DSG-Rückruf bei VW
Das Problem ist der Schwefel

Vor der Markteinführung werden neue Autos auf „Herz und Nieren“ geprüft, nicht immer werden alle Problemstellen identifiziert und ausgebessert. Im Fall von VW waren das die Klimabedingungen in asiatischen Metropolen.
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DüsseldorfBevor ein neues Automodell auf den Markt kommt, hat es bereits unzählige Kilometer unter den widrigsten Bedingungen zurückgelegt. Die Entwicklungsingenieure prüfen ihre seriennahen Prototypen in der Hitze des Death Valleys oder der Winterkälte Skandinaviens aufs Extrembelastung, Ausdauerläufe und Höchstbelastungen unter den unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen.

Eine besondere Herausforderung stellen inzwischen auch die asiatischen Megastädte dar, wie der aktuelle Fall bei VW zeigt: Die Kombination aus der feuchtheißen Luft und dem extremen Stop-and-go-Verkehr rund um Shanghai, Peking und Co sorgte immer wieder für Probleme bei dem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe vom Typ DQ200. Jetzt will Volkswagen das Problem gefunden haben: Der Schwefel ist schuld.

Seit seiner Markteinführung 2008 wurde das DQ200 mit einem synthetischen Öl befüllt. Dieses Öl enthält – wie alle Synthetiköle – schwefelhaltige Additive. Unter den extremen Belastungen des Stadtverkehrs mit nur mangelnder Kühlung reagiert der Schwefel und verändert seine molekulare Struktur. Das kann dann im Steuergerät des Getriebes für Kurzschlüsse sorgen – aus Sicherheitsgründen legt sich dann das Getriebe selbst still.

„Wir haben auch unabhängige Institute das Öl untersuchen lassen, um ganz sicher zu gehen“, sagt der zuständige VW-Sprecher Michael Franke. „Sowohl die Institute als auch wir konnten die Probleme mit dem Synthetiköl nachvollziehen, mit Mineralöl aber nicht reproduzieren. Das Problem war weg.“

Wenn es zu einem Kurzschluss kommt, öffnet die Software aus Sicherheitsgründen die Kupplung und schaltet somit in den Leerlauf. Geschieht dies während der Fahrt, rollt der Wagen aus. Der Motor läuft aber weiter, Bremsen, Lenkungen, Airbags und Licht funktionieren weiterhin. Da die chemische Reaktion des Öls mit dem Abstellen des Autos nicht endet, kann es auch im Stand zu Kurzschlüssen kommen. Dann lässt sich nach dem Starten schlichtweg keine Gangstufe einlegen.

„Diese Bedingungen sind sehr schwer über einen langen Zeitraum zu simulieren.“ sagt Franke. „Wir haben einen Fehler gemacht und dazu gelernt – leider ist das nicht angenehm für den Kunden. Wir wollen aber zeigen, dass wir uns kümmern, daher die freiwillige Aktion mit dem Ölwechsel.“

Sebastian Schaal
Sebastian Schaal
Handelsblatt Online / Redakteur

Kommentare zu " DSG-Rückruf bei VW: Das Problem ist der Schwefel"

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  • Mir ist es etwas unverständlich, wie das Öl in die Elektronik gerät. Liegen nicht eher Undichtigkeitsprobleme vor?

  • Ein Rückruf eines Fahrzeugherstellers muss angesichts der heutigen Komplexität der Technik nicht unbedingt imageschädigend sein. Im Gegenteil, kann sogar Vertrauen in die Marke erhöhen: Rückrufe in den USA (Toyota, Hyundai/Kia, usw.) haben das bewiesen und trotzdem zu keinen Absatzeinbrüchen geführt. Im Gegenteil.

    Bedingung aber ist: Der Rückruf muß schnell erfolgen und nicht erst nach langen Monaten des Abwartens, Prüfens und Abwägens. Und wenn man besonders großzügige Garantie- und Kulanzregeln in den USA und China einführt, dann sollte man auch mit gleichartigen in Europa nachziehen.

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