Drivers Seat: Opel Antara
Primärer Rohstoff mit bockigem Blick

Der Chef des Recycling-Unternehmens Interseroh, Hans-Jürgen Albus, weiß, was aus Autos wird: Nach erfülltem Leben werden sie in der Presse zu handlichen Päckchen verarbeitet. Dem neuen Opel Antara sagt er aber durchaus ein langes Leben voraus.

Wenn sie erst mal aus der Presse kommen, sind alle Klassenunterschiede ausgelöscht: Mercedes, Toyota oder Alfa Romeo, sie alle schrumpfen nach erfülltem Autoleben zu handlichen Päckchen aus Aluminium und Stahl zusammen, ein paar Häufchen Plastik, Stoff und Leder kommen noch dazu. Letztlich also alles ein großer Haufen Schrott? „Von wegen“, sagt Hans-Jürgen Albus, Chef des Kölner Papp-, Metall- und Kunststoffsammlers Interseroh. „Wir sind schließlich auch kein Müllentsorger, sondern ein -verwerter.“ Und in dieser Branche sprechen die Spezialisten nicht von Abfall, sondern allerhöchstens mal vom „Sekundärrohstoff“.



Knapp zwei Tonnen Primärrohstoff lenkt Albus heute für den Autotest des Weekend Journals in Form eines Opel Antara über die Feldwege des Bergischen Landes. Kurz nach Auslieferung der ersten Exemplare löst dieses neueste Opel-Modell bei Leuten wie Albus freilich zuallererst die Lust aufs Trennen und Verwerten aus: Die chromblitzenden Fensterrahmen, die glänzende Dachreling und die weit nach oben gezogene, metallene Bodenschutzplatte ergeben angesichts explodierender Rohstoffpreise am Ende sicherlich ein hübsches Extrasümmchen: „Unsere Abnehmer kochen aus 110 Prozent Altmaterial 100 Prozent neuen Elektrostahl“, sagt Albus. „Da bleiben von so einem Wagen kaum Reste.“

Nun ist aber genug geplaudert über die Vergänglichkeit. Sprechen wir vom Hier und Jetzt – und sortieren den Antara in die aktuelle Fahrzeuglandschaft ein. Drei Jahre nach dem Produktionsstopp des Frontera, dem Freunde pistenferner Wochenendausflüge beachtliche Offroad-Qualitäten bescheinigten, meldet Opel sich im gewachsenen SUV-Segment zurück.

Mit einem Geländewagen, der sich dank seiner kompakten Maße als Innenstadt-tauglich erweist – und doch den bockigen Blick eines Boliden hat, der die große, weite Welt zu kennen vorgibt. So ungefähr stellt man sich bei Opel offenbar das ideale Auto für das neue Jahrtausend vor.

Ein Gedanke, den Hans-Jürgen Albus durchaus teilen kann: „In ein Auto für die Freizeit müssen Golftasche, Kind und Skier passen“, sagt der 48-jährige Familienvater. Zu diesen Zwecken steht in der heimischen Garage ein Jeep Grand Cherokee – was den Tester abwägen lässt: „Der Jeep ist eindeutig größer“, sagt Albus. „Aber in den Opel passt vermutlich auch alles rein. Vom Platz her also völlig ausreichend.“

Und vom Raumgefühl? „Ich finde den Wagen erstaunlich übersichtlich. Und die hohe Sitzposition überrascht mich, obwohl ich so etwas ja eigentlich gewohnt sein sollte.“ All das behagt ihm, sorgt für eine sichere Atmosphäre – die mit Sicherheit folgenden Argumente der SUV-Fraktion sind hinlänglich bekannt.

Wäre da nicht, und hier ist Albus wiederum ganz in seinem Element, der bekannt hohe Energieverbrauch, um die tonnenschweren Hochsitze in Fahrt zu bringen. „Das ist natürlich immer ein Kompromiss“, gibt Albus zu.

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