Ducati 1299 Panigale: Das Imperium schlägt zurück

Ducati 1299 Panigale
Das Imperium schlägt zurück

Die jahrelange Dominanz der BMW S 1000 RR bei den Superbikes hat Ducati keine Ruhe gelassen: Für 2015 hat die 1199 Panigale ein fettes Update erhalten. Das macht die rote Königin aus Bologna sehr reizvoll. Und teuer.
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Freche Burschen sind das in Bayern: Kommen 2009 erstmals mit einem Superbike auf den Markt und mischen auf Anhieb die ganze Szene auf! Kein anderes Superbike konnte die BMW S 1000 RR seither in den Vergleichstests der Fachmagazine das Fürchten lehren. Doch nun schlägt das Imperium aus Bologna zurück: Noch mehr Hubraum, noch mehr Leistung, noch mehr Technologie, noch mehr Leichtbau – die neue 1299 Panigale ist – insbesondere in ihrer S-Version – gut für jede Menge Superlative. Wie fährt sich das über 25.000 Euro kostende Italo-Superbike, das Ducati wieder an die Spitze bringen soll?

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Die 1299 Panigale ist trotz Übernahme vieler Konstruktionsprinzipien und auch mancher Teile im Grunde ein neues Motorrad. Die Zylinderbohrung des Superquadro-Motors ist von 112 auf gigantische 116 Millimeter gewachsen, Kolben, Pleuel und Kurbelwelle wurden verändert.

1.285 Kubikzentimeter beträgt jetzt der Hubraum statt vorher 1.199 Kubik. Merkmale des Superquadro-V2 sind elliptische Drosselklappen sowie doppelte Einspritzdüsen für jeden der beiden Zylinder, die in der für Ducati charakteristischen L-Form aus dem Motorgehäuse ragen.

Lohn des enormen konstruktiven und fertigungstechnischen Aufwands ist die überragende Leistung von 151 kW/205 PS bei 10.500 Umdrehungen sowie von fast 145 Newtonmetern bei 8.750 Touren (1199: 195 PS bzw. 132 Nm). Zumindest auf dem Papier steht Ducati damit ganz oben unter allen Superbike-Mitbewerbern.

Auch Fahrwerk und Karosserie sind neu: Die Verkleidung hat zwar ihre rassige Linie behalten, weist aber ein höheres Windschild, eine verbreiterte Frontmaske, größere Lufteinlässe sowie in der S-Version LED-Scheinwerfer auf. Auch die Seitenverkleidungen sowie das nach wie vor aufregend gestylte Heck wurden modifiziert.

Neu ist auch das semiaktive Federungssystem Smart EC von Öhlins; es besteht aus einer Upside-down-Gabel und einem Mono-Federbein hinten sowie einem Lenkungsdämpfer. Dabei kann der Fahrer wählen, ob er dem System Vorgaben für Zug- und Druckstufe machen will oder es der Automatik überlässt, ereignisbasiert zu reagieren.

Auf dem Achterbahnkurs von Portimao/Portugal muss die 1299 Panigale S erstmals zeigen, ob sie die hohen Erwartungen erfüllen kann. Sobald „Feuer frei“ angesagt ist, fällt das um 15 Prozent gestiegene Drehmoment zwischen 5.000 und 8.000 Umdrehungen auf; dieses ist der bei weitem am häufigsten genutzte Bereich.

Doch auch darüber und darunter liefert der 86 Kubikzentimeter vergrößerte Motor mehr Leistung als das Vorgänger-Triebwerk. In Verbindung mit dem fast schon unglaublich niedrigen Gewicht von 190,5 Kilogramm resultieren mehr als beeindruckende Fahrleistungen. Ob die Duc die für 2015 ebenfalls stark überarbeitete BMW nun schlagen kann, lässt sich freilich erst sagen, wenn man beide Maschinen im direkten Vergleich gefahren hat.

Die unausgewogene Fahrwerksauslegung der 1199 Panigale S (hinten zu soft für die relativ harte Front) ist nun Geschichte: Die Fahrbarkeit der 1299 in S-Konfiguration mit dem semiaktiven Fahrwerk ist unter allen Bedingungen verbessert und darf nun als ausgewogen bezeichnet werden.

Ob dies auch für die Normalversion mit konventionellen Fahrwerkselementen gilt, muss offen bleiben. Die zahlreichen elektronischen Fahrhilfen (u.a. Wheelie-Kontrolle, Traktionskontrolle, Quickshifter mit Blipper-Funktion zum kupplungslosen Herunterschalten) funktionieren perfekt und erhöhen das subjektive Gefühl höchster Fahrsicherheit. Dazu gehört auch die erstmals in ein Superbike integrierte Kurvenbrems-Funktion des Bosch-ABS.

War das Vormodell noch teilweise zickig, gibt sich die Neue zwar bärenstark, aber zugleich viel berechenbarer. Das Handling kann man als „luftig“ bezeichnen. Und die Stabilität beim Anbremsen von Kurven aus hohem Tempo ist nun beeindruckend.

Wer Italo-Bikes gewohnt ist, empfindet die 1299 Panigale S schon beinahe als „unitalienisch“, so ausgeprägt ist die Funktionalität dieses Superbikes nun. Ob da via Audi deutsche Tugenden nach Bologna exportiert worden sind?

Mit ihrem nunmehr riesigen Hubraum fällt die mindestens 25.490 Euro kostende 1299 Panigale S aus jedem Renn-Reglement. Wer sich ernsthaft und auf der Rennstrecke mit der BMW S 1000 RR messen will, muss zur ebenfalls neuen Panigale R greifen, die ebenfalls 205 PS liefern soll, aber den reglementskonformen 1200er Motor aufweist. Mit mindestens 32.990 Euro ist sie freilich sündteuer im Vergleich zur BMW. Dafür ist sie mit 184 Kilogramm auch um volle 20 Kilogramm leichter.

Das Duell zwischen München und Bologna nimmt stark Fahrt auf – nicht nur bei den Superbikes: Im Mai bringen die Bayern ihre vierzylindrige Interpretation einer Ducati Multistrada namens S 1000 XR – und Bologna präsentiert schon in wenigen Wochen eine neue 1200 Multistrada. In der ist irgendwann sicher auch der 1299er Motor vorstellbar…

Technische Daten Ducati 1299 Panigale S

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-V-Motor in L-Konfiguration, 1.285 ccm Hubraum, 151 kW/205 PS bei 10.500 U/min., 144,6 Nm bei 8.750 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kette.

Fahrwerk: Aluminium-Monocoque; 43 mm Upside-down-Telegabel vorne (Zug- und Druckstufe elektronisch einstellbar),  Aluminium-Einarmschwinge, Zentralfederbein (komplett einstellbar, Zug- und Druckstufe elektronisch, semiaktives Fahrwerk) hinten; geschmiedete Leichtmetallräder; Reifen 120/70 ZR 17 (vorne) bzw. 200/55 ZR 17 (hinten). 330 mm Doppelscheibenbremse vorne, 245 mm Einscheibenbremse hinten; abschaltbares Kurven-ABS.

Maße und Gewichte: Radstand 1.437 mm, Sitzhöhe 830 mm, Gewicht fahrfertig 190,5 kg; Tankinhalt  17 l.

Preis: ab 25.490 Euro.

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