Test + Technik
E-Motion: Mercedes-Benz CLS 500 im Test

Haar (dpa-infocom) - Anfang 2002 sorgte die neue E-Klasse für großen Jubel. Der typischste aller Sternträger beeindruckte mit ungewöhnlich schicker Optik. Ein Meilenstein in der Design-Geschichte der E- Klasse.

Haar (dpa-infocom) - Anfang 2002 sorgte die neue E-Klasse für großen Jubel. Der typischste aller Sternträger beeindruckte mit ungewöhnlich schicker Optik. Ein Meilenstein in der Design-Geschichte der E- Klasse.

Doch Mercedes kann noch schöner: Im September 2003 überraschten die Stuttgarter das IAA-Publikum mit der Studie Vision CLS - ein sportlich-eleganter E-Klasse-Ableger.

Schnell am Markt

Bereits zur Messepremiere stand fest: Der Viertürer wird gebaut. Nur knapp ein Jahr später, im November 2004 ist der Verkaufsstart. Wir haben das viertürige Coupé in der Topmotorisierung CLS 500 mit Fünf- Liter-V8-Motor getestet.

Elegante Linienführung

Obwohl der CLS weitgehend auf der E-Klasse basiert, beeindruckt die coupéhafte Variante mit einer besonderen Linienführung. Distinguiert setzt sie sich von der Masse ab. Das Coupé ist eine sportlich- vornehme Limousine. Augenfällig ist das elegant abfallende Heck. Mit 4,91 Meter Länge bei nur 1,39 Meter Höhe ist der CLS lang und flach. Die hohe Schulterlinie, die schmalen Seitenfenster und die breite Front sorgen außerdem für einen bulligen Eindruck. Das Heck mit jeweils einem Auspuffendrohr links und rechts und die neuartig geformten Scheinwerfer setzen weitere Akzente.

Luxus innen

Gehobenes Ambiente bietet auch der Innenraum. Die meisten Komponenten sind zwar aus der E-Klasse bekannt. Doch mit dem großflächigen, matt lackierten Wurzelholz im Armaturenbrett, zusätzlichen Chromapplikationen und der üppigen Lederlandschaft bietet der CLS sichtlich mehr Noblesse. Das bei der Studie so bewunderte Glaspanorama-Dach hat den Weg in die Serienproduktion übrigens nicht gefunden.

Eine Limousine? Oder ein Coupé?

Der Einstieg in den Mercedes CLS ist aufgrund der geringen Fahrzeughöhe etwas schwierig. Dennoch hat man auf den vorderen Sitzen viel Platz. Im ebenfalls großzügigen Fond kommen maximal zwei Passagiere unter. Dort, wo sich sonst ein dritter, mittlerer Sitz befindet, bietet das hintere Passagierabteil eine breite Mittelkonsole mit Staufächern und ausklappbarer Armlehne. Seitlich sowie bei der Kniefreiheit ist das Platzangebot im Fond grandios. Doch bald macht sich die geringe Kopffreiheit bemerkbar. Personen ab 1,70 Meter Körperlänge stossen in aufrechter Sitzposition an die Decke. Automatisch rutscht man also mit den Beinen nach vorne. In dieser Position sitzt es sich aber nur zeitweilig bequem. Auf schnellen Kurvenfahrten wird man hinten trotz konturierter Sitze zudem stark hin und her geschüttelt. Da bieten vorne die optional erhältlichen fahrdynamischen Multikontursitze deutlich mehr Seitenhalt.

Großer Kofferraum

Ebenfalls etwas flach ist der Kofferraum ausgefallen. Dennoch passen 495 Liter Gepäck in den CLS. Zum Vergleich: Die E-Klasse bietet 540 Liter Kofferraumvolumen. Weiterer Wermutstropfen beim CLS: Die Rücksitzbank - anders als in der E-Klasse - ist nicht umlegbar.

Muskel-Mercedes

Das 306 PS starke Fünfliter-Triebwerk des CLS 500 hinterlässt mit grummeligem V8-Sound und seidiger Laufkultur einen souveränen Eindruck. Der wuchtige Motor mit seinen 460 Newtonmetern Drehmoment sorgt für sportliche Fahrleistungen. Der 100-km/h-Sprint ist nach nur 6,1 Sekunden zuende. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h abgeregelt. Für alle denkbaren Verkehrssituationen steht also Leistung im Überfluss zur Verfügung.

Sanfter Schalter

Die serienmäßige, sehr weich schaltende Siebengang-Automatik wechselt die Gangstufen schnell. Nur beim manuellen Gangwechsel sind die Schaltpausen etwas lang. Trotz der sieben Gänge ist der Spritkonsum hoch: Mercedes gibt den Durchschnittsverbrauch mit 11,3 Litern an. In der Praxis hat uns der Bordcomputer etwas über 15 Liter angezeigt.

Sparsame Alternative

Alternativ wird der CLS mit dem neuen, 272 PS starken 3,5-Liter- Sechszylinder angeboten. Für die E-Klasse ist dieses Aggregat aus dem SLK nicht erhältlich. Der kleinere V6 bietet im CLS ähnlich gute Fahreigenschaften wie der große V8. Der Sprint endet zwar erst nach 7,0 Sekunden. Statt 11,3 verbraucht der V6 dafür nur 10,1 Liter auf 100 Kilometer. In der Anschaffung kostet der CLS 350 mit 54 346 Euro zudem 13 000 Euro weniger. Der V6 ist nicht ganz so klang- und druckvoll, doch dafür eben günstiger und leichter.

Der etwas sportlichere E

Am Fahrverhalten gibt es nichts zu mäkeln. Der CLS 500 fährt sich wie ein E 500. Obwohl etwas flacher, breiter, mit strafferem Fahrwerk und einer präziseren Lenkung, bleibt auch der CLS frontlastig und untersteuert. Trotz 1 810 Kilogramm Leergewicht ist das Fahrverhalten weitgehend sportlich und stets komfortabel. Mit druckvollem Motor, viel Traktion und starken Bremsen geht es auf Wunsch sehr flott um Kurven. Das serienmäßige Fahrwerk mit der Airmatic DC (optional beim CLS 350) wird in beeindruckender Weise mit dem enormen Leistungspotenzial fertig und bietet dabei dennoch sehr viel Komfort. Droht der Wagen auszubrechen, blinkt die ESP-Leuchte, während die Insassen davon kaum etwas spüren.

Fazit: Der Schönheit eine Chance

Kritisch sei angemerkt, dass der CLS als avantgardistischer E-Klasse- Ableger etwas überteuert ist. Zwar rechtfertigt seine umfangreichere Serienausstattung teilweise den Aufpreis. Dennoch kostet das Coupé ausstattungsbereinigt rund 7 000 Euro mehr als eine vergleichbare E- Klasse.

Zweiter Kritikpunkt: Der CLS bietet weniger Alltagstauglichkeit als die E-Klasse. Im Fond ist die Kopffreiheit geringer und der Kofferraum fällt um 45 Liter kleiner aus. Wer sich also zwischen E- Klasse und CLS entscheiden will, hat die günstigere und praktischere Limousine auf der einen Seite und den etwas sportlicher ausgelegten, coupéhaften Design-Hingucker auf der anderen.

Die Faszination des CLS-Designs dürfte vielen Kaufanreiz genug sein. Das Auge fährt bekanntlich mit. Der CLS ist eine wirklich herausragende Schönheit. Dies allein rechtfertigt einen höheren Anschaffungspreis.

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