht mit dem Botschafter höchstpersönlich hinterm Steuer.

Noch eine Phalanx von Panzersperren. Fast lautlos rollen wir Richtung Brandenburger Tor, das helle Leder und die Verkleidung aus Walnuss-Wurzelholz verschlucken beinah’ jedes Geräusch.

Als die Ampel auf grün springt, tritt Sir Peter zum ersten Mal härter aufs Gas. Und der Bentley zeigt sein zweites Gesicht: Der Motor heult auf, katapultiert den Wagen auf die Straße des 17. Juni und lässt mehrere Berliner Kleinwagen stehen. „What a tremendous power“, staunt er über die Kraft von 560 PS, als das Getriebe hoch schaltet und sich im Innern wieder Ruhe breit macht.

Den Bentley Flying Spur, den der britische Botschafter heute für das Weekend Journal des Handelsblatts testet, ist erst seit dem Sommer auf dem Markt. Entwickelt auf Basis des Continental GT Coupé, soll er an das erste Flying-Spur-Modell aus dem Jahr 1957 erinnern, aber mit modernen Bentley-Merkmalen: bullige Front mit runden Scheinwerfern und unverwechselbarem Kühlergrill, ovales Auspuffrohr. Der Zwölf-Zylindermotor beschleunigt die 2,5 Tonnen von 0 auf 100 in 5,2 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit: 312 Stundenkilometer.

Die Vorzüge der neuen Spitzen-Limousine von der Insel haben sich längst zu Sir Peter herumgesprochen. Vor einigen Wochen traf er den Duke of York bei einem Repräsentationstermin in Hamburg. Der Sohn der Queen war schon Flying Spur gefahren – und berichtete dem Botschafter mit leuchtenden Augen von dem neuen Bentley-Wunder.

So zögerte Sir Peter keine Sekunde, sich selbst hinters Steuer zu setzen. Denn normalerweise geht es bei ihm weniger britisch und weniger aristokratisch zu. Dienstlich lässt sich der Spitzendiplomat von seinem Fahrer im gepanzerten 7er BMW durch Berlin kutschieren, begleitet von Sicherheitsbeamten der deutschen Polizei.

Privat fährt er einen Mercedes E-Klasse Kombi, und am Wochenende auch gern einmal seine feuerrote Ente, die er 1981 gekauft hat. „Damit macht mir auf der Straße jeder Platz, weil daran kaum mehr etwas kaputt gehen kann“, scherzt der Botschafter, als er den Bentley um die Siegessäule herum steuert.

Für die riesige Limousine gilt diese Regel nicht, wie Sir Peter feststellen muss. Als er links Richtung Autobahn abbiegen will, erwischt er statt des Blinkers den Scheibenwischer und schafft es nicht mehr in die Lücke auf die Abbiegespur.

Doch kein Problem für den Diplomaten: Galant steuert er die Limousine an den wartenden Autos vorbei und über die Haltelinie hinweg vor die Warteschlange. „Wir haben ja ein ausländisches Kennzeichen“, sagt er und schmunzelt – am Bentley prangen britische Schilder.

Seite 1:

Im Bentley vom Alltag eingeholt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%